Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

15.09.1995

York verlaesst IBM - neue Aufgabe fuer OS/2-Marketier Reiswig Stuehleruecken bei Big Blue nach Ausscheiden des Finanzchefs

MUENCHEN/ARMONK (CW) - Nach einem zweijaehrigen Gastspiel bei der IBM Corp. hat dessen oberster Finanzchef Jerome York Big Blue den Ruecken gekehrt und wechselt zur Tracinda Corp. des Investment- Tycoons Kirk Kerkorian. Mit seiner Kuendigung setzte York beim Computerriesen ein Postenkarussell in Gang.

Nachfolger des Ex-Chrysler-Manns wird Richard Thoman, bislang Top- Mann von IBMs PC-Division. Robert Stephenson wiederum, Chef der Verkaufsorganisation der IBM Nordamerika, wird ab sofort die PC- Geschaefte fuehren und auch fuer Big Blues Drucker- und Consumer- Division verantwortlich zeichnen. Doch nicht nur Big Blue verlor seinen Finanzchef. Auch die Lotus Development Corp., seit dem 5. Juli 1995 Teil des blauen Computerriesen, beklagt den Weggang ihres Chief Financial Officer (CFO).

Edwin Gillis verlaesst das Unternehmen Anfang Oktober 1995 und wechselt zum CAD-Spezialisten Parametric Technologies Inc. Einen Nachfolger hat Lotus-CEO Jim Manzi noch nicht ernannt.

Die Neubesetzung des CFO-Postens bei der IBM ist moeglicherweise mehr als der Austausch eines Kassenwarts. Als York vor zwei Jahren bei der IBM einstieg, duempelte die Big-Blue-Aktie bei 41 Dollar (August 1993), im vergangenen Monat hingegen stand sie bei 114 Dollar. York gilt als ambitionierter, harter Manager, der es versteht, Kosten rigoros zu beschneiden.

Trotz Genesung weitere Entlassungen

Dem gegenueber hatte sein designierter Nachfolger Thoman bislang wenig Gelegenheit, sich als oberster Finanzchef eines Grossunternehmens Meriten zu erwerben. Er stand IBMs PC-Division seit Januar 1994 vor. In dieser Position musste er das Problem loesen, den umsatzstarken Geschaeftsbereich aus den Negativschlagzeilen zu bringen. Zwar stehen die IBM-Mikros fuer rund zehn Milliarden Dollar Umsatz. Dennoch hatte Thoman 1994 vor seinem Chef Lou Gerstner einen Verlust von einer Milliarde Dollar zu vertreten.

Trotzdem gehen Insider davon aus, dass der PC-Chef auch als CFO eine gute Wahl sein koennte. Das "Wall Street Journal" beruft sich auf Thoman nahestehende Quellen, die dem 51jaehrigen den Habitus eines Professors bescheinigen. Sein etwa bedaechtiger, nachdenklicher Fuehrungsstil sei durchaus eine passende Ergaenzung zum knallharten Management des IBM-Chefs Gerstner. Thoman ist zudem ein alter Gerstner-Gefaehrte, der mit IBMs Top-Mann schon bei den drei frueheren Arbeitgebern McKinsey & Co., American Express und RJR Nabisco zusammenarbeitete.

Der neue Finanzchef duerfte sich gleich einer unangenehmen Aufgabe widmen: Obwohl die IBM nach mageren Jahren finanziell wieder genesen ist, gehen Analysten davon aus, dass die Entlassungswelle bei Big Blue noch weitere 10000 Mitarbeiter erfassen wird.

Dieser Einschaetzung stehen zwar wiederholte Aussagen der IBM entgegen, wonach die Massenentlassungen der vergangenen Jahre vorbei seien. Allerdings hat Big Blue sein Ziel, pro Jahr acht Milliarden Dollar an Kosten einzusparen, noch um 1,5 Millarden Dollar verfehlt.

Mehr Stirnrunzeln verursachte in der Branche die Ernennung von Stephenson zum neuen PC-Chef. Analysten bezweifelten, ob er ueber die fuer den PC-Massenmarkt noetigen Kenntnisse und Fertigkeiten verfuegt. Gegen Kontrahenten vom Kaliber eines Eckhard Pfeiffer von Compaq oder Michael Dell von Dell Computer koenne es der seit 34 Jahren in IBM-Diensten stehende Stephenson sehr schwer haben. Insider vermuten deshalb auch, dass es sich bei seiner Ernennung zum PC-Chef lediglich um eine Interimsloesung handelt. Diese Deutung wird von der IBM zurueckgewiesen.

Stephenson koennte von Thomans Vorarbeiten profitieren: Dieser hatte in den etwa 18 Monaten als PC-Chef neun Produktions- und Entwicklungsstaetten auf einen einzigen Standort in Raleigh im US- Bundesstaat North Carolina zusammengeschmolzen. Auch IBMs Inventarprobleme scheint Thoman in den Griff bekommen zu haben. Obwohl Big Blue die Geschaeftsergebnisse einzelner Divisionen nicht veroeffentlicht, gehen Insider davon aus, dass der PC- Geschaeftsbereich im ersten Halbjahr 1995 schwarze Zahlen schreiben koennte.

Und noch ein Schwergewicht aus IBMs Fuehrungsriege bekommt eine neue Arbeitsplatzbeschreibung: Lee Reiswig war General Manager der Personal Software Products (PSP) und soll nun als General Manager Technologiestrategien fuer Big Blues Software Group austuefteln. In dieser Funktion wird er John M. Thompson, Senior Vice-President und Chef der Software Group, beratend zur Seite stehen.

Reiswig hatte sich als oberster PR-Agent fuer IBMs wenig erfolgreiches OS/2-Betriebssystem einen Namen gemacht. An seine Stelle tritt John W. Thompson, der sich bei der IBM bislang um die Beziehungen zu den Software-Entwicklern kuemmerte. Das Marketing fuer die Software-Division soll allerdings nicht Thompson vorantreiben, sondern Gian Carlo Bisone. Ihn hat die IBM von Compaq abgeworben.

Last, but not least zeichnet David Thomas nunmehr als oberster Verkaeufer fuer den Bereich Nordamerika verantwortlich. Er war in gleicher Funktion bislang fuer den asiatisch-pazifischen Raum taetig.