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SAP arbeitet an neuer Applikationsschicht

Xapps sollen System- und Firmengrenzen überwinden

02.08.2002
MÜNCHEN (fn) - SAP will mit "Xapps" oder "Cross Applications" neue Anwendungen vermarkten, die Geschäftsprozesse außerhalb des "Mysap"-Portfolios abbilden. Es handelt sich um vorgefertigte Java-Applikationen, die auf der Ablauf- und Interaktionsumgebung "Mysap Technology" aufsetzen und eine übergeordnete Anwendungsschicht über heterogene IT-Systeme legen.

Einfach ausgedrückt sollen SAPs Xapps die durch heterogene DV-Landschaften hervorgerufene Komplexität beseitigen. Eine Xapp könnte beispielsweise mit dem Enterprise-Resource-Planning(ERP-)System von SAP, der Customer-Relationship-Management-(CRM-)Umgebung von Siebel sowie den Content-Management-Applikationen von Documentum oder Filenet verbunden sein, um bestimmte Geschäftsvorgänge in einer übergreifenden Anwendung bereitzustellen. Der Benutzer weiß im Idealfall nicht, welche Softwarekomponenten unterhalb der Xapp laufen. Nach Darstellung von SAP geht dieses Konzept über die Funktionen von Enterprise Applikation Integration (EAI) hinaus, die meist nur eine Datenverknüpfung, nicht aber eine Prozessintegration herstellen.

Lückenfüller

"Xapps sind funktionsübergreifend, nutzen also Mechanismen von Applikationen wie etwa CRM, ERP, Personalverwaltung, Supply-Chain-Managment (SCM) und Supplier-Relationship-Management (SRM), um Lücken zwischen diesen Systemen zu schließen", erläutert Peter Graf, Vice President Market Strategy, im Gespräch mit der CW. Auf diese Weise entstehen "Composite Applications", also Anwendungen, die verschiedene Systemkomponenten einbinden. Beispiele wären Programme, die Unternehmen bei der Entscheidung über neue Produkte unterstützen. Oder Lösungen, die ihnen Funktionen zur Konsolidierung von Personal- und Finanzbuchhaltungssystemen nach einem Merger zur Verfügung stellen.

Erstes Produkt in diesem Jahr

Entwickeln will der Hersteller die Cross-Applications nicht allein. Vielmehr sollen Partnerfirmen ihre Projekterfahrung und ihr Know-how beisteuern. Eine erste Xapp namens "Resource and Program Management" soll dieses Jahr auf den Markt kommen. Mit der Anwendung können Unternehmen ihr Produktportfolio optimieren. Zu den Funktionen zählt eine Expertensuche, Projekt-Management und Budgetplanung. Angebunden werden unter anderem Systeme für Personal- und Produktlifecycle-Management, Kalendersysteme und E-Mail-Server.

Java-Code statt Abap

Xapps werden nicht in der SAP-Programmiersprache Abap, sondern komplett in Java implementiert, laufen auf dem hauseigenen "Web Application Server" und bedienen sich der Integrationskomponenten von "Mysap Technology". Als Benutzer-Schnittstelle dient das "Enterprise Portal" der Walldorfer. Anwender erhalten einen rollenbasierenden Zugang. Das Portal führt sowohl Business-Logik als auch die für Geschäftsprozesse relevanten Inhalte im Browser-Interface zusammen. Darüber hinaus sind Anwender in der Lage, sich über Collaborations-Funktionen untereinander auszutauschen. Ferner will SAP Connectivity-Packages entwickeln. Diese dienen dazu, User-Interfaces von Fremdanwendungen ins Portal einzubetten. Außerdem wird es Extraktoren zum Auslesen von Informationen aus Datenbanken und Applikationen geben, um auf dieser Grundlage entscheidungsunterstützende Analysen fahren zu können.

Zwar liefert der Software-Konzern vorgefertigte Funktions- und Integrationsmodule, gleichwohl müssen Kunden die Lösungen an ihre spezifischen Bedürfnissen anpassen. SAP verspricht seinen Kunden mit dem Xapps-Konzept viel, doch die Idee, über eine reine Datenintegration hinaus heterogene Systeme in eine übergeordnete Prozessschicht zu integrieren, ist nicht neu. Sie wurde beispielsweise von Anbietern aus dem EAI-Lager sowie einigen Herstellern von Portalsoftware aufgegriffen. Bisher hatte jedoch noch kein Applikationshersteller diesen Weg beschritten, der wie SAP darauf bedacht war, Firmen eine integrierte AnwendungsSuite zu verkaufen. Man darf gespannt sein, ob und wie es den Walldorfern gelingt nicht nur die eigenen, sondern auch Fremdprodukte in das Xapps-Konzept einzubeziehen. Zumindest kommt die beabsichtigte Herangehensweise, Konkurrenzsysteme wie etwa Siebels CRM-Produkte in bestehende Mysap-Umgebungen einzubinden, statt sie abzulösen, den Kunden entgegen.

Abb: Heterogene IT-Systeme ummanteln

Die Cross Applications bedienen sich der Ablauf- und Integrationsumgebung Mysap Technology, um SAP-eigene und fremde Systeme einzubinden. Quelle: CW/SAP