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14.06.2007

Xandros schließt Frieden mit Microsoft

Der Linux-Distributor folgt dem Novell-Beispiel und riskiert Konflikte mit der GPLv3.

Microsoft ist dem erklärten Ziel, über Novell hinaus auch mit weiteren Linux-Firmen Kooperationen zu schließen, ein Stück näher gekommen. Das Unternehmen hat mit dem Linux-Distributor Xandros, New York, einen in den Details noch nicht bekannten Vertrag abgeschlossen. Die Abmachung hat eine Laufzeit von fünf Jahren. Beide Seiten vereinbaren darin eine Kooperation zur besseren Interoperabilität von Windows- und Xandros-Linux-Umgebungen, wozu auch das Recht zur Verwendung von Patenten zählt. Xandros-Anwender dürfen bestimmte Produkte mit Microsoft-Patentansprüchen nutzen; sie werden also von hypothetischen patentrechlichen Klagen Microsofts ausgenommen.

Das Abkommen hat einer Verlautbarung zufolge fünf Schwerpunkte: In Sachen System-Management wollen die Partner die Interoperabilität ihrer Lösungen sicherstellen. Dazu werden Windows-Management-Protokolle in das Admin-Tool "Bridgeways" von Xandros integriert. Zweitens nimmt Xandros zwecks Interoperabilität der Rechner Lizenzen der Microsoft-Server-Kommunikationsprotokolle und implementiert diese in Xandros-Server. Zur Sicherung der Kompatibilität von Office-Dokumenten wollen beide Unternehmen an Übersetzern zwischen Microsofts Open XML und dem Standard Open Document Format (zum Beispiel von OpenOffice) arbeiten. Diese sollen in den Xandros-Desktop eingehen. Ferner verabredeten die Vertragspartner eine Marketing-Kooperation. Aber Microsoft wird nicht, wie bei Novell, Coupons für Xandros-Support verschenken.

Der fünfte, absehbar strittigste Punkt des Abkommens bezieht sich allerdings auf ein vereinbartes "Framework zur gemeinsamen Nutzung geistigen Eigentums". Was darunter zu verstehen ist, erläutern Microsoft und Xandros nicht. "Durch dieses Abkommen macht Microsoft den Xandros-Kunden Patentzugeständnisse", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Vertragspartner. "Diese werden ihnen Sicherheit geben, dass Xandros-Techniken, die sie in ihren Umgebungen installieren und verwenden, mit Microsofts Urheberrechten übereinstimmen." Das ist eine Freisprechung ("Indemnification") von möglichen Microsoft-Klagen.

Dieser Vertragsteil könnte Xandros in eine prekäre Situation bringen: Noch in diesem Monat will die Free Software Foundation (FSF) die künftige dritte Version der GNU General Public License (GPLv3) verabschieden. Deren offiziell letzter Entwurf verbietet explizit "diskriminierende" Verträge mit Unternehmen außerhalb des Wirkungsbereichs der GPL, schafft allerdings eine Ausnahmeregelung für das Abkommen zwischen Novell und Microsoft, das eine Lücke in der GPLv2 ausnutzte. Für Xandros gilt die zeitlich limitierte Ausnahme nicht mehr. Der Linux-Distributor wird allerdings weiterhin nicht auf Software verzichten können, die künftig unter der GPLv3 stehen wird. Welche Überlegungen sich das Unternehmen hinsichtlich dieses Problems gemacht hat, ist unbekannt.

Jedoch überrascht die Kooperation in einer anderen Hinsicht weniger: Xandros ist der Linux-Distributor, dessen Benutzeroberfläche und Konzept der Benutzerführung am meisten Windows ähnelt. Zudem hat das Unternehmen im April dieses Jahres die Absicht bekundet, die Xandros-Management-Konsole "xMC" auf Windows zu portieren, um Linux- und Windows-Server von einem Punkt aus administrieren zu können. Angesichts dieser beiden Hintergründe stellt sich die Frage, ob Microsoft Xandros mit patentrechtlichen Drohungen zum Abschluss des "Friedensabkommens" gedrängt hat. (ls)