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01.03.2002 - 

Transport-Management spart Speditionen Kosten

XML-Datenbank steuert Daimler-LKWs

STUTTGART (wh) - Mit einem XML-gestützten Transport-Management-System hilft die Daimler-Chrysler- Business Unit Fleetboard angeschlossenen Speditionen, ihre Prozesse zu optimieren. Tourendaten und technische Informationen aus den Bordcomputern der LKWs übermittelt die Software in Echtzeit an eine XML-Datenbank, die per Browser zugänglich ist.

"Mit Kolumbus-Fahrten ist jetzt endgültig Schluss", sagt Ralf Forcher. "Wenn früher ein LKW losfuhr, wusste kein Mensch mehr genau, wo er steckt." Als Leiter LKW-Telematik ist Forcher auch verantwortlich für die IT-Systeme von Daimler-Chrysler Fleetboard, dem konzerneigenen Dienstleister für das Flotten-Management. Den angeschlossenen Speditionen bietet Fleetboard Internet-basierende Services zur Verwaltung von Fahrzeugen und Auftragsdaten. "Wir sind der direkte Draht vom Lastwagen zur Spedition", rührt Forcher die Werbetrommel.

Die jüngste Entwicklung seines Teams, "Fleetboard Transporting", ermöglicht die laufende Kommunikation zwischen den Lastwagen und der Zentrale. Damit lassen sich beispielsweise neue Aufträge direkt auf ein Display in der Fahrerkabine übertragen, umgekehrt liefert der Bordcomputer Positionsbestimmungen, Informationen über den Status einzelner Aufträge (zum Beispiel "Entladen Auftrag 123") oder Staumeldungen auf Knopfdruck. "Die Spediteure können Aufträge kurzfristig planen, auf Störungen und sonstige Änderungen reagieren und Leerfahrten vermeiden", erklärt Projektleiter Jörg Zwiener die Vorteile.

Fleetboard hat das in Java geschriebene Transport-Management-System gemeinsam mit der Darmstädter Software AG entwickelt. Den Kern bildet deren XML-Datenbank-Server Tamino. "Die Datenbereitstellung im XML-Format ermöglicht einen reibungslosen Datenfluss und die Integration unterschiedlicher Systeme", so Zwiener. Mit Hilfe von XML ließen sich Auftragsdaten aus heterogenen Speditionssystemen automatisch übernehmen.

Davon könnten auch die Spediteure profitieren. Wenn sie etwa regelmäßig große Aufträge von einem Kunden erhalten, kann dieser sein Warenwirtschaftssystem direkt mit dem Tamino-Server bei Fleetboard verbinden. Auftragsdaten lassen sich dann schneller an die Spedition übergeben.

Sind die Auftragsdaten in das Transporting-System eingespeist, stellt ein Disponent die Touren zusammen und ordnet sie den Fahrzeugen zu. Die fertige Tourenplanung sendet er direkt an den Bordcomputer. Für die Kommunikation mit den Fahrern verwendet Daimler-Chrysler SMS-Nachrichten (SMS = Short Message Service), die über einen externen Server versandt werden. Die XML-Datenbank stellt dem Kommunikations-Server dazu Daten im Binärformat zur Verfügung. Antworten aus dem Fahrerhaus übernimmt der Kommunikations-Server; sie werden im XML-Format auf den Tamino-Server gespeichert.

Zwiener sieht auch Vorteile für die interne Kommunikation der Speditionen. So würden Informationen aus der XML-Datenbank anderen IT-Systemen zugänglich gemacht. Das Rechnungswesen etwa benötigt die Bestätigung für erledigte Aufträge; Daten wie Fahrzeit, Arbeits- und Standzeiten fließen in die Lohnbuchhaltung.

Die Idee für Fleetboard entstand 1998 in der LKW-Entwicklung von Daimler-Chrysler. Für den Fahrzeugtyp Actros entwickelten die Ingenieure ein System zur Betriebsdatenerfassung, heute "Fleetboard Trucking". Es lieferte technische Informationen für das Fahrzeug-Management, beispielsweise gefahrene Kilometer, Gewichte, Verbrauch oder Wartungsintervalle. In einem zweiten Schritt bezogen die Programmierer Auftrags- und Logistikdaten ein. Diese Funktionen sind in Fleetboard Transporting zusammengefasst.

Von Windows NT auf AIX und LinuxFleetboard ist im Konzern als selbständiges Profit-Center aufgestellt. Ursprünglich als internes Projekt gestartet, bedient Fleetboard heute fast ausschließlich externe Partner von Daimler-Chrysler. Trucking, Transporting und weitere Anwendungen offeriert der Dienstleister über ein ASP-Modell (ASP = Application Service Providing): Speditionen müssen die Infrastruktur nicht selbst vorhalten, sondern entrichten eine monatliche Gebühr. Hinzu kommen Kosten für die Endgeräte in den Lastwagen, die Daimler-Chrysler ab Werk montiert.

In das Projekt Transporting, das im zweiten Quartal 2000 begann und ein dreiviertel Jahr später abgeschlossen war, habe der Konzern eine knappe Million Euro investiert, erklärt Forcher. Über die Vermarktung an Speditionen rechnen die Verantwortlichen mit einem Breakeven im Jahr 2003. Derzeit setzen etwa 200 Fahrzeugflotten die Transporting-Software ein. Die meisten bestehen aus jeweils fünf bis 100 Fahrzeugen.

Forcher plant bereits die zweite Generation der Telematik-Zentrale. Damit verbunden sind größere Veränderungen in der IT-Infrastruktur: So werde Fleetboard seine Serverlandschaft komplett auf AIX-basierende Hardware und Software umstellen. Gegenwärtig betreiben die Stuttgarter Datenbank, XML-Server und Kommunikations-Server noch unter Windows NT 4.0.

Auf den 25 Entwickler-PCs soll eine Linux-Distribution von Suse das bislang verwendete Microsoft-Betriebssystem ersetzen. Die Datenbank DB2 und weitere Komponenten, beispielsweise den Application-Server Websphere, liefert künftig IBM. Forcher: "In diesem Umfeld können wir dem Kunden ein stabileres Produkt anbieten."