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21.04.2000 - 

XML/Kommunikation zwischen inkompatiblen Systemen

XML hilft bei der Anwendungsintegration

XML ist als Standard für die Beschreibung von Datenstrukturen en vogue. Für das Jahr 2002 prophezeit die Gartner Group der Sprache eine ähnliche Bedeutung im Bereich der Integration und Kommunikation, die HTML heute für die Informationspräsentation im Internet hat.Von Andreas Kanow*

Die Teilnahme am Electronic Commerce eröffnet den Unternehmen neue Geschäftsmöglichkeiten durch die Erschließung neuer Beschaffungswege und Vertriebskanäle. Der Einsatz von E-Business-Konzepten wie Supply-Chain-Management (SCM) oder Customer-Relationship-Management (CRM) verspricht zusätzlichen Geschäftsnutzen, das Extended Enterprise wird Wirklichkeit.

Die rasch wechselnden Marktsituationen bedeuten für die IT-Verantwortlichen im Unternehmen ständig neue Herausforderungen: Die Systeme von neuen Geschäftspartnern müssen schnell mit den eigenen verbunden werden, damit sich das entstandene virtuelle Unternehmen gemeinsam erfolgreich am Markt behaupten kann. Und nach einem Firmenzusammenschluss wünscht der Kunde nur einen einzigen Point of Entry zum neuen Unternehmen. Letztlich ist der Workflow zu organisieren, der die korrekte und zeitgerechte Bearbeitung von E-Business-Transak-tionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette steuert und überwacht. All dies setzt eine erfolgreiche Systemintegration voraus.

Die Geschäftsprozesse eines Unternehmens stützen sich heute in der Regel auf unterschiedlichste Applikationen, die über diverse Plattformen und verschiedene Standorte sowie zunehmend über alle Zeitzonen verteilt sind. Hierbei gilt es, den reibungslosen Informationsaustausch zwischen heterogenen Rechnerplattformen und unterschiedlichen betriebswirtschaftlichen Anwendungssystemen herzustellen. Im Vordergrund steht die Durchgängigkeit des jeweiligen Geschäftsprozesses.

Zeit-, Kosten- und auch Stabilitätserwägungen sprechen oft gegen eine enge Integration von verschiedenen Teilanwendungen in eine Gesamtapplikation. Gesucht wird daher eine Lösung, die auf der einen Seite bestehende heterogene Systeme effizient miteinander verbinden kann und auf der anderen Seite die Integration neuer Applikationen einfach und in angemessener Zeit möglich macht.

Aufgabe der Applikations-Integrationsebene ist es, semantische Unterschiede zwischen den betriebswirtschaftlichen Anwendungssystemen der einzelnen Unternehmen zu überwinden. Das bedeutet, dass die anfallenden Transaktionsdaten in eine vom weiterverarbeitenden System interpretierbare Struktur gebracht werden müssen. Genau hier wird die Hauptaufgabe von XML liegen.

Für die Integration verschiedener Applikationen inner- oder außerhalb des Unternehmens ist eine gemeinsame Kommunikationssprache notwendig.

XML mit seinen zugehörigen Standards liefert hier einen idealen Ansatz, quasi die universelle Grammatik zur Kommunikation. Verstärkt wird diese Entwicklung auch durch eine breite Unterstützung von Seiten der Softwareindustrie, die bereits eifrig XML-fähige Tools anbietet. Unterschiedliche Werkzeuge - von Enterprise Application Integration (EAI) bis zu solchen für Supply-Chain-Management - setzen bereits heute XML als internes Format ein oder bieten zumindest ein XML-Interface an.

Integration ist nicht nur auf der IT-, sondern auch auf der Business-Seite notwendig. XML liefert allerdings nur die Möglichkeit Daten zu beschreiben, die Definition ihrer Bedeutung bekommt der Anwender nicht abgenommen.

Das Beispiel des herkömmlichen Elektronischen Datenaustausches (EDI) macht dies besonders deutlich. XML verspricht im Vergleich zu traditionellen EDI-Formen zwar eine kostengünstigere und flexiblere Möglichkeit des Datenaustausches, die Notwendigkeit, den Inhalt der auszutauschenden Daten gemeinsam zu definieren, besteht aber weiterhin. Dies hat auch die Industrie erkannt und versucht, die Errungenschaften von Standards wie Edifact und ANSI X.12 durch Migration nach XML zu bewahren.

Im Gegensatz zum unternehmensübergreifenden Datenaustausch stößt man bei der Realisierung innerbetrieblicher Integration auf eine zusätzliche Problematik. Der Funktionsumfang der bestehenden Systeme ist historisch gewachsen und Systemüberschneidungen sind keine Seltenheit. Während die heutige Generation der EAI-Tools vermehrt XML als internen Datenaustausch nutzt, bleiben die Formate in den Applikationen noch vorwiegend proprietär. In Zukunft wird aber davon auszugehen sein, dass auch die Applikationen selbst XML sprechen lernen und der Aufwand für die Konvertierung via API zunehmend entfällt.

XML ist sowohl für den Einsatz von strukturierten als auch für unstrukturierte Daten geeignet. Der Standard lässt sich für unterschiedlichste Anwendungen nutzen. Neben Content-Management-Systemen und Portalen wird XML künftig vor allen Dingen im Bereich der Anwendungsintegration und des Datenaustausches seine größte Verbreitung finden.

Microsoft, Intuit und Check Free haben beispielsweise das Format Open Financial Exchange (OFX) zur Kommunikation zwischen Kreditinstituten, Unternehmen und Privatpersonen entwickelt. In HL7 haben sich verschiedene Gesundheitsorganisationen zusammengeschlossen, um Standards für den Austausch von Klinik-, Finanz- und Verwaltungsdaten zwischen heterogenen DV-Systemen des Gesundheitswesens zu definieren.

OTP (Open Trading Protocol), XMI (XML Metadata Interchange Format), WML (Wireless Markup Language), CML (Chemical Markup Language), MathML (Mathematical Markup Language) oder SMIL (Synchronized Multimedia Integration Language) sind weitere Initiativen in einer beliebig fortsetzbaren Liste.

Doch diese rasante Entwicklung birgt die Gefahr, dass verschiedene Initiativen konkurrierende XML-Anwendungen schaffen. Ein Beispiel hierfür sind die von Commerce One entwickelte Common Business Library (CBL) und die von verschiedenen Softwareherstellern getragene Commerce XML (cXML). Beide bieten Spezifikationen, die das elektronische Abfragen, Austauschen und Aktualisieren von Daten aus Produktkatalogen via Internet ermöglichen.

Für zukünftige Integrationsanforderungen scheint mit XML ein global einsetzbares Datenformat gefunden zu sein, dessen Eigenschaften wie Offenheit, Flexibilität, Erweiterbarkeit und Plattformunabhängigkeit eine weite Verbreitung garantieren. Schon heute nutzen 39 Prozent aller Unternehmen in Deutschland (siehe Grafik), die derzeit XML einsetzen, den neuen Standard zum Datenaustausch. Die meisten Branchen haben Initiativen zum Einsatz von XML als Datenaustauschformat gegründet, die häufig bereits über den Prototypstatus hinaus sind.

Damit sich XML als einheitliches Format für den Datenaustausch durchsetzt, müssen allerdings allgemein nutzbare Dokumentenstrukturen für Geschäftsprozesse entwickelt werden. Viele Organisationen und Initiativen beteiligen sich an diesem Standardisierungsprozess. Damit sich die gesteckten Ziele erreichen lassen, ist es zwingend notwendig, die Bemühungen zu bündeln und Parallelentwicklungen zu verhindern. Bleibt also abzuwarten, ob die Unternehmen ihre Chancen zu nutzen wissen.

*Andreas Kanow ist Senior Consultant bei dem IT-Dienstleister Origin Deutschland GmbH in Hamburg.

Abb.: Bei der Nutzung von XML durch deutsche Unternehmen dominiert noch der Datenaustausch. Quelle: Electronic Business in Deutschland, Meta Group Deutschland GmbH + TechConsult GmbH, 2000