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01.12.2000 - 

Pariser Gericht sperrt US-Site für Franzosen

Yahoo muss seine Surfer filtern

MÜNCHEN (CW) - Zwischen Paris, Texas, und der französischen Hauptstadt liegen Welten - auch im vermeintlich grenzenlosen Internet. Nach einer Gerichtsentscheidung muss das Web-Portal Yahoo künftig verhindern, dass Surfer aus Frankreich auf Web-Auktionen in den USA landen können.

Wo die Freiheit des Internet endet, erfuhren in der vergangenen Woche die Betreiber von Yahoo. Ein französischer Richter verurteilte das Web-Portal, Surfern der Grande Nation den Zugriff auf spezielle Auktionen in den USA zu verbauen. Kern des Prozesses waren Versteigerungen von Nazi-Tinneff, die in Amerika veranstaltet wurden und die in Frankreich verboten sind. Yahoo hatte argumentiert, die französischen Surfer im Web nicht erkennen und damit aussperren zu können. Mit dem Urteil bestätigte der Richter eine eigene Entscheidung vom Mai des Jahres, die zwischenzeitlich ausgesetzt worden war, um den Rat von Experten einzuholen.

Zu den befragten Fachleuten zählten auch der künftige Icann-Chef Vinton Cerf sowie der französische Rechtsexperte Francois Wallon. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass sich zwar nicht alle Surfer bestimmten Ländern zuordnen lassen, aber in rund 90 Prozent der Fälle eine geografische Ortung korrekt ausfallen wird. Erreicht werden soll dies im Fall von Yahoo durch insgesamt drei Filterstufen zur Klassifikation der Nutzer.

Neben einem Keyword-Blocker und einer Maske für geografische Selbstauskünfte der Surfer muss das Web-Portal auch eine Kontrollfunktion für IP-Adressen implementieren. Allerdings gibt es bislang kein einheitliches Verfahren für deren Vergabe. Zwar erteilt die zuständige Behörde Iana (Internet Assigned Numbers Authority) die Adressen inzwischen gemäß der Geo-Räume Amerika, Europa und Pazifik, wodurch sie sich relativ einfach bis auf Länderebene entschlüsseln lassen. Aus der Vergangenheit sind jedoch noch Blöcke belegt, die weltweit fragmentiert vergeben wurden.

Hinzu kommt, dass internationale Internet-Service-Provider wie AOL für rund 24 Millionen Kunden einen Pool von Proxy-Servern und dynamische IP-Adressen nutzen, wodurch sich der Einwahlort des Surfers nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen zurückverfolgen lässt. Das Sicherheitsnetz von Yahoo hätte also weite Maschen, die ausreichend Platz für erneute Prozesse bieten würden. Erst wenn die Version 6 des Internet Protocol(IPv6) in einigen Jahren einsatzbereit wäre, ließen sich diese Lücken schließen. Yahoo hat nun drei Monate Zeit, Auktionen von Hitler-Briefmarken für Franzosen zu sperren. Andernfalls droht dem Unternehmen eine Strafe von 30000 Mark pro Tag, an dem derartige Angebote von Frankreich aus erreichbar sind.

Das Problem des Falles Yahoo liegt in der unterschiedlichen nationalen Rechtsprechung: Während sich das Web-Portal in den USA auf die dortige Sonderstellung der freien Meinungsäußerung berufen kann, stufte der Richter das französische Verbot von Nazi-Emblemen höher ein. Dabei gilt für die französischen Yahoo-Seiten schon länger eine Sperrung von gewaltverherrlichenden und rassistischen Devotionalien. Nach dem Urteil dürften ähnliche Prozesse auf internationale Web-Companies wie Amazon und E-Bay zukommen.