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XOpen contra IBM

12.02.1988

Vor wenigen Tagen fand das "l. Berliner Software-Unternehmer-Gespräch" statt, eine Veranstaltung des Wirtschaftssenators von Berlin in Zusammenarbeit mit der Diebold Deutschland GmbH und CW-Publikationen. Dieter Eckbauer sprach über sein Verhältnis zur (Markt-)Macht und den Kurs der bundesdeutschen Software-Industrie. Hier eine Kurzfassung seines Referats:

Immer wieder konnte die COMPUTERWOCHE über die zunehmende Polarisierung in der DV-Welt berichten, wie sich nämlich die "Nicht-IBM-Anbieter" unter dem Dach der X/Open-Gruppe zusammenfinden, während sich die IBM ausgrenzt. In ihrer Öffentlichkeitsarbeit legen die einzelnen Hardware-Hersteller neuerdings besonderen Wert darauf, die Rolle des Marktführers als Verhinderer von "echten", Hersteller-unabhängigen Standards (OSI, Unix etc.) herauszustellen. Merke: Standards machen frei - ohne Standards kein Markt.

Hier soll nun nicht darüber spekuliert werden, ob sich diese PR-Anstrengung für den einzelnen Hardware-Hersteller auszahlen wird es gibt letztlich zu der X/Open-Strategie keine Alternative. Erschreckend viele Softwarehäuser ignorieren dagegen den Trend zu offenen Systemen. Der Referent sieht sich denn auch außerstande, eine Beschreibung der Software-Community zu liefern: Gehören die Body-Leasing-Firmen und Programmierbüros dazu? Und was ist mit den Management-Beratern? Verbunden fühlt er sich mit den wenigen Softwarehäusern, die "Standard-Software" anbieten, nach unserem Verständnis (siehe oben) "Produkte auf der Basis von Hersteller-unabhängigen Standards". Denn nur auf dieser Grundlage können überhaupt aussagefähige Produktvergleiche angestellt werden - ein entscheidendes Kriterium für die Definition von Markt.

Softwaremarkt findet nur dort statt, wo "offene" Systeme entstehen und in der Folge portable Anwendungen zu realisieren sind. Naturgemäß entsprechen Software-Produkte für Zielrechner der Marke IBM nicht unserer Vorstellung von Standard - IBM-Betriebsumgebungen erlauben nun einmal keine Portabilität. Mit anderen Worten: Die heutige Ausrichtung der Software-Anbieter führt nicht zu einem freien Markt, allenfalls zu einem "After"-Markt - im wahrsten Sinne des Wortes -, weil nämlich das Vorhandensein von "geschlossener" IBM-Hardware vorausgesetzt wird.

Daß die IBM über ihre 370-Architektur an die 90 Prozent der kommerziellen Zentralrechner-Installationen bei Großanwendern kontrolliert, heilt dieses Manko nicht. Im Gegenteil: Aus der Sicht der Fachpresse (hier: der COMPUTERWOCHE) stellt sich die Software-Szene als"fünfte Kolonne" dar, die der IBM indirekt hilft, noch mehr Mainframes zu plazieren. In der Folge muß das zu einer weiteren Verarmung führen, was Anwendungen für "fremde" Zielrechner betrifft.

Wenn es die Installationsprozente der Exoten aus dem BUNCH-Nachlaß schon nicht mehr gestatten, von einem funktionierenden Mainframe-Markt zu sprechen, dann sollte man sich wenigstens mit einem Schluck aus der Workstation-Pulle "frei" trinken, anstatt auf IBMs System-Anwendungs-Architektur SAA zu warten, die ja wiederum nur eine Schein-Freizügigkeit innerhalb der weiterhin geschlossenen IBM-Welt bietet. Volle Portabilität wird dagegen mit X/Open angestrebt - ein Ansatz vorerst nur, ein Zustand jedoch, der bereits die Bezeichnung "Wettbewerb" verdient.