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21.05.2007

XBRL vereinfacht den Austausch von Finanzdaten

Oft müssen Unternehmen Berichte an Börse, Banken und Analysten übermitteln. Technische Standards könnten Zeit und Geld sparen helfen.

Es ist ein Anachronismus: In den Unternehmen sind die eigenen Finanzdaten in umfassenden, vernetzten und integrierten Systemen verfügbar. Der Versand dieser Informationen erfolgt aber auf Papier oder vielleicht als elektronische Kopie des Papiers als PDF. Empfänger wie Analysten bei Kapitalanlegern, die Kreditabteilungen von Banken, Rating-Agenturen und auch Behörden wollen und müssen die Informationen jedoch individuell und detailliert auswerten und vergleichen. Sie wollen mit maßgeschneiderten Analyseschemata einzelne Fakten wie Umsatzzahlen, Cashflow, Eigenkapitalquoten und andere Größen erfassen oder berechnen können.

Erfahrungen mit XBRL

Vom 3. bis 7. Juni 2007 tagt in München eine internationale XBRL-Konferenz. Sie will einen Einblick in die technischen und anwendungsspezifischen Aspekte von XBRL geben und Projekte vorstellen. Am 5. Juni 2007 bildet die Konferenz den Rahmen für das Deutsche XBRL-Symposium. Das Programm findet sich unter: http://conference.xbrl.org. Eine ausführliche Darstellung von XBRL und seinen Einsatzmöglichkeiten gibt auch das in Kürze erscheinende Buch "XBRL in der betrieblichen Praxis" von Norbert Flickinger (ISBN 978-3-503-10302-7).

Was bringt XBRL?

XBRL (Extensible Business Reporting Language) ist eine frei verfügbare elektronische Sprache für den Austausch von Informationen von und über Unternehmen.

XBRL ist bevorzugtes und gebührengünstiges Lieferformat für den Elektronischen Bundesanzeiger, der seit Anfang 2007 das zentrale Register für Jahresabschlüsse der deutschen Unternehmen ist.

XBRL ist effizient und kostengünstig und soll dabei helfen, die Kommunikation in und zwischen Unternehmen zu beschleunigen, zu verbessern und kostengünstiger zu machen.

Von der Erstellung über Verbreitung und Veröffentlichung bis hin zur Auswertung beim Empfänger liegen XBRL-Informationen stets im selben, einheitlichen und standardisierten Darstellungsformat vor und können automatisiert ausgewertet werden.

Mehr zum Thema,www.computerwoche.de/

Weiter Informationen zu XBRL:

- www.xbrl.org (XBRL-Konsortium);

- www.xbrl.de (deutsche XBRL-Vereinigung);

- www.iasb.org/xbrl (Nachrichten und Informationen zu XBRL).

Medienbrüche kosten Zeit

Dies geht nur, wenn zuvor die relevanten Daten aus den übermittelten Finanzinformationen extrahiert, neu geordnet und neuerlich in einen Rechner eingegeben werden. Es liegt also ein typischer Medienbruch vor, bei dem strukturierte Informationen zunächst in eine unstrukturierte Form überführt werden, um beim Empfänger mühsam eine neue Struktur zu erhalten. Oft wird dabei ein und derselbe Fall von Analysten verschiedener Häuser unabhängig voneinander und damit wiederholt bearbeitet. Das ist eine Verschwendung von Ressourcen und Zeit und kann oft wichtige Entscheidungen verzögern. Zudem schleichen sich Fehler ein, die bei einem maschinellen Transformationsprozess nicht entstünden.

Unterstützung für XBRL wächst

Ansätze, die Übermittlung und Verarbeitung von Finanzinformationen mit Hilfe einheitlicher elektronischer Datenaustauschformate zu erleichtern, hat es viele gegeben. Doch wurden sie meist nur unter zwei oder wenig mehr Partnern vereinbart. An diesem Punkt setzt die Extensible Business Reporting Language (XBRL) an. Mit ihrer Hilfe soll sich die Informationsstruktur der Datenquelle bewahren, in Finanzberichte einbetten und dem Empfänger für eine automatisierte Weiterverarbeitung bereitstellen lassen.

XBRL ist als offener, freier und plattformunabhängiger Standard entwickelt worden. Über 400 Unternehmen und Institutionen weltweit unterstützen ihn, darunter Wirtschaftsprüfer, Softwarefirmen, Banken, staatliche Stellen und das International Accounting Standards Board (IABS).

Informationen verknüpfen

Die Elemente des XML-Standards sind auf die Abbildung atomarer Informationsbruchstücke im Financial Reporting zugeschnitten. Die Elemente enthalten eine Reihe von Eigenschaften, angefangen beim Attribut für seine inhaltliche Bedeutung ("Firmenname", "Umsatz", "Eigenkapital" ) bis hin zur Vorgabe des Datentyps ("monetary", "string"). Zudem sind Mechanismen vorhanden, diese Elemente vielfältig miteinander und mit der "Außenwelt" zu verknüpfen. Dadurch lassen sich rechnerische Beziehungen abbilden (etwa: "Summe Aktiva" = "Anlagevermögen" + "Umlaufvermögen" + "Rechnungsabgrenzungsposten"), logische Zusammenhänge (etwa: "Postleitzahl" ist Bestandteil von "Adresse"), Referenzen auf externe Informationsquellen (zum Beispiel Verweise auf bestimmte Gesetzesparagrafen oder sonstige einschlägige Literatur) und anderes mehr.

Mit diesem Baukasten können Unternehmen den typischen Inhalt und Umfang von FinanzReports ausgestalten. Ein Beispiel sind Geschäftsberichte gemäß den Rechnungslegungsvorschriften der International Accounting Standards (IAS) und International Financial Reporting Standards (IFRS), dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) oder United States Generally Accepted Accounting Principles (US-GAAP). Diese Modelle werden im XBRL-Jargon als "Taxonomies" bezeichnet. Sie dienen dazu, Elemente eines Wissensgebiets strukturiert, klassifiziert und mit ihren Einzelheiten zu beschreiben. Im Fall von XBRL vereinen sie das Wissen von IT-Spezialisten mit dem Fachwissen aus dem Rechnungswesen, Controlling, Wirtschaftsprüfung und der Unternehmensanalyse.

Die Taxonomie spielt die Rolle eines Templates bei der Generierung eines konkreten Berichts (Instance Document) und ist die Referenz, mit der sich dessen Inhalt für den Empfänger wieder erschließt. Taxonomien enthalten ferner die Daten und Regeln für datentechnische und maschinelle Validierung der Reports. Durch die funktionale Trennung von Semantik (Taxonomy) und Daten (Instance Documents) hält sich der "XML-Overhead" eines Berichts in Grenzen.

Für den Empfänger haben XBRL-Berichte eine Reihe von Vorteilen: Durch eine eindeutige Codierung der Informationen, die integrierten Ansätze für die technische Validierung des Dokuments und die implementierte Logik für die inhaltliche Konsistenzprüfung kann er erhebliche Rationalisierungseffekte erzielen. Ebenso profitiert der Berichtende: Je mehr Adressaten statt individueller Berichte unterschiedlichen Inhalts und Aufbaus standardisierte XBRL-Reports fordern oder akzeptieren, desto weiter sinkt der Aufwand im Berichtswesen für ihn.

Aufwand für Berichte sinkt

Noch ist der breite Einsatz von XBRL Zukunftsmusik, doch mehren sich die Beispiele. So ist seit Anfang 2007 der Elektronische Bundesanzeiger in Betrieb. Dieser muss unter anderem die Jahresabschlüsse von rund einer Million deutscher Unternehmen auf elektronischem Wege einsammeln und im Internet publizieren. Als bevorzugtes Lieferformat hat er sich für XBRL entschieden und will Unternehmen durch eine günstige Gebührenstaffelung für eine breite Nutzung gewinnen. Ferner beginnen Softwarefirmen Module zur Erstellung von XBRL-Reports in ihre Systeme zu integrieren. Ein Beispiel ist die Datev, die für ihre über zwei Millionen deutschen Mandanten XBRL-Reports auf "Mausklick" produzieren kann. Ein weiterer Befürworter und Treiber ist die amerikanische Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC). (as)