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29.01.2016 - 

Investor Icahn macht Druck

Xerox will sich in Hardware- und Service-Unit aufspalten

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Der amerikanische Traditionskonzern Xerox will sich unter dem Druck des Großinvestors Carl Icahn zweiteilen. Damit wird die Entscheidung, das Kopierer- und Drucker-Geschäft mit den Business-Services zu koppeln, rückgängig gemacht.

Xerox will sich in zwei börsennotierte Units aufspalten. Die eine enthält das Hardwaregeschäft einschließlich Produktionsdruck- und Büromaschinen, den Bereich Software sowie die dokumentenbezogenen Dienstleistungen (z.B. Managed Print Services). Hier kam Xerox 2015 ingesamt auf ein Umsatzvolumen von rund 11 Milliarden Dollar. Die andere Gesellschaft soll sich auf Dienstleistungen rund um das Business Process Outsourcing (BPO) sowie auf bestimmte Softwareprodukte konzentrieren. Die offizielle Ankündigung dazu gab es am 29. Januar 2016.

Ursula M. Burns, CEO von Xerox, hatte die Übernahme von ACS und die Neupositionierung des Konzern eingeleitet. Jetzt wird der zugekaufte Bereich wohl wieder abgespalten.
Ursula M. Burns, CEO von Xerox, hatte die Übernahme von ACS und die Neupositionierung des Konzern eingeleitet. Jetzt wird der zugekaufte Bereich wohl wieder abgespalten.

Xerox hatte 2010 für sechs Milliarden Dollar Affiliated Computer Services (ACS) übernommen - der größte Zukauf in der Konzerngeschichte. Ein Split des Unternehmens würde diese Akquisition weitgehend rückgängig machen: Zugekaufte Bereiche wie Rechnungseingangs-Verarbeitung, Lösungen für das Call-Center-Management oder andere Back-office-Dienstleistungen für Unternehmen und Behörden würden wohl wieder in einer eigenständigen Gesellschaft betrieben. Dem "Wall Street Journal" zufolge liegt ein Vergleich mit der Aufteilung von Hewlett-Packard nahe.

Drei Board-Sitze für Icahn

Wie es weiter heißt, wird Großinvestor Carl Icahn mit seinen Leuten drei Sitze im Board der entstehenden Servicegesellschaft in Beschlag nehmen. Icahns Hedge-Fund hält 8,1 Prozent der Xerox-Anteile und ist damit nach der Vanguard Group der zweitgrößte Aktionär. Er hatte im vergangenen November angekündigt, Gespräche mit dem Management über die Zukunft des Konzerns suchen zu wollen.

Xerox erwirtschaftet jährlich rund 20 Milliarden Dollar Umsatz, liegt im Börsenwert aber nur bei rund der Hälfte. Die Aktie war im letzten Quartal 2015 stark eingebrochen und hatte die Talfahrt in den ersten Wochen des neuen Jahres fortgesetzt. Der jahrhundertealte Konzern ist aufgrund der geringen Börsenbewertung und der traditionell hohen Innovationskraft ein interessantes Zielobjekt für Spekulanten.

ACS-Übernahme war Burns‘ "Meisterstück"

Für Xerox-Chefin Ursula Burns ist die Angelegenheit wohl alles andere als angenehm. Sie hatte kurz nach ihrem Amtsantritt 2009 die ACS-Übernahme eingefädelt und dafür eine hohe Verschuldung in Kauf genommen, um den Fokus des Unternehmens weg vom schwierigen Hardware-Business und hin zu höherwertigen Services zu verlagern. Für Xerox war das durchaus ein Kulturschock: Zu den eigenen 54.000 Mitarbeitern kamen weitere 74.000 neue Kollegen von ACS an Bord.

Noch im vergangenen Oktober sagte Burns: "Wir sehen heute den strategischen Wert, der daraus resultiert, diese beiden Bereiche zusammengeführt zu haben." Tatsächlich war der Servicesektor bei Xerox in den vergangenen Jahren zwar gewachsen, doch das reichte nicht aus, um die Probleme im angestammten Hardwaregeschäft zu kompensieren.

Riskante Transformation

Ob die Trennung des Konzerns gelingt, scheint nicht sicher, zumal Xerox insbesondere im Kostenbereich auch von der Integration beider Welten profitiert hat. "Es ist eine sehr große und riskante Transformation", warnte etwa George Tong, Analyst bei Piper Jaffray. Icahn sei allerdings jemand mit der nötigen Erfahrung, er könne hier wertvolle Hilfe leisten.

Das Geschäftsmodell von ACS bestand auch darin, Back-Office-Arbeiten in Billiglohnländer wie Mexiko oder Ghana zu verlagern. Rund 40 Prozent seiner Umsätze erlöste das Unternehmen aus Verträgen mit öffentlichen Einrichtungen etwa im Gesundheitswesen. In den vergangenen Jahren gab es allerdings just in diesem vermeintlich sicheren Geschäft Rückschläge für Xerox. Das Unternehmen musste höhere Abschreibungen in Kauf nehmen, da öffentliche Aufträge weggebrochen waren.

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