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06.05.1988 - 

Mehrplatzbetriebssystem als LAN-Alternative:

Xenix eröffnet PC-Anwendern Multiuser-Perspektiven

06.05.1988

Der "persönliche" Computer hat sich gewandelt. Seit Erscheinen der 80286-AT-Mikros stehen auf vielen Schreibtischen Systeme, die von ihrer Rechenleistung her zwei und mehr Benutzer bedienen oder umfangreiche Grafikanwendungen unterstützen könnten, gäbe es da nicht die Einschränkungen des Betriebssystems MS-DOS. Das Unix-Derivat Xenix kann Abhilfe schaffen.

Noch vor weniger als fünf Jahren kamen PCs mit 64 oder 128 KB Hauptspeicher auf den Markt, die zur Speicherung von Programmen und Daten mit zwei Floppylaufwerken auskamen. Für diese Geräte wurde das Betriebssystem MS-DOS konzipiert. Zusätzlich ermöglichte es dem Anwender, Festplatten in seinem Computersystem zu verwenden, die bei Systemen wie dem IBM XT häufig nur 5 MB Kapazität hatten.

Zunächst setzten die Anwender diese Systeme meist zur Rationalisierung einzelner bestimmter Aufgaben ein, zum Beispiel als Textsysteme mit breiterem Leistungsspektrum als Schreibmaschinen, als Buchhaltungsrechner oder als Kalkulationscomputer. Durch Austausch der Programmdisketten nutzten verschiedene Mitarbeiter diese Systeme für unterschiedliche Aufgaben.

PC gehört schon zur Grundausstattung

Die recht gute Akzeptanz der Systeme sorgte gemeinsam mit den fallenden Preisen dafür, daß solche Systeme heute schon oft zur Grundausstattung eines Arbeitsplatzes gehören. Mit dieser Entwicklung ist der persönliche DV-Arbeitsplatz Bestandteil des Organisationskonzeptes einer immer größeren Zahl von Unternehmen geworden.

Wesentliches Merkmal eines modernen Personal Computers ist das enge Zusammenspiel seiner Zentraleinheit, der Tastatur und des Bildschirms. Diese Peripheriegeräte werden dabei direkt von Videokarten und Tastaturtreibern im Rechner selbst kontrolliert. Die Entwickler der PCs gingen hierbei von einem einzelnen Benutzer aus, der seine erfaßten Daten gelegentlich grafisch auswerten möchte.

An diesen Grundüberlegungen hat sich bis heute nicht viel geändert. Zwar sind die Prozessoren zehnmal schneller und können auf die zehnfache Hauptspeichergröße und die 40fache Plattenkapazität zugreifen, doch funktioniert das Betriebssystem MS-DOS im wesentlichen noch so, wie auf den ersten IBM-PCs. Auf die frappierendste Dissonanz stößt man bei der Verwendung des Prozessors 80386 im Betriebsmodus des 8088 (der 10-PS-Motor im Fahrrad).

Die heutige Hardwareausstattung könnte mit einem geeigneten Betriebssystem in der Lage sein, entweder die 10fache Benutzerzahl zu bedienen oder die Leistungen der PCs im Bereich komplexen mathematischer und grafischer Aufgaben voll auszunutzen. Leider bietet auch MS-OS/2 noch nicht die endgültige Lösung dieser Probleme, denn dieses System nutzt beim 80386 auch nur dessen Fähigkeit, einen 80286 zu emulieren. Dabei läßt OS/2 die Potenz der Hardware, mehrere Benutzer zu bedienen, bereits im Konzept völlig ungenutzt. Ein Betriebssystem, das in der Lage ist, in diese aufgezeigten Lücken zu springen, ist mit dem Unix-Derivat Xenix schon seit geraumer Zeit am Markt.

Zwar wächst die Zahl der Xenix/ Unix-Installationen auf PCs kontinuierlich an, aber die Marktdurchdringung eines MS-DOS bleibt noch lange Zeit außer Sicht. Gründe hierfür gibt es einige, wenngleich die meisten von ihnen durch augenblickliche Entwicklungen bereits entkräftet sind. Abgesehen vom Preis, der bei einem originären Minicomputerbetriebssystem sicherlich nie auf das Niveau eines MS-DOS sinken kann, hat AT&T den potentiellen Unix-Nutzern auch ein anderes Ei ins Nest gelegt.

Nach einer 1956 mit der US-Bundesregierung getroffenen Vereinbarung durfte AT&T keine Computerprodukte vertreiben. Dies führte dazu, daß Unix-Lizenzen zu Forschungszwecken an Universitäten weitergegeben, oder durch andere Softwarehäuser auf neue Computersysteme portiert wurden. Hierbei spielen besonders die Universität von Californien in Berkeley, Interactive Systems und Microsoft bedeutende Rollen.

Berkeley erweiterte seine Version des Unix Betriebssystems so wesentlich, daß viele Hardwarehersteller diese "BSD"-Unix-Version für ihre Rechnersysteme auswählten. Prominentester Vertreter dieser Gruppe ist sicherlich Sun Microsystems. Interactive Systems portiert als Dienstleistungsunternehmen seit Ende der 70er Jahre eine sehr stark der AT&T-Bell-Version entsprechende Unix-Variante. Der sicherlich berühmteste Kunde ist hier die IBM mit AIX für den PC 6150 RT.

Microsoft interessierte sich Anfang der 80er Jahre schon für die Prozessoren der Intel-Familie und entwickelte Xenix als erstes Unix. Derivat für Mikroprozessoren auf dein 8088/86. Dieses Xenix wurde ein relativ großer Erfolg im Bereich kommerziell eingesetzter Rechner und ist damit mengenmäßig das am weitesten verbreitete Unix. Im Gegensatz hierzu fanden die anderen Portierungen lange Zeit mehr Interesse in Bereichen der Forschung, Lehre und Technik.

Versionsverwaltung ist wie Flöhe hüten

Nach einer Neuorganisierung des Telefonriesen AT&T wurde der nun schon ansehnlichen Unix-Fan-Gemeinde im Januar 1983 die offizielle Unterstützung des Unix Betriebssystems durch AT&T angekündigt. Seitdem versucht AT&T, nicht zuletzt wegen der starken Nachfrage nach Unix-Rechnern durch staatliche Stellen, die verschiedenen Versionen wieder unter einen Hut zu bringen.

Unglücklicherweise hatten die Weiterentwicklungen von Xenix und auch BSD-Unix bereits eine starke Eigendynamik entwickelt. Dies führte erst Anfang 1987 dazu, daß AT&T und Microsoft beschlossen, für Computersysteme mit dem Intel Mikroprozessor 80386 ein einheitliches Betriebssystem zu entwickeln. Dieses sollte alle Programme, seien sie nun unter Unix oder Xenix für Intel-Prozessoren der Serie 80286 und 80386 entwickelt worden, ausfahren können. Dieses Betriebssystem wird nun innerhalb Jahresfrist die verschiedenen Unix- und Xenix-Portierungungen, die auf 80386 bislang eingesetzt werden, ersetzen.

Etwas schwerer gestaltete sich für AT&T die Integration der BSD-Derivate. Mit Ankündigung des neuen Sparc-Prozessors von Sun konnte AT&T Anfang dieses Jahres dabei gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Durch Kauf einiger Anteile am Unternehmen Sun hat AT&T nun Zugriffsmöglichkeiten auf den neuen Prozessor und zugleich für Sun einen Anreiz geschaffen, BSD und System V zu integrieren. Zudem hatten beide Häuser im Bereich Unix-Netzwerke auf unterschiedliche Pferde gesetzt (Sun auf NFS und AT&T auf RFS), die durch die neue Konstruktion wohl im "Gespann denselben Karren" ziehen werden.

Gerade diese letzte Entwicklung wirft auch ihren Schatten auf das Unix für den PC. Dieses Allroundsystem soll die neuen Fähigkeiten natürlich auch bekommen. Also wird die allumfassende Version (dann System V Rel. 4) erst gegen Ende 1989 auf dem PC-Markt auftauchen, während die vorläufige übergeordnete Xenix/Unix-Version (System V Rel. 3.2 für 80386) bereits zum Jahreswechsel 88/89 erwartet wird.

Vorläufig sind noch vier Spieler am Unix-Tisch

Bis dahin tummeln sich vier Mitspieler mit ebenso vielen, wenn auch paarweise nur leicht unterschiedlichen Versionen auf dem Markt der Xenix/Unix Systeme für PCs nach dem IBM-AT Strickmuster:

1) Microsoft Xenix wird von einigen Hardwareherstellern selbst portiert und stets gemeinsam mit der Hardware ausgeliefert.

2) SCO Xenix ist die erfolgreichste Version, da SCO das Produkt im Hinblick auf Benutzer- und Systemverwalterfreundlichkeit optimiert hat. Wird sowohl mit Hardware als auch als separates Softwarepaket geliefert.

3) Unix V von Interactive Systems hat erst mit dem 80386 Bedeutung erlangt und wird sowohl von Hardwareherstellern mit dem System als auch über den Handel ausgeliefert.

4) Unix V von Microport ist als "Billig"-Unix 1987 in den Markt eingedrungen und wird wie SCO und Interactive vertrieben.

Alle diese Systeme stellen sich für den Anwender und Programmierer als "echtes" System V dar, wenn auch im Betriebssystemkern und bei einigen Formaten noch Unterschiede auszumachen sind.

Aus diesem Vielerlei der Anbieter geht wohl SCO-Xenix als Gewinner hervor, denn dieses Haus kann sich als Softwaredistributor den Marktanforderungen schneller anpassen, als etwa die mehr auf Entwicklung ausgerichteten Häuser Interactive und Microsoft. Hier ist es in erster Linie die Marktverbreitung des Systems, das bereits für den 8088 angeboten wurde, und das aus dieser Historie auf die größte Palette fertiger Systemanpassungen und verfügbarer Programmpakete verweisen kann.

Ein weiterer Nachteil, der den Einsatz von PCs als Mehrplatzsysteme erschwert, ist aber auch der Systembus der AT-kompatiblen PCs selbst, der das Konzept gemeinsam arbeitender Prozessoren - wie intelligente I/O-Kontroller mit eigener Software - nur schlecht unterstützt. Zudem gibt es heute noch Standardkarten für diesen Bus, die mit der 8-Bit-Übertragungsbandbreite des Ur-PCs arbeiten. Dies sind besonders Grafikkarten, die so für PC XT- und AT-kompatible Rechner eingesetzt werden können.

Diese Hardwareeinschränkungen vernichten jeweils einen Teil der Prozessorleistung, so daß der PC nach IBM-AT-Technologie gleich doppelt gehandicapt ist: durch das DOS-Betriebssystem und durch die alte Busstruktur.

IBM hat mit den größeren PS/2-Modellen gerade die Unzulänglichkeiten des Systembusses beseitigt. Der Micro-Channel ist in der Lage, mehrere gleichzeitig arbeitende Prozessoren aufzunehmen. Dabei können die Datenströme zwischen ihnen und zum gemeinsamen Hauptspeicher mit variabler Geschwindigkeit fließen. Dies macht den PS/2-80 bereits in der Konzeption zu einem leistungsfähigen Mehrplatzrechner.

Diese neue Architektur bietet aber auch eine wesentlich schnellere Grafik, wodurch zumindest die größeren Modelle der PS/2-Reihe in den Markt der Grafik-Workstations eindringen können. Gerade hier aber spielt das Xenix/Unix Betriebssystem eine dominierende Rolle, Mit den renommierten Herstellern Sun, Apollo (wird Standard), DEC (optional) und Tektronix (Neueinsteiger) hat sich dieses Betriebssystem als gemeinsames "Schlachtschiff" in diesem Markt durchgesetzt.

Die Betrachtungen bis hierher lassen Xenix/Unix besonders dann als sinnvolles Betriebssystem für PCs erscheinen, wenn entweder eine Mehrplatzerweiterung denkbar ist, oder die Rechenleistung dieser Systeme für komplexe mathematische oder grafische Aufgaben in vollem Umfang genutzt werden soll.

Besonders der Kostenaspekt bei Verwendung von PCs als kleine Mehrplatzsysteme macht eine solche Lösung als zentrale DV-Anlage für kleinere Unternehmen und als Abteilungsrechner in größeren Organisationen attraktiv. Ein Kostenvergleich mit Einzelsystemen und Netzwerken kann dies verdeutlichen.

Bei diesem Kostenvergleich sind beim Mehrplatzansatz ergonomisch vorteilhafte Terminals mit einer Bildwiederholrate von 70 Hertz und höher, schwarz auf papierweißer Darstellung und 14-Zoll-Bildschirmdiagonale kalkuliert. Den PC- und AT-Ausstattungen liegen Preise günstiger Importanbieter zugrunde. Daraus ergeben sich bei Einsatz von Xenix/Unix für jeden weiteren Arbeitsplatz Kosten von 2500 Mark; beim Einsatz von Netzen und bei Einzelsystemen von etwa 5000 Mark. Die Kosten der PC-Netze und Einzelsysteme können durch unterschiedlichste Konfigurationsmöglichkeiten weiter variieren als die Kosten zusätzlicher Terminals.

Da für zusätzliche Benutzer, die an dem gleichen Gerät arbeiten sollen, auf zusätzliche Bildschirmarbeitsplätze mit eigener Steuerlogik zurückgegriffen werden muß, stellt sich diese Kombination zweier unterschiedlicher Techniken (Videokarten - RS232/V.24-Terminals) bei der Systemkonfiguration auf den ersten Blick als Hemmschwelle dar, weil IBM hier noch keine Quasi-Standards" vorgelegt hat. Der Anwender, der seinen AT (auch mit 80386) in ein Xenix/Unix-Mehrplatzsystem umwandeln möchte, kann sich gerade in diesem Bereich auf die Anbieter dieser Betriebssysteme und die Hardwareanbieter stützen, die ihre PCs bereits als Mehrbenutzersysteme verkaufen. Diese haben besonders im vergangenen Jahr gute Aufklärungsarbeit geleistet. So kann man heute bei vielen Anbietern all die Komponenten, die neben dem Betriebssystem noch zur Systemerweiterung benötigt werden, zusammen mit dem technischen Know-how erhalten.

Andere Probleme gibt es auf seiten der Vernetzung. Mit dem Token Ring hat IBM erst sehr spät in den Markt eingegriffen, so daß viele Netzwerktopologien auf ebenso vielen Übertragungsmedien am Markt präsent sind (Ring-, Bus- und Sternstrukturen auf Zweidraht-, Koax- und Glasfaserleitungen). Dieses Durcheinander wird durch unterschiedliche Protokolle und Programmierschnittstellen noch potenziert.

Auf den Unix-Betriebssystemen scheint sich seit einiger Zeit eine einzige Vernetzungstechnik durchzusetzen. Hier bildet Ethernet zusammen mit dem TCP/IP-Protokoll die Basis für dann allerdings wieder unterschiedliche netzwerkweite Dateisysteme (NFS, RFS und Xenix-Net).

Neben diesen Betrachtungen sind natürlich noch einige andere Fragen zu klären:

Anders als MS-DOS, das zusammen mit den meisten PCs geliefert wird, muß das Xenix/Unix-Betriebssystem für PCs als getrenntes Produkt bezogen werden. Xenix/Unix bietet in seiner Komplettausführung nicht nur einen C-Compiler, sondern auch Software-Entwicklungswerkzeuge für ganz unterschiedliche Belange. Dazu gehören: eine Programmsammlung zur Verwaltung von Programmsourcen, Versionen etc. (SCCS); Programme und Bibliotheken, die dem Entwickler bei der Entwicklung von Compilern helfen (LEX und YACC); ein Werkzeug, das den Entwickler dabei unterstützt, Programme in Abhängigkeit einzelner Programmodule ganz oder teilweise neu zu übersetzen und zu binden; ein Makroprozessor.

Der C-Compiler ist standardmäßig mit Bibliotheken zur Bildschirmansteuerung ausgestattet. Zudem gehören Prüfprogramme, Sourcecode-Verschönerer und Crossreferenzlisten zum Entwicklungssystem, ebenso ein symbolischer Debugger und weitere Werkzeuge.

Diese Sammlung von Werkzeugen, die wesentlichen Anteil an der Beliebtheit von Unix hat, wird von allen Anbietern als separates Entwicklungssystem angeboten. Der Endanwender benötigt aber fast immer nur das Laufzeitsystem, das wiederum aus mehreren funktionellen Komponenten besteht.

Der Betriebssystemkern wird immer benötigt, da er die Grundlage für alle anderen Programme bildet. Zum Kernsystem gehören auch einige Steuer- und Verwaltungsdateien, in denen die eigentliche Benutzer- und Systemkonfiguration abgelegt ist.

Das wichtigste Programm des Systems ist die Shell. Es handelt sich hier um den Kommandointerpreter, der über die Mächtigkeit einer Programmiersprache verfügt. Zur Systemgrundausstattung gehören auch die Programme zur Verwaltung des Dateisystems, zum Anlegen, Löschen und Umbenennen von Dateien etc.

Kommandointerpreter mit großem Wortschatz

Bereits zum Laufzeitsystem gehören ein bildschirmorientierter Editor, eine handvoll Werkzeuge zur Bearbeitung sequentieller Dateien (batch editor, Zeichenumsetzer, Druckaufbereiter), ein Spoolsystem und einige Datensicherungsroutinen. Darüber hinaus wird stets der komplette Satz Systemverwaltungsprogramme mitgeliefert. Diese Programme lassen sich auch von einer dialogorientierten Benutzerschnittstelle aus aufrufen.

Um Systemerweiterungen konfigurieren zu können, gehört auch ein konfigurierbarer Betriebssystemkern mit einigen Gerätetreibern und modifizierbaren Systemparametern zur Grundausstattung.

Aufgrund der Möglichkeit, mit der Shell zu programmieren, kann bereits mit dem Laufzeitsystem das Betriebssystem individuell auf die Benutzerbedürfnisse zugeschnitten werden.

Die Unix-Derivate der verschiedenen Anbieter unterscheiden sich in bezug auf die Anzahl der gelieferten Programme kaum voneinander, wohl aber in der Qualität der Benutzeroberfläche für die Systemverwaltung. Einzig SCO-Xenix bietet hier ein Menüprogramm, das nach dem Verfahren der Auswahl durch Bewegung eines Cursorbalkens oder Eingabe der Anfangsbuchstaben arbeitet und eine umgebungsabhängige Hilfestellung gewährt.

Unix kennt Befehle, die Dokumentation auf dem System zur Verfügung zu stellen. Das "man"-Kommando gibt die Handbuchseiten zu einem gegebenen Befehl oder einer Funktion aus. Bei SCO-Xenix sind diese Seiten mit dem optionalen Text-Processing-Paket in einer aktuellen Version erhältlich. Unter Unix V ist dieses benutzerfreundliche Relikt aus der "Campus-Zeit" des Betriebssystems leider verschwunden.

Xenix/Unix-Betriebssysteme eignen sich wegen der im Entwicklungssystem bereitgestellten Werkzeuge sehr gut für die Entwicklung großer und leistungsfähiger Programmpakete. Dies gilt in erster Linie für Entwicklungen in C, aber auch für Programme, die in Fortran und Cobol geschrieben werden. Unter SCO-Xenix stehen beispielsweise die Sprachen von Ryan McFarland, also Fortran und Cobol zur Verfügung, ebenso die Programmiersprachpalette von Microsoft und natürlich auch das Cobol von Microfocus. Diese Programmiersprachen werden alle auch unter MS-DOS eingesetzt.

Die Datenbanksoftware steht im Vordergrund

Da auf kleineren Computersystemen der Endanwender häufig selbst an der Entwicklung kleiner Anwendungsprogramme beteiligt ist, besteht dort ein Bedarf an leicht erlernbaren und leistungsfähigen Werkzeugen. Hierbei sind es vor allem Datenbanken mit dazugehörigen datenbankorientierten Programmierwerkzeugen, deren Verfügbarkeit auf einem Computersystem ausschlaggebend für eine Auswahl ist.

Die führenden Hersteller relationaler Datenbanken halten Xenix und Unix-Versionen ihrer Produkte bereit. So stehen mit Informix, Ingres und Oracle die wichtigsten Datenbanken mit der Datenbanksprache SQL zur Verfügung. SCO bietet darüber hinaus unter dem Namen FoxBase und FoxBase + Datenbanksysteme an, die zu dBase II und dBase III + kompatibel sind und zudem unter Xenix noch wesentlich schneller arbeiten. Auch Unify und Dataflex werden unter Xenix/Unix angeboten.

Der Endanwender, der aus einer Vielzahl fertiger Anwendungsprogramme wählen möchte, findet unter Unix nur einen kleinen Ausschnitt der Standardprogramme wieder, die er unter MS-DOS zu schätzen gelernt hat.

SCO-Xenix schneidet hier etwas besser ab, denn einerseits steuert Microsoft mit MS-Word und Multiplan etablierte PC-Produkte bei, andererseits ist SCO-Xenix schon so lange am Markt, daß viele Softwarehäuser bereits Xenix-Versionen Ihrer Programme fertiggestellt haben. Im Bereich Textverarbeitung und Büroautomation gibt es mit Tex-Ass Windows + des Bochumer Anbieters B&S Multisoft, Q-Office - dem ewigen Renner der Unix-Textszene - und SCO-Lyrix sogar eine ganz beachtliche Programmauswahl. Als Tabellenkalkulation stehen mit Multiplan, SCO-Professional (Lotus-1-2-3-kompatibel), Access 20/20 (Mainframe- und Minicomputer-Software) und Q-Calc (Lotus-1-2-3-kompatibel) vier Produkte zur Auswahl.

80386 schlägt eine Brücke zwischen MS-DOS und Xenix

Mit dem 80386-Mikroprozessor hat sich zudem auch noch die Möglichkeit ergeben, im virtuellen 8088-Modus des Prozessors virtuelle DOS-Systeme zu betreiben. Damit kann ein Unix/Xenix-Benutzer während seiner Arbeit unter Unix beispielsweise ein DTP-Programm starten, das auf dem virtuellen DOS-Rechner läuft. Diese DOS-Programme greifen dann sogar noch auf das Unix/Xenix-Dateisystem zu, wodurch Daten gleichzeitig von DOS und Xenix/Unix-Programmen benutzt werden können.

Hier gibt es ebenfalls unterschiedliche Anbieter, die um die Gunst des Anwenders buhlen. SCO-Xenix und Interactive Unix ziehen mit VP/ix von Interactive ins Feld. Dieses Produkt ist nur auf dem Intel 80386 lauf fähig, aber seit seiner Vorstellung erstaunlich solide. Microport setzt dagegen auf DOS-Merge von Locus. Dieses Produkt hatte bereits auf dem 80286 Premiere, wo es mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat wie OS/2 mit seiner Compatibility Box nämlich mit Programmabstürzen durch eingeschränkte Kompatibilität.

Es zeigt sich also deutlich, daß die Anbieter aller Xenix/Unix-Versionen für den 80386 mit diesen Produkten das Softwareangebot für MS-DOS-Rechner im Auge hatten und dadurch dem Umsteiger auf das neue Betriebssystem die ersten Schritte erleichtern.

Die Verfügbarkeit hochwertiger vertikaler Anwendungssoftware ist sicherlich ebenso entscheidend für den Erfolg von Xenix/Unix wie die der horizontalen Standardprogramme. Abhängig von den beiden Haupteinsatzrichtungen der Unix-Betriebssysteme auf PCs sieht die Situation auch sehr unterschiedlich aus:

Im Bereich der Systeme, die im kommerziellen Bereich möglicherweise als kostengünstige Mehrplatzrechner Einsatz finden, steht mit den Programmierwerkzeugen, die in erster Linie unter SCO-Xenix zur Verfügung stehen, die Palette der DOS-Programmpakete zur Portierung offen. Besonders solche Werkzeuge wie SCO-FoxBase+ (dBase III+) bringen vielen Entwicklern die Möglichkeit, ihre vorhandenen Anwendungen quasi ohne neuen Programmieraufwand auch unter Xenix anzubieten.

Bei Programmen, die aus den Entwicklungsstudios rein DOS-orientierter Hacker-Programmierer entstammen, sind allerdings einige Einschränkungen angebracht: Das erste Problem besteht darin, daß diese Entwickler fast nie an eine Mehrplatzfähigkeit ihrer Programme gedacht haben. Solche Programme sind möglicherweise auf Netzen direkt und nach erneutem Compilieren auch unter Xenix/Unix lauffähig. Die Konsistenz der Daten ist allerdings im Mehrbenutzerbetrieb (Netze und "-nix"-Betriebssysteme) genausowenig gewährt wie der Anwender ausschließen kann, daß bei häufig unzureichenden Lockingstrategien diese Programme einfach stehenbleiben oder mit der lapidaren Meldung "Datei bereits im Zugriff " gleichzeitiges Arbeiten mit denselben Daten einfach verbieten.

Da derartige Software meist in ein- bis zweimotorigen Abständen überarbeitet wird, sind viele dieser Programme in den letzten beiden Jahren bereits unter DOS für Mehrbenutzer- sowie Netzwerk-Betrieb vorbereitet worden.

Eine ganz speziell unter DOS-Entwicklern verbreitete Programmiertechnik ist noch wesentlich problematischer bei der Programmportierung auf andere Betriebsysteme. Dies ist die Hardware-Orientierte Programmierung mit Eingriffen in das eigentliche Betriebssystem. Dieser Programmierwildwuchs führt schon bei DOS dazu, daß für den Wechsel zwischen verschiedenen Programmen der Rechner schon mal neu gestartet werden muß, da die Betriebssystemkernmodifikation des einen Programmes den Ablauf des anderen Programmes ausschließt. Mit OS/2 und Xenix/Unix wird diesem Programmierstil endgültig der Garaus gemacht, und die Entwickler werden so zur Entwicklung portabler Programme hingeleitet.

Seit Anfang der 80er Jahre gibt es aber schon gute Anwendungspakete, die unter Unix entwickelt wurden. Anders als auf dem Markt der DOS-Software haben die Hersteller solcher Programme noch nicht den vollen Preisdruck der Mitbewerber zu spuren bekommen, denn diese kommen erst langsam hinzu. Demzufolge gibt es hier in Deutschland noch so gut wie keine Großserien solcher Unix-Programme, und jeder Anwender kennt noch den Entwickler seiner Software persönlich. Dies macht es auch möglich, diese Entwickler zur individuellen Programmodifikation zu überreden. Im vergangenen Jahr hat die Anzahl der Installationen von PCs unter Xenix die 10 000er-Marke überschritten. Damit ist in diesem Jahr die Voraussetzung geschaffen Xenix/Unix-Lösungen für vertikale Märkte quasi aus dem Regal zu verkaufen. Für DOS-Programme ist dies ja schon seit Jahren üblich.

Programme, die unter anderen Unix-Systemen entwickelt würden, können grundsätzlich ohne große Probleme auf die Systeme mit dem 80386 portiert werden, da diese sich sehr gut an die Forderungen der X/Open-Gruppe und anderer Standardisierungsgremien halten. Probleme treten mit Systemen für den 80286 auf. Dieser Prozessor macht dem Entwickler durch seine 64-KB-Datensegmente mit verschiedenen Speichermodellen und Datengrößenrestriktionen das Leben schwer. Diese Probleme können hier aber, ähnlich wie bei OS/2, durch die Kombination verschiedener gleichzeitig laufender Prozesse und eine virtuelle Speicherverwaltung umgangen werden.

80286-Speichersegmentierung erschwert das Programmieren

Die zweite Haupteinsatzrichtung der PCs unter Xenix/Unix, die der Grafik-Workstations also, ist noch nicht so gut mit Software bestückt. Bislang war für Unix/Xenix-PCs einzig das Grafikpaket GSS-CGI verfügbar. Dieses Paket wurde für den AT&T-Unix-PC (wurde in Deutschland nicht verkauft) entwickelt und ist jetzt als SCO-CGI im Lieferumfang des SCO-Xenix Entwicklungssystems enthalten. Mit diesem System steht dem C-Programmierer eine Bibliothek mit Grafik- und Textfunktionen zur Verfügung. Da dieser Grafikansatz unter Xenix aber von einer ganz "normalen" Konfiguration mit CGA oder EGA-Grafikkarte und 12 oder 14-Zoll-Farbbildschirm ausgeht, unterscheiden sich die möglichen Applikationen nicht von denen unter DOS.

Die erfolgreichen Vertreter der Anbieter von Grafikarbeitsplätzen unter Unix bieten aber stets eine Bildschirmauflösung von mindestens 1000 mal 800 Bildpunkten sowie eine grafisch interaktive Benutzeroberfläche mit Mausunterstützung für Unix.

Inzwischen bieten die Distributoren der Xenix/Unix-Betriebssysteme 80386-Implementationen der grafischen Oberfläche X-Windows an, die sich neben Sun News wohl auf diesem Markt durchsetzen wird. Diese beiden Oberflächen sollen im Laufe dieses Jahres ebenfalls vereint werden, was vom Endanwender und Entwickler natürlich gleichermaßen begrüßt wird.

Bislang erreicht ein schneller PC mit einem 80386-Prozessor und entsprechender Speicher- und Bildschirmausstattung aber leicht den Preis einer Sun-III- oder DEC-VAX-Workstation. Außerdem werden beim Standard-AT die Bildschirmkarten in der Regel vom 8-Bit-Datenbus bedient, was der Geschwindigkeit solcher grafikorientierten Systeme nicht gerade nutzt. Erstaunlich ist auch, daß der Anwender sich von IBM Farbbildschirme mit vergleichsweise geringer Punktdichte diktieren läßt, statt auf größere Bildschirme mit feinerer Auflösung zu bestehen.

Mit derartigen großen und hochauflösenden Bildschirmen stellen sowohl X-Windows als auch Sun News mehrere simultan laufende Programme auch gleichzeitig nebeneinander auf dem Bildschirm dar. Diese Darstellungsweise entspricht der Arbeitsweise und dem Schreibtisch der Mitarbeiter vor dem Computer und ermöglicht so eine Steigerung der Arbeitsleistung.

Microsoft-Windows oder GEM zeigen diese Arbeitstechnik ansatzweise auf dem kleinen PC- Bildschirm; aber so wie bei diesen Programmen die einzelnen Sinnbilder aktiver Programme nebeneinander dargestellt werden, stehen auf einem großen Bildschirm die Programme selbst auf-, hinter- und nebeneinander zur Verfügung.

Erst durch Orientierung hin zu großen hochauflösenden Bildschirmen und gleichzeitiger Leistungssteigerung der Grafikperipherie haben die Distibutoren von PCs unter Xenix oder Unix eine echte Chance, den etablierten Anbietern auf diesem Markt entgegenzutreten. Bis dahin treten diese Hersteller aber in den PC-Markt ein, Wie kürzlich Sun Microsystems mit einer auf dem Intel 80386 basierenden und mit virtuellem DOS ausgestatteten Grafikstation.,

Unix/Xenix: Trumpfkarte für PS/2-Händler

So wird 1988 Xenix/Unix vielen Anbietern von Personal Computern nach dem IBM-AT-"Muster" den Einstieg in den Multiusermarkt erleichtern. Besonders die Händler der IBM PS/2-Systeme haben mit Xenix/Unix einige Trumpfkarten in der Hand. Der PS/2-80 kann mit wenigen Erweiterungen als fast "lupenreiner" IBM-Abteilungsrechner für acht und mehr Benutzer konfiguriert oder aber durch die gegenüber den Vormodellen erheblich verbesserten Grafikeigenschaften als preiswerte IBM-Grafikworkstation unter Unix angeboten werden. Auf IBM als Anbieter eines Unix (AIX) muß also jetzt schon niemand mehr warten

*Peter Schmidt ist Leiter Product Marketing und Support bei der Firma Garmhausen & Partner in Bonn.

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