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Ex-Strato-Vorstand Norbert Stangl wehrt sich gegen Vorwürfe


18.02.2000 - 

"Xlink verdient die Rolle des Sündenbocks nicht"

Der Web-Hoster Strato Medien AG aus Berlin kommt nicht aus den Schlagzeilen. Seit Wochen klagen Kunden immer wieder über technische Probleme beim Dienstleister. Nun sprach der ehemalige Vorstand und Mitgründer Norbert Stangl über die Hintergründe der Misere.

Seit Herbst letzten Jahres jagt beim in Berlin ansässigen Web-Hoster eine Panne die andere. Kunden klagen immer wieder über Ausfälle bei Web-Servern, E-Mail-Diensten, CGI-Skripts und Probleme mit FTP-Zugängen. Der jüngste Vorfall: Anfang Februar dieses Jahres legte ein Totalausfall des zentralen Rechners des beauftragten Internet-Service-Providers Xlink aus Karlsruhe rund 500000 Domains mit der Endung .de lahm. Xlink liefert die gesamte Infrastruktur, Strato kümmert sich um die Auftragsannahme und ist Ansprechpartner und Vertragspartner für die Kunden - falls sie denn bei der überlasteten Hotline jemanden erreichen. Einen Eindruck von den Problemen, mit denen die Kunden konfrontiert sind, vermittelt die Interessengemeinschaft der Kunden der Strato Medien AG (www. ig-stratokunden.de beziehungsweise die Website www.krisennavigator.de). Offenbar ist die Geduld einiger Klienten erschöpft: Aus gut informierten Kreisen heißt es, Strato ertrinke in Wechselkündigungen (KK-Anträgen). Viele Kunden gehen also von dem Provider weg zu einem neuen Anbieter. Für Sigram Schindler, Vorstandsvorsitzender der Muttergesellschaft Teles AG, steht fest: Schuld an den Problemen ist Xlink, da diese "den Vertrag mit Strato in grob fahrlässiger Weise gebrochen hat" (siehe CW Nr. 2, Seite 7 und CW Nr. 4, Seite 5). Nun soll KPN Qwest aus Amsterdam, die Muttergesellschaft von Xlink, die technische Basis der Strato AG verstärken. Bis zum 23. Februar will die Firma, ein Zusammenschluss des niederländischen Telekommunikationsunternehmens KPN und des US-Carriers Qwest, die Server-Kapazität verdoppeln und die Bandbreite vervierfachen. Ob sich der Service nun wirklich verbessert, daran will Bernd Bruns, Sprecher der Interessengemeinschaft der Strato-Kunden, nicht so recht glauben und vermutet hinter den Verlautbarungen eine Verzögerungstaktik.

Zwar wird der Eindruck erweckt, Xlink sei Verursacher der Misere, doch nach Ansicht von Norbert Stangl verdient der Provider die Rolle des Sündenbocks nicht. Stangl gründete im Juli 1997 gemeinsam mit Marc Ullrich die Firma Strato, verkaufte sie Ende Dezember 1998 an Teles und blieb bis August 1999 Vorstand der Strato AG. Laut Stangl kam es schon während seiner Amtszeit oft zu Engpässen bei Xlink, doch habe man sich daraufhin mehrfach mit dem Provider auf eine Aufstockung der Kapazität geeinigt und so die Probleme aus der Welt geschafft. Außerdem hätten die Strato-Vorstände während ihrer Amtszeit die Verträge mit dem damaligen Xlink-Chef Michael Rotert immer wieder angepasst, da das enorme Wachstum des Hosting-Geschäfts einen Ausbau der Infrastruktur erforderte. "Ursprünglich waren die mit dem Karlsruher Internet-Service-Provider Xlink vertraglich vereinbarten Infrastrukturdienste auf 4000 neue Domains pro Monat ausgelegt, doch tatsächlich kamen alle vier Wochen 20000 bis 30000 Internet-Adressen hinzu", erinnert sich Stangl. Insider aus der Umgebung von Xlink bestätigten die Darstellung Stangls.

Offenbar hielt Teles-Chef Schindler jedoch wenig von einer kooperativen Zusammenarbeit mit dem Provider Xlink. So teilte er im Dezember letzten Jahres in einem Schreiben an die Strato-Kunden mit, schwere juristische Geschütze gegen den Provider auffahren zu wollen. Schon damals kündigte der Manager an, den Vertrag mit Xlink in ein Abkommen mit der Muttergesellschaft KPN Qwest umzuwandeln.

Schindler griff auch in die Führungsetage von Strato ein. Schon im August 1999 ließ er die beiden Strato-Vorstände Stangl und Ullrich beurlauben und im September ihrer Ämter entheben. Berichten zufolge soll sogar ein Hausverbot verhängt worden sein. Der Grund: Beide hätten unabhängig voneinander versucht, teilweise unter Einsatz sehr unfreundlicher Mittel, wieder in den Besitz des Unternehmens zu gelangen das sie gemeinsam gegründet und an Teles verkauft hatten. Doch auch dieser Darstellung widerspricht Stangl: Schindler habe ihm und Ullrich bei der Übernahme von Strato mündlich zugesichert, dass beide im Falle eines Börsenganges einen Teil des Unternehmens zurückkaufen könnten. Eine schriftliche Fixierung dieser Absprache war aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Als die damaligen Strato-Vorstände im Juli 1999 dann den Teles-Vorstandsvorsitzenden um Einlösung seines Versprechens baten, forderte dieser laut Stangl für einen 20-prozentigen Anteil ein Vielfaches des Preises, den Teles für Strato in Form von Aktien gezahlt hatte. Hieraus entstand ein Dissens zwischen der Strato-Leitung und Teles. Nach Ansicht von Stangl und Ullrich hat Teles nichts zum Erfolg der Strato beigetragen. "Wir fühlten uns unfair behandelt, da wir die Firma weiter vorangetrieben haben und man uns schließlich zugesagt hatte, bei einem Börsengang Anteile an Strato zurückerwerben zu können." Da dies nicht gelang, versuchten beide unabhängig voneinander, gemeinsam mit Investoren, Strato zurückzukaufen. Stangl war zwar überrascht, als Ullrich zuerst mitteilte, Strato übernehmen zu wollen, doch zu einem Zerwürfnis zwischen den beiden Vorstandskollegen sei es deshalb nicht gekommen. Ebenso könne nicht die Rede sein von dem Versuch einer feindlichen Übernahme: Teles-Chef Schindler habe Stangl vor Zeugen angeboten, Strato für 120 Millionen Mark zurückzukaufen.

Gemeinsam mit der Bertelsmann AG wollte Stangl das von ihm mitgegründete Unternehmen wiedererwerben. Der Medienkonzern hatte bereits Geschäftsbeziehungen zum Web-Hoster aufgenommen: Etwa drei Monate zuvor hatte Strato mit dem von dem Medienkonzern und America Online gemeinsam betriebenen Online-Dienst AOL ein Vertriebsabkommen für den deutschen Markt geschlossen. Auch Stangls Vorstandskollege Ullrich bemühte sich gemeinsam mit Investoren um den Rückkauf des Internet-Dienstleisters. Neben Bertelsmann waren Microsoft, der amerikanische Internet-Service-Provider Verio sowie die Deutsche Post als Kaufinteressenten im Gespräch. Doch die Übernahmeverhandlungen schlugen fehl. "Schindler hat seine Forderungen hochgeschraubt, als er erfuhr, dass namhafte Investoren mitboten", erinnert sich Stangl. Demnach habe der Teles-Chef den Kaufpreis auf 150 Millionen Mark erhöht und wollte außerdem 25 Prozent an Strato behalten. Doch dies passte den Investoren nicht, und die Übernahmeverhandlungen wurden beendet. Seit Anfang September 1999 führt Teles die Geschäfte bei Strato. "Ab dem Zeitpunkt begannen die Probleme", bemerkt Bruns von der IG Strato-Kunden.