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19.04.2002 - 

CEO Terry Semel setzt auf Bezahlinhalte

Yahoo leidet unter Einbruch im Werbemarkt

MÜNCHEN (CW) - Yahoo hat im abgelaufenen ersten Geschäftsquartal 2002 zum sechsten Mal in Folge rote Zahlen gemeldet. Unternehmenschef Terry Semel versucht, den Trend umzukehren, indem er die Abhängigkeit vom Werbemarkt reduziert und mehr Bezahldienste einführt.

Die Flaute im Anzeigengeschäft zwingt Semel dazu, gebührenpflichtige Dienste zu erfinden oder für Services, die bisher kostenlos waren, Geld zu verlangen - eine Strategie, mit der Yahoo in Kauf nimmt, bei den Web-Surfern anzuecken. Vor allem die Aufweichung der Privacy-Regeln, die es dem Portal und seinen Werbepartnern zumindest in den USA erlaubt, registrierte Kunden mit Werbung zu überhäufen, steht in der Kritik.

Die jüngsten Geschäftszahlen zeigen, warum Yahoo nach neuen Einnahmequellen sucht. Insgesamt 192,7 Millionen Dollar hat das Internet-Portal im ersten Quartal 2002 umgesetzt - sieben Prozent mehr als im Vergleichsquartal des Vorjahres. Die Steigerung kam jedoch nur wegen des Zukaufs der gebührenpflichtigen Online-Jobbörse Hotjobs.com zustande, die nach Analystenschätzungen 13 bis 15 Millionen Dollar zu den Erlösen beisteuerte.

Yahoo schrieb dabei - zum sechsten Mal in Folge - einen kräftigen Nettoverlust. Neue Bilanzierungsregeln und Abschreibungen aufgrund des Wertverlusts von Beteiligungen führten dazu, dass unterm Strich ein Minus von 53,9 Millionen Dollar blieb - im Vorjahr lag das Defizit nur bei 11,5 Millionen Dollar. Immerhin wies das Unternehmen mit einem operativen Gewinn von zwei Cent je Anteil exakt das vor, was die Analysten an der Wallstreet laut Thomson Financial/First Call im Mittel erwartet hatten.

Trotzdem leidet Yahoo unter einem massiven Einbruch im Werbemarkt: Das Portal erzielte nur noch 121 Millionen Dollar oder 63 Prozent seiner Einnahmen mit Anzeigen. Das entspricht einem 15-prozentigen Rückgang gegenüber der vergleichbaren Vorjahresperiode. Obwohl gleichzeitig der Anteil an Subskriptions- und Bezahldiensten kräftig wuchs, zeigten sich die Aktionäre enttäuscht. Die Yahoo-Aktie fiel am Tag nach der Ergebnisbekanntgabe um 16 Prozent. Dabei hatte Semel die Umsatzerwartung für das Jahr 2002 sogar angehoben: Statt eines Erlöses zwischen 750 und 850 Millionen Dollar erwartet das Unternehmen jetzt 870 bis 910 Millionen Dollar - im Boomjahr 2000 waren 1,1 Milliarden Dollar in die Kasse geflossen.

Während sich die Börsianer wegen der Schwäche im Werbemarkt und dem Ungleichgewicht zwischen hoher Marktkapitalisierung (9,4 Milliarden Dollar) und geringem Wachstumstempo sorgen, beobachten die weltweit rund 237 Millionen Web-Surfer bekümmert die Wandlung des Yahoo-Angebots. Bereits Ende 2001 wurde der Strategiewandel erstmals deutlich, als das Portal mit dem Suchmaschinenspezialisten Overture einen Vertrag schloss. Die Technik von Overture erlaubt es, Suchergebnisse so zu sortieren, dass sich Unternehmen gegen Bezahlung weit oben im Ranking listen lassen können. Yahoo weist solche Suchergebnisse in einem gesonderten Feld aus.

Überhaupt ist das Unternehmen - angesichts einer ursprünglich restriktiven Haltung - gegenüber Werbepartnern großzügiger geworden. US-Marketiers freuen sich seit dem 28. März über neue Privacy-Regeln, die es ihnen ermöglichen, Surfer mit Werbebotschaften per E-Mail, Telefon oder Post zu beglücken. Dabei wurden die persönlichen Einstellungen von Inhabern eines E-Mail-Kontos so zurückgestellt, dass sich jeder Benutzer, der nicht ausdrücklich ein Veto einlegt, automatisch bereit erklärt, Werbung zu empfangen. In Deutschland soll es die Weiterleitung an Werbepartner jedoch nach Angaben der Münchner Niederlassung nicht geben.

Für Aufregung in der internationalen Yahoo-Community sorgte auch die Mitteilung, das Unternehmen werde künftig nur noch E-Mails unter Kunden mit Yahoo-Account automatisch und kostenlos weiterleiten. Die Weiterleitung an andere Postfächer schlägt mit 30 Dollar jährlich zu Buche. Allerdings gilt auch diese Regelung nicht für Deutschland: Hier erfolgt die Weiterleitung weiter kostenfrei, wenngleich nun die unaufgeforderte Zusendung von Werbung erduldet werden muss. Yahoo reduziert außerdem Gratisdienste und kassiert kräftig für Online-Spiele oder Kleinanzeigen ab. (hv)