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20.10.2000 - 

Der schwierige Umbau eines Konzerns

Xerox enttäuscht Kunden und Investoren: Droht die Zahlungsunfähigkeit?

MÜNCHEN (CW) - Xerox Corp. kommt nicht aus den negativen Schlagzeilen. Jetzt verunsichern die Beanspruchung einer großen Kreditlinie und das Gerücht um den Antrag auf Gläubigerschutz Kunden und Investoren. Die Aktie rutscht in den Keller.

Die Kampfansage an Hewlett-Packard, mit der Xerox vor Jahren den Umstieg vom Kopierer- in den Druckermarkt begleitete, stellt sich im Nachhinein als bloßes Marketing-Gerede heraus. Während der Marktführer im Druckerbereich weiterhin gute Gewinne einfährt, gelingt dem Herausforderer die Umstrukturierung nicht. Jetzt wurde bekannt, dass Xerox eine Kreditlinie in Höhe von sieben Milliarden Dollar in Anspruch nimmt, die 1997 von einer Gruppe aus 58 Banken eingeräumt wurde und eine Laufzeit bis 2002 haben soll. Die Liquiditätsspritze dürfte verhindern, dass das Unternehmen Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragen muss, was eine zeitweise Zahlungsunfähigkeit bedeuten würde. Die Verschuldung von Xerox soll sich nach Angaben des "Wall Street Journal" derzeit auf über 17 Milliarden Dollar belaufen, wovon Titel im Wert von 4,2 Milliarden Dollar eine Laufzeit von weniger als einem Jahr haben. Die Company kämpft seit Jahren mit rückläufigen Gewinnen und musste im ersten Halbjahr 2000 einen Verlust in Höhe von 98 Millionen Dollar hinnehmen.

Kürzlich korrigierte das Unternehmen auch die Zahlen für das dritte Quartal: Statt der von der Wallstreet erwarteten Gewinne wird Xerox auch in diesem Quartal rote Zahlen schreiben. Die Börse reagierte mit erneuten Kursabschlägen und ließ den Aktienpreis um 24 Prozent auf unter acht Dollar fallen. Damit verloren die Anteilscheine in einem Jahr insgesamt um 76 Prozent an Wert.

Firmenstrategie mit Hü und HottGrund für die Misere ist der zu langsame Umbau des Konzerns, dessen Geschäftsmodell "nicht tragfähig" sei, wie CEO Paul Allaire kürzlich gegenüber Analysten einräumte. Der Umsatz in Nordamerika und Europa entwickelte sich offenbar wenig zufriedenstellend, den schwachen Euro, starke Konkurrenz und Finanzprobleme beim Mexiko-Geschäft nennen Analysten als Hauptursachen für die finanzielle Schieflage. Als Ausweg bleiben nur die bekannten Restrukturierungsmaßnahmen: der Verkauf von (profitablen) Unternehmensteilen und der Abbau von Arbeitsplätzen.

Damit müsste Allaire den umgekehrten Weg gehen, den sein Vorgänger Rick Thoman beschritten hatte. Thoman übernahm erst im vergangenen Jahr von Allaire den Chefposten, konnte sich aber nicht halten: Im Mai dieses Jahres ergriff Allaire erneut das Zepter und schasste den Ex-IBM-Manager. Thoman hatte den Konzern durch Firmenübernahmen und Allianzen ausgebaut. So wurde für 950 Millionen Dollar der Farbdruckerbereich von Tektronix gekauft und eine zwei Milliarden Dollar schwere Allianz mit Sharp und Fuji Xerox geschlossen, die neue Tintenstrahldrucker für den Soho-Markt entwickeln sollte. Zudem übernahm die Company kleinere Druckerhersteller in den USA und Frankreich.

Im April dieses Jahres hat Xerox den Abbau von 5200 Stellen beschlossen. Jetzt wird darüber spekuliert, welche Unternehmensteile Allaire abstoßen wird. In Frage kommen das Joint Venture in Japan und das Geschäft mit Lowend-Produkten im Tintenstrahldrucker- und Kopiererbereich.