Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

12.11.1999 - 

Kein Notes-Client für Linux

XML bahnt den Weg zur mobilen Business-Anwendung

Der Zugriff auf Business-Anwendungen über mobile Devices sowie Open Source sind zwei Themen, die Lotus intensiv beschäftigen. Nick Shelness, Chief Technical Officer der IBM-Tochter, äußerte sich im Gespräch mit Volker Weber zu beiden Trends.

CW: Sie propagieren eine neue Architektur mit der Bezeichnung "Mobile Device Server Computing". Was ist darunter zu verstehen?

Shelness: Nach Batch-Verarbeitung, Terminal-Server, Client-Server und schließlich Browser-Server ist es nun Zeit, vorauszuschauen und sich die Dynamik der mobilen Geräte zu betrachten. Vor zwei Jahren hat man prognostiziert, daß es bis 2005 eine Milliarde Mobiltelefone geben wird. Jetzt nehmen wir an, daß man diese Zahl schon 2003 erreichen wird. Dann wird es mehr drahtlose Geräte als leitungsgebundene geben.

Im Client-Server-Modell benutzt man immer die Client-CPU, um das User-Interface darzustellen, und auch im Browser-Server-Modell soll durch Java-Applets und Plug-ins möglichst viel auf den Client verlagert werden. Unser Ziel ist es, auch auf den drahtlosen Geräten echte Business-Anwendungen auszuführen.

CW: Wie wollen Sie das erreichen?

Shelness: Wir nehmen eine Untermenge von Domino-Design-Elementen als Extended-Markup-Language-(XML-)Repräsentation - so wie es heute schon Web-spezische und Notes-spezifische Elemente gibt -, und dazu einen Satz von spezifischen Widgets für die Benutzerinteraktion. Zusammen mit IBM und anderen definieren wir ein Mobile Device Synchronization Protocol (MDSP), das im wesentlichen zwei XML-Datenspeicher synchronisiert. Dies wird auf der Basis von MQ Everywhere realisiert, das wiederum auf dem Hypertext Transfer Protocol (HTTP) läuft. Der Protokoll-Stack besteht also aus MDSP, MQ Everywhere und HTTP. Dazu bauen wir ein XML-Repository für Palm- und Epoc-Geräte auf der Basis von DB2 Everywhere.

Auf dem mobilen Gerät läuft dann ein Domino-spezifischer Code, der aus der XML-Repräsentation eines Formulars und eines passenden Datendokuments ein Datenformat erzeugt, das von dem mobilen Gerät gerendert werden kann, zum Beispiel als Wireless Markup Language für einen Mikro-Browser. Wir gehen also nicht den ganzen Weg bis zur Benutzer-Schnittstelle, sondern nutzen die bereits vorhandene Funktionalität. Alle Daten, die dort erzeugt werden, müssen dann über MDSP wieder mit dem Server synchronisiert werden.

Das große ungelöste Problem ist derzeit die Sicherheit. Ein mobiles Gerät hat nicht genügend CPU-Cycles, um SSL mit den bekannten RSA-Algorithmen zu ermöglichen. Und Authentifizierung ist besonders bei mobilen Geräten wichtig.

CW: Lotus hat gerade die Verfügbarkeit des Domino Server für Linux in 30 Tagen angekündigt. Welche Erwartungen hegen Sie für diese Plattform?

Shellness: Das Interessante an Open-Source-Software ist, daß sie tatsächlich nur von einer sehr geringen Anzahl von Entwicklern geschrieben wird. Was aber absolut entscheidend ist, es gibt Zehntausende, vielleicht Hunderttausende, die diesen Sourcecode herunterladen, lesen und Quellcode-Fehler melden. Wir wissen in der Entwicklergemeinschaft, daß der bei weitem beste Weg der Qualitätssicherung "Code Walk Throughs" heißt. Die Open-Source-Bewegung steuert Code Walk Throughs bei, wie sie niemals vorher gemacht wurden. Sie können damit rechnen, daß jede einzelne Zeile Code in Linux von tausend bis zehntausend Menschen gelesen wurde. Das Ergebnis ist, daß Linux oder jeder andere Open-Source-Code unglaublich zuverlässig ist.

CW: Was bedeutet das für Sie als Softwarehersteller?

Shelness: Mit Open Source können Sie die Zuverlässigkeit Ihres Codes erhöhen. Das Problem ist, wie Sie mit der Lizenzierung von Open Source Geld verdienen. Einige Hersteller wie Sun probieren das aus. Die Developer Source License ist ein Versuch, die Code Walk Throughs zu erreichen, ohne das Recht der freien Nutzung zu geben. Das ist schwierig. Wir haben selbst einige Open-Source-Projekte, zum Beispiel den "Lotus-XSL"-Prozessor. Dabei handelt es sich jedoch eher um eine Marketing-Initiative.

CW: Wo sehen Sie neben der Qualität besondere Vorteile oder Nachteile von Linux?

Shelness: Obwohl viele Leute davon sprechen, daß Linux besonders skalierbar ist, ist tatsächlich eher das Gegenteil der Fall. Linux ist besonders stark auf kleinen Rechnern, weil es geringere Ansprüche an CPU und Hauptspeicher stellt. Wenn Sie aber mehrere CPUs benutzen wollen, um eine große Anzahl asynchroner Prozesse laufen zu lassen, oder Multithreading mit gemeinsamen Daten, dann hat Linux ein Problem. Wenn wir von Skalierbarkeit sprechen, dann meinen wir Zehntausende von Benutzern. Das ist derzeit mit Linux nicht möglich.

CW: Was könnte Lotus veranlassen, auch einen Notes-Client für Linux auf den Markt zu bringen?

Shelness: Marktanteile. Wir hatten schon einmal Unix-Clients, davon aber nicht genug verkauft. Das wichtigste sind nicht die Entwicklungskosten, sondern die Qualitätssicherung. Außerdem basiert der Client auf sehr vielen Windows-Technologien wie etwa OLE. Solange diese Technologien auf Linux nicht verfügbar sind, ist das eine schwierige Umgebung.