Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

XML/Konkurrenz für Edifact


21.04.2000 - 

XML wird zum Standard für den Datenaustausch

Angesichts der steigenden Popularität der Markup-Sprache sind Thesen wie "XML wird Edifact ablösen" zu hören. Tatsächlich gibt es schon eine Reihe von XML-Anwendungen, die speziell für den Business-to-Business-Datenaustausch konzipiert wurden. Projekte wie CBL, cXML oder gXML werben um die Gunst der Anwender. Michael Dörflein* und Andreas Hennig* geben einen Überblick über die konkurrierenden Initiativen.

Um von elektronischem Datenaustausch (Electronic Data Interchange, EDI) sprechen zu können, müssen definitionsgemäß folgende Grundvoraussetzungen erfüllt sein:

- Es werden strukturierte Geschäftsnachrichten auf Basis so genannter Datenformatstandards ausgetauscht, und

- der Datentransfer erfolgt vollautomatisch und ohne manuelle Eingriffe oder Medienbrüche zwischen betriebswirtschaftlichen Anwendungssystemen mit Hilfe von Werkzeugen zur Datenfernübertragung.

Ein Vergleich zwischen XML und EDI ist dabei unzutreffend. Obwohl beide Begriffe etwas mit Kommunikation zu tun haben, sind ihre Aufgaben verschieden. Bei EDI geht es darum, Daten vom Anwendungssystem A zum Anwendungssystem B zu schicken. Hierzu können diverse Transport-"Container", wie eben XML oder Edifact, eingesetzt werden.

Auch das 7-Schichten-Modell nach ISO/OSI zeigt, dass die zwei Technologien nicht konkurrieren, sondern sich ergänzen und aufeinander aufbauen. Der elektronische Datenaustausch gehört der Anwendungsschicht (Schicht 7) zuzuordnen, da er dafür sorgt, dass eine End-to-End-Verständigung zwischen Anwendungssystemen zustande kommt. Die semantische Interpretation der Daten hat mit der Kommunikation als solcher nichts zu tun, sondern ist auf einer erweiterten achten Schicht anzusiedeln, in die XML und Edifact gehören.

Vergleich von Edifact und XMLIm Gegensatz zu den Begriffen XML und EDI ist ein Vergleich zwischen XML und Edifact durchaus zulässig. Beide sind Standards, die Daten so formatieren, dass sie zwischen entfernten Anwendungssystemen ausgetauscht werden können.

Edifact wurde entwickelt, um einen vollautomatischen Nachrichtenaustausch im Sinne von EDI zu gewährleisten. Im Gegensatz zu XML werden Dateninhalte nicht mit Tags versehen. Die Bedeutung ergibt sich aus der Reihenfolge des Feldes in der Nachricht. Diese Vorgehensweise hat zwei Vorteile. Edifact-Nachrichten sind zum einen absolut sprachneutral, da sie beschreibende Elemente nicht erfordern. Zum anderen wird das Übertragungsvolumen durch die Trennzeichensyntax auf ein Minimum reduziert. Heute stehen bereits diverse breitbandige Übertragungsmedien zur Verfügung, die auch den Austausch großer Datenmengen erlauben. Die interne Verarbeitung stellt jedoch noch immer einen Engpass in der Umsetzung großer Datenvolumina dar. Je kleiner die Nachrichten sind, desto zeitnäher können sie verarbeitet werden. Gegenüber XML bestehen allerdings wichtige Nachteile. Anforderungen der Mensch-Maschine-Kommunikation wurden nicht berücksichtigt, so dass sich der Inhalt einer reinen Edifact-Datei dem menschlichen Betrachter nicht unmittelbat erschließt. Außerdem eignet sich Edifact nicht zum Austausch von unstrukturierten oder binären Daten, wie Grafiken oder Bildern. Auch Verweise auf externe Dateien sind nur bedingt praktikabel.

Sowohl Edifact als auch XML eignen sich also gut zum Austausch strukturierter Nachrichten. Edifact hat hierbei Vorteile bezüglich der automatisierten Weiterverarbeitung und XML bei den universellen Einsatzmöglichkeiten. Aus syntaktischer Sicht ist es also durchaus möglich, Edifact durch XML zu ersetzen.

Mit Edifact wurde allerdings nicht nur die Syntax, sondern auch die Semantik von Geschäftsnachrichten standardisiert.

Für XML liegen hier nur erste semantische Standardisierungsbestrebungen von mehreren unabhängig arbeitenden Gruppen vor. Durch Parallelentwicklungen besteht die Gefahr von Insellösungen, die durch Edifact gebannt schien.

In den Tabellen werden einige wichtige Standardisierungsprojekte näher vorgestellt. Es handelt sich dabei nicht um eine vollständige Aufzählung aller in Arbeit befindlichen Standards. ebXML (Electronic Business XML), ICE (Information and Content Exchange) und CBL (Common Business Library) sind nur weitere Beispiele einer großen Zahl paralleler und sich überschneidender Entwicklungen.

Akzeptanz der Initiativen noch fraglichInsgesamt verfolgen alle Initiativen und Organisationen ehrgeizige Ziele. Es ist jedoch fraglich, inwieweit sie im Einzelnen auch von den Marktteilnehmern wahrgenommen und realisiert werden können. Einige Fakten sind zu berücksichtigen:

Es existieren mit Edifact, ANSI X.12, VDA und anderen Standards, die sowohl Syntax als auch Semantik abbilden. Das Rad auf diesem Gebiet völlig neu zu erfinden, ist weder sinnvoll noch wirtschaftlich.

Es bleibt abzuwarten, wie hoch die Akzeptanz von praktizierenden EDI-Anwendern für neue Formatstandards ist. Zum einen erfüllen die Edifact-Nachrichten die Anforderungen der Prozessabläufe in und zwischen den Unternehmen recht gut und zum anderen würden möglicherweise enorme Investitionen obsolet. Auch die Umstellung von Edifact- auf XML-Nachrichten ist mit Problemen und Risiken verbunden, sodass man mit Ressentiments seitens der Anwender rechnen muss.

Chance von XML liegt in universeller NutzbarkeitDie derzeitigen XML-Anwendungen kennzeichnen häufig die isolierte Betrachtungsweise einzelner Geschäftsvorfälle, der Fokus auf Mensch-Maschine-Kommunikation sowie ein unausgereifter Entwicklungsstand. Standards können letztlich nur als solche bezeichnet werden, wenn neben einer allgemein verbindlichen Definition auch eine entsprechende Verbreitung gewährleistet ist. Solche Richtlinien müssen sowohl in Software-Produkte umgesetzt als auch in der Praxis auf breiter Basis eingesetzt und mit Nachdruck vorangetrieben werden.

Die große Chance, die XML für die Informationsverarbeitung eröffnet, liegt in der Universalität seiner Einsatzmöglichkeiten und dem damit gebotenen Integrationspotenzial. Sehr viele Anwendungsgebiete, wie zum Beispiel Content-Management, Web-Präsentation oder inner- und zwischenbetriebliche Datenintegration sind mit einem einheitlichen Datenformat realisierbar. XML bietet somit die Grundvoraussetzung für eine breite Anwendung und die Überwindung heterogener Strukturen.

Es ist daher denkbar und auch sinnvoll, dass XML-Anwendungen Edifact mittel- bis langfristig ersetzen. Mit größerer Wahrscheinlichkeit wird die Semantik von Edifact als Basis für neue XML-Entwicklungen dienen.

Eine kurzfristige Marktverdrängung erscheint unrealistisch. Für fast alle großen Unternehmen ist EDI mit Edifact ein unverzichtbares Werkzeug zur zwischenbetrieblichen Geschäftsprozessintegration.

Eine schnelle und reibungslose Umstellung ist aufgrund der komplexen Netzbeziehungen und des erforderlichen hohen Aufwandes nicht möglich.

Im Sinne eines umfassenden integrierten Datenaustausches ist eine Kombination der verschiedenen vorgestellten Initiativen denkbar. Eine mögliche XML-Architektur für den elektronischen Datenaustausch könnte die Semantik der Nachrichten von klassischen Datenformatstandards (XML/EDI-Group, DIN) übernehmen und in XML-Syntax darstellen.

Die Nachrichten und ihre Objekte werden in ein globales Repository (Biztalk) eingestellt. Für das Supply-Netzwerk werden konkrete Prozessabläufe (Rosettanet) definiert und ebenfalls im Repository hinterlegt. Das globale Repository dient somit als Sammlung aller verwendbaren Objekte und beschreibt die Grundmenge aller Geschäftsbeziehungen.

Die Hersteller von Anwendungs- und Procurement-Lösungen (Basda) bedienen sich bei der Entwicklung ihrer Systeme ausschließlich aus diesem Objektfundus und schaffen somit die Grundlage für eine umfassende Interoperabilität der Systeme.

Interessensgemeinschaften (wie Rosettanet) üben entsprechenden Umsetzungsdruck aus, damit schnell eine kritische Masse entsteht. Ist sie erreicht, kommen die übrigen Unternehmen nicht umhin, an der Entwicklung teilzunehmen.

FazitXML kann nicht als konkurrierend zu EDI betrachtet werden. Die Sprache ist keine Alternative zu EDI und wird es aus diesem Grund auch nicht ersetzen. XML wird vielmehr befruchtend auf die weitere Entwicklung von EDI wirken. Durch neue Austauschformen wie WebEDI dürfte die Zahl der EDI-Anwender in den nächsten Jahren enorm ansteigen. Durch eine höhere Zahl potenzieller EDI-Partner sinkt für viele Unternehmen dann auch die Hemmschwelle, klassischen elektronischen Datenaustausch zu betreiben.

XML hat gute Chancen, in einiger Zeit das populärste Format für die Speicherung inner- und zwischenbetrieblicher Daten zu werden. Es ist daher nur logisch, dass es auch für den elektronischen Datenaustausch zum Einsatz kommt und die Syntax von Edifact damit obsolet macht. Zur Beschleunigung der Entwicklung sowie zur Senkung von Anpassungskosten erscheint eine Anlehnung an die Semantik von Edifact wünschenswert.

*Michael Dörflein und Andreas Hennig sind Forschungsassistenten am Lehrstuhl für BWL und Wirtschaftsinformatik Prof. Thome in Würzburg und beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit Electronic Commerce und dem integrierten Datenaustausch zwischen Unternehmen.

BasdaLangform Business and Accounting Software Developers Association

Initiatoren Führende Hersteller von betriebswirtschaftlicher Anwendungssoftware

Beteiligte Zurzeit über 200 Mitglieder

Status 1993 gegründet; 1999 Veröffentlichung der Basda eBIS-XML-Spezifikation

Ziele Im Umfeld von XML ist die Zielsetzung, die Definition einer allgemeinen Sprache, die den Informationsaustausch zwischen Anwendungssystemen unterstützt, voranzutreiben.

Ergebnisse Auf dem Gebiet der Software-Qualitätssicherung erfolgt unter anderem die Zertifizierung von betrieblichen Standardanwendungen. Beispielsweise erhielten SAP, Baan oder Navision die Basda-EMU-(European Monetary Union-)Anerkennung. Ein Ergebnis der XML-Bestrebungen ist die Veröffentlichung der ersten Versionen der eBIS-XML-Order- und Invoice-Spezifikation im Dezember 1999. Sie sind von der ebXML Arbeitsgruppe (Cefact/Oasis) anerkannt worden.

Bewertung Versuch zur Etablierung eines Standards unter den führenden Softwareherstellern. Aufgrund der relativ hohen Marktmacht der beteiligten Firmen kann dies als aussichtsreicher Versuch gewertet werden. Das zum Download bereitgestellte Invoice Schema in der Version 2.4 enthält jedoch vorwiegend syntaktische Spezifikationen. Eine semantische Beschreibung der Inhalte erfolgt nur auf einer allgemeinen Ebene.

Ausblick Die Tatsache, dass über die Ergebnisse von Basda auf der Website von Biztalk.org genau berichtet wird, deutet auf eine Verknüpfung dieser beiden Organisationen hin. Es wäre sinnvoll, wenn die Ergebnisse der XML-Bestrebungen von Basda in Biztalk integriert würden.

Info http://www.basda.org

RosettanetLangform Rosettanet

Initiatoren Führende Unternehmen im Bereich Informationstechnologie und Electronic Commerce

Beteiligte Insgesamt engagieren sich 63 Unternehmen, aufgeteilt in zwei "Managing Boards" (EC- und IT-Managing Board), in dieser Organisation. Die meisten namhaften Produktions-, Software-, Vertriebs- und Handelsunternehmen von IT- und EC-Produkten sind vertreten, darunter IBM, Compaq, HP, GE, FedEX, Intel und Toshiba. Jahresgebühr: 10 000 Dollar

Status Am 2. Februar 2000 sollte der Einsatz der auf XML basierenden Dienste für die Supply Chain unter Beteiligung von 30 Unternehmen beginnen. Die Rosettanet-Implementation-Framework Spezifikation liegt seit dem 8.11.99 in Version 1.1 vor.

Ziele Einführung eines allgemein akzeptierten XML-Schemas für Technologie-Unternehmen, das dazu beitragen soll, das Management der Lieferketten der Konsortiumsmitglieder zu automatisieren. Konzentration der Entwicklung auf drei prinzipielle Bereiche: Produkteinführung, Lagerbestands verwaltung und Produkt-Management. Test der auf XML basierenden Dienste für Versorgungs ketten unter Teilnahme von 30 Unternehmen.

Ergebnisse Für die Definition der Geschäftsprozesse wird ein einheitliches Vokabular von Eigenschaften benötigt. Deshalb wurden zwei Dictionaries mit Beschreibungselementen für technische Spezifi kationen und Geschäftsvorfälle entwickelt. Partner-Interface-Processes-(PIP-)Spezifikationen sind für die wesentlichen Prozesse, wie Pro duktabfragen, die Bestellabwicklung, Faktura oder den Austausch von Marktdaten definiert und abrufbar.

Bewertung Der Fokus der Bestrebungen liegt hauptsächlich auf einer Homogenisierung der Prozesse zwi schen Unternehmen der Hitech Supply Chain. Aufgrund der spezifischen Anforderungen in die sem Sektor verfolgt Rosettanet keinen ganzheitlichen, sondern einen proprietären Ansatz. Wenn es gelingt, ihn auf andere Branchen zu übertragen und wenn eine hohe Durchdringung im IT-Sektor erreicht wird, dann sind die Chancen für die Etablierung eines allgemeinen Stan dards als hoch einzuschätzen.

Ausblick Es ist möglich, dass ein Erfolg von Rosettanet auch andere Supply Chains motiviert, sich zusam menzuschließen und die Erfahrungen zu nutzen, um die Prozesse zu verbessern. Zusammen mit Konzepten wie Biztalk oder XML/EDI könnten Erfahrungen auf einer übergreifenden Plattform verbunden und für alle Unternehmen nutzbar gemacht werden.

Info http://www.rosettanet.org

CEN/ISSS XML-EDI PilotprojektLangform Information Society Standardization System innerhalb des European Committee for Standardization

Initiatoren EBES (European Board for Edifact Standardization) Electronic Commerce Technical Steering Group (ECTSG)

Beteiligte CEN/ISSS Electronic Commerce Workshop Beteiligt sind über 60 europäische Organisationen und Unternehmen aus verschiedenen Berei chen der Wirtschaft. Dazu zählen unter anderem EAN International, British Telecom, ECBS, GE IS, P&O Nedlloyd, Siemens und Pricewaterhouse.

Status Das Projekt läuft von Oktober 1999 bis März 2001.

Ziele Prüfung der Rolle von XML für den elektronischen Datenaustausch (EDI). Der Workshop soll ein offenes und flexibles Rahmenwerk für alle Marktteilnehmer zur Verfügung stellen, um Electro nic-Commerce-Standards zu identifizieren und voranzutreiben.

Ergebnisse Auf der Basis von Simpl-EDI-Nachrichten sind XML-DTDs für eine Reihe von Nachrichten erstellt worden, unter anderem für Orders, Order Response, Invoice, Despatch Advise, Value Chain Planning und Performance Reports sowie National und International Payment Orders.

Bewertung Hauptsächlich werden kleine und mittelständische Unternehmen angesprochen, die bereits EDI betreiben. Für oben angeführte Nachrichten wurden DTDs erstellt und aufgezeigt, wie sich die se als EDI-Nachricht verwenden lassen. Prinzipiell kann man es als vorteilhaft ansehen, wenn solche Projekte unter Einbeziehung der betroffenen Unternehmen in Gang gesetzt werden, um einen Erfahrungsaustausch zu ermögli chen. XML umfasst ein sehr breites Anwendungsspektrum, das bei diesem Projekt jedoch nicht berücksichtigt wird.

Ausblick Innerhalb des CEN/ISSS existiert bereits eine Vielzahl an Workshops. Auf dem Gebiet XML wäre eine stärkere Verknüpfung verschiedener Themen sinnvoll, da somit Erfahrungen aus den ver schiedenen Anwendungsbereichen ausgetauscht werden könnten und so die mannigfaltige Ein satzfähigkeit von XML demonstriert würde.

Info http://www.cenorm.be/isss/workshop/ec

BiztalkLangform Biztalk

Initiatoren Microsoft

Beteiligte Ariba, Baan, Boeing, Claris, Commerce One, J.D. Edwards, Merrill Lynch, Microsoft, Master Card, Peoplesoft, Rosettanet, SAP und andere.

Status Am 6.12.1999 wurde die Verfügbarkeit der "Biztalk Framework Document Spezification 1.0" bekannt gegeben.

Ziele Beschleunigung und Verbreitung des Standards XML und damit Förderung des Electronic Commerce.

Ergebnisse Die Spezifikation enthält drei wesentliche Elemente: die Beschreibung des Rahmenwerks (hier werden XML-Tags definiert, die alle Biztalk XML Dokumente enthalten müssen), ein Verzeichnis der Biztalk-Schemata und die Anforderungen, Schemata einer automatisierten Validierung zu unterziehen.

Biztalk-Server: Diese Microsoft-Anwendung automatisiert viele der für einen Biztalk-konformen Datenaustausch notwendigen Funktionen.

Bewertung Biztalk kann mit beliebigen Kommunikationstechnologien eingesetzt werden. Es sind nicht nur Tags für Routing-Informationen oder für bestimmte Anwendungssysteme definiert, sondern es stellt vor allem einen Werkzeugkasten zur Verfügung, mit dem Datenformate für bestimmte Anwendungsfelder entwickelt werden können. In Zusammenhang mit einem globalen Verzeichnis, wo die von einzelnen Firmen, Organisatio nen oder Branchen entwickelten Nachrichten hinterlegt und für jedermann zugänglich gemacht werden können, entsteht eine Plattform für eine dezentrale Standardisierung von Geschäfts nachrichten. Diese Plattform ist aus verschiedenen Gründen als sehr aussichtsreich für eine flächendeckende Verbreitung zu bewerten: Mit dem Einsatz von Biztalk bei Microsoft-Produkten, bei den betrieblichen Anwendungen von Baan, J.D. Edwards und SAP sowie bei marktführenden B2B-Anbietern wie Ariba und Commerce One können de facto alle Unternehmen auf Basis dieses Rahmenwerks Nachrichten austauschen. Die an der Entwicklungszeit abzulesende konsequente Umsetzung von Biztalk lässt auf eine hohe Priorität dieser Initiative seitens der beteiligten Unternehmen schließen. Als kritisch ist zu beurteilen, dass einem Wildwuchs von Nachrichtenspezifikationen nicht vorge beugt ist. Jeder kann innerhalb des Biztalk-Rahmens beliebige Spezifikationen erstellen und sie veröffentlichen. Die Idee von einem weltweiten Standarddatenformat für elektronische Nach richten ist syntaktisch zwar erreicht, semantisch aber nur über eine entsprechende Marktmacht zu verwirklichen.

Ausblick Auch im Umfeld von Standardisierungsinitiativen wird früher oder später ein Konzentrations prozess einsetzen, in dem sich verschiedene Konzepte ergänzen oder aufgrund mangelnder Akzeptanz verschwinden werden. Biztalk ist sicher eine Plattform, auf der verschiedene andere Konzepte wie Rosettanet oder Basda zusammenkommen und eventuell verschmelzen können.

Info http://www.biztalk.org

cXMLLangform Commerce eXtensible Markup Language

Initiatoren Ariba Technologies

Beteiligte zirka 50, vorwiegend US-amerikanische Unternehmen, zum Beispiel Cisco, GM, Fedex, Microsoft und Visa.

Status Die Version 1.0 wurde im August 1999 vorgestellt. Seit Januar 2000 liegt ein Entwurf für die Version 1.1 vor.

Ziele Der Schwerpunkt liegt auf der Abwicklung von XML-basierten B-to-B-Beschaffungsvorgängen (E-Procurement) über das WWW. Die leichte Implementierung von Lösungen und Standardisie rung von Transaktionen stehen im Vordergrund.

Ergebnisse Die Version 1.0 umfasst zirka 60 Seiten und enthält folgende Spezifikationen. Order Definitions: Beschreibung des Aufbaus einer Bestellanfrage und einer Bestellbestätigung Die Bestellanfrage enthält die zur Abwicklung des Vorgangs erforderlichen Daten (Adressen, Zahlungsinformationen, Positionsdaten oder Gesamtbeträge). PunchOut Definitions: Definition des Zugriffs des Käufers auf Artikeldaten des Anbieters. Ablage und Verwaltung selektierter Daten im Warenkorb. Parallele Bearbeitung von Bestellun gen bei unterschiedlichen Lieferanten. Catalog Definitions: Angaben zum Lieferanten (Adresse, Kontaktpersonen). Hinweise zu den Produkten (Beschreibung, Artikelnummer). Spezielle Vereinbarungen (Gültigkeit des Angebots, Rabatte). Subscription Management Definitions: Beschreibung von Nachrichten (Änderungs- und Subskrip tionsanzeigen), die es Intermediären erlauben, Kataloge verschiedener Hersteller zu verwalten. Message Retrieval Definitions: Beschreibung von Mechanismen (zum Beispiel Zeitstempel), die dann einsetzen, wenn eine direkte HTTP-Antwort durch den Lieferanten nicht möglicht ist. CXML-XML-Documents: Beschreibung aller cXML-Dokumente, die für den Aufbau und Betrieb entsprechender Lösungen erforderlich sind.

Bewertung Die cXML-Spezifikation bildet elektronisch unterstützte Beschaffungsvorgänge detailliert ab. Die konkreten Verarbeitungsanweisungen reduzieren den Abspracheaufwand zwischen den betei ligten Unternehmen deutlich und erleichtern die Integration ursprünglich heterogener Systeme. Es ist jedoch fraglich, ob sich die Unternehmen in diesen vorgegebenen Rahmen pressen lassen. Bisherige Erfahrungen zeigen, dass sehr hohe Freiheitsgrade gewünscht werden. cXML deckt, vergleichbar mit OBI (Open Buying on the Internet), nur einen kleinen Teilbereich unternehmerischen Handelns ab. Viele Aspekte, wie zum Beispiel die Integration von Transport unternehmen oder Finanzinstituten, bleiben unberücksichtigt. Der cXML-Ansatz basiert konzeptionell auf der Mensch-Maschine-Kommunikation und eignet sich daher auf Client-Seite vor allem für Unternehmen mit geringem Bestellaufkommen und spon tanem Bedarf. Eine beidseitige Integration ist derzeit nicht vorgesehen, wäre jedoch realisierbar.

Ausblick Ariba ist einer der erfolgreichsten Anbieter von Procurement-Lösungen, der eng mit Microsoft kooperiert. cXML wird daher in Biztalk integriert. Beide Unternehmen wollen Produkte auf die ser Basis anbieten. Es ist daher grundsätzlich die erforderliche Marktmacht vorhanden, um eine weite Verbreitung zu erreichen. Der prinzipiell gute Ansatz der Vereinheitlichung und Vereinfa chung von Prozessen stößt jedoch durch eine enge Fokussierung auf den Beschaffungsprozeß sowie die Ignoranz gegenüber bestehenden Infrastrukturen und Geschäftsgewohnheiten sehr schnell an seine Grenzen.

Info http://www.cxml.org

gXMLLangform Guideline eXtensible Markup Language

Initiator Edifecs Commerce Corporation

Status Die gegenwärtige Version 0.7 stammt vom März 1999.

Ziele gXML ist eine offene Spezifikation für den Austausch von Guidelines zur Beschreibung von E-Commerce-Nachrichten. Unter einem Guideline versteht man die Darstellung der Struktur von Geschäftsdokumenten, wie Bestellungen oder Rechnungen. Er ist mit einem Nachrichten Aufbaudiagramm, Transaction Set oder Schema vergleichbar.

Ergebnisse Guidelines in gXML liegen unter anderem für Edifact, DISA X.12 und Rosettanet vor. Prozesse, wie zum Beispiel der Austausch der gXML-Dokumente oder Verarbeitungshinweise, berück sichtigt die Spezifikation nicht. Es handelt sich um eine rein technische Darstellung von Elemen ten zur Abbildung von Nachrichtenstrukturen. Der Anhang stellt lediglich eine XSL-Datei für die Umsetzung von gXML nach HTML sowie eine DTD auf Basis von gXML dar.

Bewertung Die Firma Edifecs bietet bereits unter der Bezeichnung "Specbuilder" eine Reihe von Produkten an, die das Design und die Überprüfung von Geschäftsnachrichten in klassischen Datenforma ten, wie zum Beispiel Edifact oder ANSI X.12, unterstützen. Auf dieser Infrastruktur wurde bei der Entwicklung von gXML aufgesetzt, durch das sich nun zusätzlich XML-Dokumente beschreiben lassen. Insbesondere der Einsatz bei Rosettanet lässt darauf schließen, dass gXML diese Aufgabe adäquat erfüllt. Als Werkzeug für die Erstellung von gXML-Dokumenten wird der SpecBuilder vorausgesetzt. Im derzeitigen Stand ist die Spezifikation noch sehr technisch gehalten und daher nur bedingt als Implementierungsleitfaden verwendbar.

Ausblick XML-Anwendungen zur Beschreibung von Nachrichtenstrukturen sind momentan von großer Bedeutung. Durch leistungsfähigere DTDs könnten sie allerdings zukünf-tig überflüssig werden.

Info http://www.gxml.org (im Aufbau) http://www.commercedesk.com/content/standards

XML/EDILangform Extensible Markup Language/Electronic Data Interchange

Initiator XML/EDI Group

Beteiligte Öffentlich zugänglicher Zusammenschluss von Einzelpersonen oder Unternehmen, wie zum Beispiel Hitachi, Motorola, Sterling Commerce oder Harbinger

Status Die XML/EDI Group wurde 1997 gegründet. Sie hat unter anderem "The XML/EDI-Frame work" (8/1997) und ein "White Paper on Global XML Repositories for XML/EDI, Version: 1.0" (2/1999) vorgestellt.

Ziele Das Hauptziel der Gruppe besteht in der Zusammenführung bestehender EDI-Datenformate und -Infrastrukturen mit XML. Dies soll über die Veröffentlichung von Informationen, Durch führung von Projekten und Implementierungsleitfäden realisiert werden.

Ergebnisse Das XML/EDI-Framework beschreibt eine organisatorische Infrastruktur, wie klassisches EDI und XML zusammengeführt werden können. Das Konzept baut auf fünf Basistechnologien auf. EDI stellt mit den Standardaustauschformaten Edifact, ANSI X12 die Semantik der ausgetausch ten Nachrichten zur Verfügung. Templates enthalten die Verarbeitungsregeln (Prozesslogik) für die jeweils ausgetauschten Nachrichten und Daten. Agenten interpretieren die Templates und setzen die vordefinierten Aufgaben um. Sie sind auch in der Lage, bei Bedarf neue Templates zu generieren.Repositories entsprechen öffentlich zugänglichen, elektronischen Wörterbüchern, die es den Anwendern beziehungsweise Applikationen ermöglichen, die Bedeutung und Defini tion von EDI-Elementen nachzuschlagen.

Bewertung Die XML/EDI-Group hat die Bedeutung von XML für den künftigen elektronischen Datenaus tausch erkannt und versucht, die "alte" und die "neue" Technologie pragmatisch zusammen zuführen, indem sie auf bestehende Strukturen aufbaut. Insbesondere beim Einsatz elektronischer Agenten und Repositories wurde jedoch bislang nur ein sehr niedriger Entwicklungsstand erreicht. Das vorgegebene Rahmenwerk kann man noch nicht als umfassend bezeichnen.

Ausblick Das Grundkonzept der Gruppe, die Semantik bestehender Datenformatstandards in XML Anwendungen zu überführen, ist praxisnah. Wenn es gelingt, alle Komponenten erfolgreich umzusetzen und zu kombinieren, kann es sich als erfolgreich erweisen. Mit konkreten Lösungen ist jedoch nicht innerhalb der nächsten Zeit zu rechnen.

Info www.xmledi.com

Normentwurf DIN 16557-4Langform Edifact - Teil 4: Regeln für die Auszeichnung von UN/Edifact-Übertragungsstrukturen mit der Extensible Markup Language (XML) unter Einsatz von Document Type Definitions (DTDs)

Initiator Deutsches Institut für Normung (DIN)

Beteiligte DIN

Status Der aktuelle Normentwurf wurde im September 1999 veröffentlicht.

Ziele Die Semantik von Edifact-Nachrichten, die eine weite Verbreitung in der Wirtschaft und einen hohen Stabilitätsgrad erreicht haben, soll in die XML-Syntax eingebunden werden. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass zum einen bestehende Investitionen in klassische EDI Infrastruktur geschützt sind und gleichzeitig ein breiteres Funktionsspektrum (zum Beispiel WebEDI) angeboten werden kann. Des Weiteren werden die Standardisierungsbemühungen, die in der umfassenden Unterstützung nahezu aller betrieblichen Prozesse mündeten, in XML Anwendungen eingebracht. Dies soll Insellösungen und die wiederholte Entwicklung von Geschäftsnachrichten verhindern.

Ergebnisse Der Normentwurf umfasst derzeit acht Seiten. Im Mittelpunkt stehen sechs Regeln zur Aus zeichnung von UN/Edifact-Übertragungsstrukturen mit XML/DTDs. Anleitungen zur organisa torischen Umsetzung fehlen.

Bewertung Der Ansatz, bestehende Edifact-Nachrichten in XML umzusetzen, ist sehr pragmatisch. Er ver meidet die Ablösung bestehender EDI-Prozesse und -Infrastrukturen und erfordert auch keine allzu hohen Anpassungsinvestitionen. Eine reine 1:1-Umsetzung ist jedoch kritisch zu bewerten. Viele Vorteile von XML, wie zum Beispiel die direkte Lesbarkeit durch sprechende Tags, gehen verloren. Die Überführung der Edifact-Syntax nach XML ist zwar weitgehend möglich, aus praktischen Erwägungen jedoch nicht wünschenswert.

Ausblick Der gegenwärtige Entwurf stellt voraussichtlich nur eine Zwischenlösung dar. Es wird bereits daran gedacht, in folgenden Projektphasen mit der Modellierungssprache UML zur Entwicklung von EDI-Nachrichten und zur Abbildung von Geschäftsprozessen zu arbeiten.

Info www.din.de/set/gremien/nas