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27.02.2006

Yahoo rüstet sich für Web 2.0

Mit dem Konzept einer "Social Search" will das Unternehmen von Community-Entwicklungen im Web profitieren und die eigene Plattform aufwerten. Doch die Umsetzung wird erst ansatzweise sichtbar.

Die nächste Stufe bei der Informationssuche im Internet heißt Social Search. Dies zumindest propagiert seit einigen Monaten Yahoo. Der Begriff steht für ein Konzept, das Suchfunktionen und Dienste des eigenen Portals mit dem sozialen Umfeld, dem Wissen und den Interessen der Nutzer verschmelzen möchte. Die Relevanz von Inhalten wird dabei nicht mehr allein von Suchalgorithmen und der Verlinkung einer Website bestimmt, sondern durch die Vorlieben und Interessen des Einzelnen. "Die Beurteilung und Priorisierung der Inhalte erfolgt über Bookmarks, Bewertungen der Sites, Kommentare, Blog-Einträge oder Tags", erklärte Bradley Horowitz, Director Media und Desktop Search bei Yahoo, gegenüber der computerwoche.

Kräftig eingekauft

Allein in den letzten zwölf Monaten erwarb Yahoo:

• Flickr (März 2005): beliebte Photo-Community;

• Terespondo (April 2005): Content-Werbedienst in Südamerika;

• Blo.gs (Juni 2005): Dienst zum Erstellen von Blogrolls;

• Konfabulator (Juli 2005): Anwendung für Mac und Windows, um Widgets und Gadgets am Desktop anzuzeigen;

• Whereonearth (Oktober 2005): standortabhängiger Werbedienst;

• Upcoming.org (Oktober 2005): Veranstaltungskalender mit RSS-Feed;

• Delicious (Dezember 2005): beliebter Bookmark-Manager;

• Webjay (Januar 2006): Site zum Streamen und Zusammenstellen von Musik.

Trusted Web

Eine Suchanfrage würde nicht mehr nur das Web, sondern auch das in den Yahoo-Diensten gespeicherte Wissen des Freundes- und Bekanntenkreises des Benutzers durchsuchen, die sich aber zuvor auf der Site anmelden müssen. Dieser auch als "Trusted Web" beworbene Ansatz will somit auch Ergebnisse auf Basis des Wissens von Vertrauten einbeziehen.

Mit der Umsetzung von Social Search hat Yahoo laut Horowitz bereits begonnen. Hierzu wurde in den letzten zwei Jahren zunächst eine moderne Suchmaschine aufgebaut, die auf Technik zugekaufter Firmen wie Altavista, Overture und Inktomi basiert. Im letzten Jahr präsentierte das Unternehmen ferner mit "My Web 1.0" eine personalisierte Suche. Deren nächste Generation, "My Web 2.0", ist im Betatest und soll dem Social-Search-Konzept stärker Rechnung tragen. Sie wird neben der bereits gebotenen "Search History" die Technik "MyRank" in andere Yahoo-Dienste integrieren. Mit ihr entscheiden Yahoo-Nutzer selbst, welche Seiten sie speichern, taggen oder anderen zur Verfügung stellen wollen.

Flickr und Delicious helfen aus

Um die Web-2.0-Vision Wirklichkeit werden zu lassen, erwirbt das Unternehmen seit Monaten innovative Community-Sites wie Flickr, Delicious oder Upcoming.org (siehe Kasten "Kräftig eingekauft"). Während Marktbeobachter hinter diesen Aufkäufen eine klare Strategie vermissen, erklärt Horowitz sie als Ausdruck der Social-Search-Vision. Motive für die Übernahmen sind dabei entweder die Technik und das Know-how der Site-Betreiber oder auch die Hoffnung auf neue Benutzerkreise. Zudem arbeitet Yahoo an Diensten wie "Instant Search", der bei der Sucheingabe bereits Ergebnisse vorschlägt, "Podcast", der nach inhaltlich passenden Audiodateien suchen hilft, der Blogger-Plattform "Yahoo 360°" oder "Yahoo Answers". Mit Letzteren können Nutzer ausformulierte Fragen an andere Yahoo-Anwender stellen, die diese ihrerseits anhand eines Punktesystems bewerten können. Dies soll einen Hinweis auf die Glaubwürdigkeit der Antworten geben. Einen vergleichbaren Ansatz verfolgt beispielsweise auch Lycos mit "Lycos IQ".

Nur noch Yahoo

Trotz dieser Anstrengungen sei Yahoo derzeit noch mehr mit einem Portal mit vielen einzelnen Services vergleichbar als mit der angestrebten Plattform, räumte der Manager ein. Das Problem sei, dass die internen Produktgruppen im Unternehmen nicht genug zusammenarbeiten, um zu einem durchgängigen Auftritt aus Suche und Inhalten zu gelangen. In der Folge verweilen viele Besucher oft nur kurz auf der Site, nutzen nur einzelne Angebote und springen über die Suche zu anderen Websites. Ziel müsse es daher sein, die internen Funktionen und Dienste von Yahoo über eine Oberfläche zu vereinen. Das Angebot müsse dann nicht nur über den Browser, sondern auch über andere Kanäle wie mobile Clients oder Settop-Boxen erreichbar sein.

Eine der Herausforderungen von Social Search wird es sein, autonom organisierte Dienste und Inhalte wie Flickr mit dem Marketing von Yahoo so zu kombinieren, dass Benutzer sich nicht gegängelt fühlen. "Solche Dienste müssen aber organisch wachsen", mahnte Horowitz. Doch ist der Manager überzeugt, dass sich Geschäft und Soziales vereinbaren lassen: "Flickr war auch nicht werbefrei, sondern hatte Anzeigen und bezahlte Abos." Yahoo will zudem Entwicklern eine offene Schnittstelle bieten, um die Infrastruktur um Dienste zu erweitern - ein Konzept, das auch Amazon, Google oder Ebay verfolgen.