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Bea Systems und IBM kämpfen um die Vorherrschaft


14.12.2001 - 

Zähes Ringen im Application-Server-Markt

MÜNCHEN (sp) - Der Markt für Web-Application-Server ist hart umkämpft. Da mit den reinen Produkten langfristig nicht viel Geld zu verdienen ist, versuchen die Anbieter, sich durch eine erweiterte Funktionalität voneinander abzugrenzen. Vor allem der Trend, die Software als Integrationsplattform für die gesamte Infrastruktur zu positionieren, wird Bewegung in den Markt bringen.

Für die Anbieter von Web-Application-Servern sind die Glanzzeiten - mit jährlichen Wachstumsraten im Lizenzgeschäft von mehr als 48 Prozent - endgültig vorbei. Dennoch rechnen die Analysten von Gartner damit, dass der weltweite Markt bis 2005 um durchschnittlich 27,7 Prozent pro Jahr zunehmen wird. Treibende Kraft sei dabei vor allem die steigende Nachfrage nach CRM-, SCM- und E-Commerce-Anwendungen. Auch die Marktforscher der Giga Group sehen im Application-Server-(AS-)Geschäft noch großes Potenzial. Nach ihren Angaben wurden hier mit Lizenzen und Serviceleistungen im vergangenen Jahr weltweit 1,64 Milliarden Dollar umgesetzt. Im Jahr 2003 sollen es neun Milliarden Dollar sein.

Bea Systems an der SpitzeMarktführer ist nach wie vor Bea Systems. Mit seinem Java-basierten Web-Application-Server "Weblogic" kommt das 1995 von drei ehemaligen Sun-Mitarbeitern gegründete Unternehmen laut Gartner derzeit auf einen Marktanteil von 41 Prozent. Die Nummer zwei ist IBM mit 31 Prozent, gefolgt von der Sun-Tochter Iplanet mit 13 Prozent sowie von HP/Bluestone und Oracle mit jeweils vier Prozent. Microsoft wurde in der Studie nicht berücksichtigt, da sein Application-Server nicht J2EE-kompatibel ist und zudem nicht einzeln vermarktet wird: Die "Active Server Pages" sind im "Internet Information Server" (IIS) enthalten, der wiederum Bestandteil des Betriebssystems ist.

Grundsätzlich können diese Angaben aber nur einen groben Überblick verschaffen, da das Lizenzgeschäft allein kein Gradmesser für die tatsächlich installierte Basis ist. So gibt IBM viele seiner Lizenzen kostenlos ab - der eigentliche Umsatz wird über Services generiert. Auch Pilotprojekte fließen in die Berechnungen der Marktforscher nicht ein.

Fraglich ist nach Ansicht von Experten auch, wie lange Bea seine Marktführerschaft noch behaupten kann. Zu schaffen macht dem Unternehmen vor allem der Branchenzweite, IBM. Big Blue konnte seine Einnahmen aus dem "Websphere"-Geschäft im dritten Quartal um 77 Prozent gegenüber dem vorherigen Quartal erhöhen, während der Umsatz Beas zurückging - wenn auch nur leicht von 224 auf 219,6 Millionen Dollar. Vor allem aber sorgte der hohe Verlust von 90,9 Millionen Dollar für Schlagzeilen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte der Softwarehersteller aus dem kalifornischen San Jose noch einen Gewinn von 8,2 Millionen Dollar ausgewiesen.

Von einem zunehmenden Wettbewerbsdruck will Bea-Mitbegründer und CEO (Chief Executive Officer) Alfred Chuang jedoch nichts wissen. Auch bei den großen Abschlüssen im dritten Quartal habe man "IBM nicht als hinderlich wahrgenommen". Chuang führt das schlechte Ergebnis einzig und allein auf die "makroökonomischen Rahmenbedingungen" zurück: Dadurch seien die Kunden vorsichtiger und investierten langsamer. Das Geschäft in Europa sei jedoch stabil, und in Asien verzeichne Bea sogar Zuwächse.

Tatsächlich verfügte Bea bereits 1998, als Rivale IBM seine Websphere-Produktlinie auf den Markt brachte, über eine stattliche Kundenbasis. Auch beim Funktionsumfang konnte die IBM-Software anfangs nicht mit Weblogic mithalten. Und noch immer halten viele Anwenderunternehmen Bea für überlegen - speziell in Bezug auf Stabilität, Transaktionsverarbeitung und die Integration der Komponenten. Anwendern zufolge bietet das Unternehmen zudem den besseren Support und unterstützt mehr Datenbanken als sein Erzrivale IBM, der hier in erster Linie auf hauseigene Produkte setzt.

In einer Umfrage der Meta Group erklärten 37 Prozent der befragten 200 Firmen Weblogic zum besten Application-Server für unternehmenskritische E-Business-Anwendungen, während 22 Prozent der IBM-Plattform Websphere den Vorzug gaben. Beim Einsatz von Servern, deren Anwendungen die Objektbibliothek Enterprise Javabeans nutzen, stand Bea mit 52 Prozent in der Gunst der Befragten noch höher. IBM kam hier nur auf 14 Prozent.

Auch nach den Worten von Anita Liess, Consultant bei der Meta Group, ist Bea seinem Erzrivalen IBM "derzeit hinsichtlich der Systemstabilität eine Nasenlänge voraus". Es zeichne sich jedoch ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab: "IBM und Bea werden das Rennen langfristig machen, und die anderen Anbieter können sich - wenn überhaupt - lediglich in Nischenmärkten behaupten."

Ob Bea seine Marktführerschaft dauerhaft gegenüber IBM verteidigen kann, und wie sich die anderen Player in Zukunft aufstellen, dürfte aber neben der technischen Kompetenz in zunehmendem Maße davon abhängen, inwieweit die Hersteller ihre Application-Server als Infrastruktur-Add-on positionieren beziehungsweise in ihre Entwicklungsumgebung integrieren. Denn nachdem inzwischen fast alle Application-Server kompatibel zum Standard Java Enterpise Edition (J2EE) sind und sich auch in ihrem Funktionsumfang einander angeglichen haben, sind sie mehr oder weniger austauschbar geworden.

Der reine App-Server reicht auf Dauer nichtLaut Ulrich Beutenmüller, Senior Manager bei der Unternehmensberatung Cap Gemini Ernst & Young, lässt sich daher mit einem reinen Application-Server auf lange Sicht kein Geld mehr verdienen. Ähnlich sieht das Thomas Murphy, Program Director bei der Meta Group: Die Funktionalität werde sich von Application-Servern schon bald über die reine E-Business-Plattform hinaus auf die gesamte IT-Umgebung erstrecken. "Alle Hersteller werden daher versuchen, sich durch erweiterte Funktionen zu differenzieren."

Neben neuen E-Business-Anwendungen gewinnen vor allem die Unterstützung von Komponentenarchitekturen, Multichannel-Infrastrukturen und das dynamische Management von Geschäftsprozessen an Bedeutung. Vor allem aber zu Integrationszwecken werden Application-Server in immer größerem Maße genutzt. Da sich der Schwerpunkt der Unternehmens-IT angesichts der wachsenden Komplexität der Projekte zunehmend in Richtung Anwendungsintegration verlagert, kann es sich laut Gartner auf lange Sicht kein AS-Hersteller mehr leisten, auf entsprechende Lösungen zu verzichten. Die Anbieter setzen daher auf Enterprise Application Integration (EAI), um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Allerdings sind nach Einschätzung der Gartner-Experten nur eine Handvoll Anbieter in der Lage, diese hochkomplexen und schwierigen Aufgaben zu bewältigen. 75 Prozent der Unternehmen, die zwischen 2001 und 2005 in den Application-Server-Markt einsteigen, werden jeweils nicht mehr als ein Prozent Anteil an dem ohnehin weitgehend gesättigten Markt gewinnen, so die Prognose. Gute Chancen hätten nur große Hersteller, die sich bereits einen großen Kundenkreis aufgebaut haben und ein breites Produkt- und Serviceportfolio anbieten können.

Bea scheint hier grundsätzlich gut positioniert zu sein. Nach der Übernahme von Crossgain will das Unternehmen jetzt außerdem in großem Stil in den Java-Entwicklungsmarkt einsteigen. Ein vergangene Woche unter dem Codenamen "Cajun" vorgestelltes Framework wird laut Firmenmitbegründer und Chefstratege Bill Coleman die Entwicklung Java- und EJB-basierter (EJB = Enterprise Javabeans) Anwendungen für Web-Services deutlich vereinfachen und Java erstmals zum Massenprodukt machen.

Bea setzt voll auf JavaNach dem Vorbild von Microsofts "Visual Studio" sollen auch weniger versierte Entwickler per Drag and Drop mit der Sun-Technik arbeiten können. Darüber hinaus will Bea das Serviceangebot ausbauen. Einen Schritt in diese Richtung stellt die ebenfalls vergangene Woche angekündigte Allianz mit der Beratungsfirma Andersen Consulting dar.

Doch der Vorstoß kommt recht spät. "Sobald sich mit der Plattform selbst kein Geld mehr verdienen lässt, wird es für Bea im AS-Markt schwerer werden", glaubt Cap-Gemini-Mann Beutenmüller. Denn bei der Entwicklung in neue Bereiche - etwa in Richtung E-Business-Services - seien andere Anbieter weiter. Beutenmüller ist daher überzeugt davon, dass IBM als Generalist Bea "über kurz oder lang vom ersten Platz verdrängen" wird.

Abgesehen davon, dass IBM in der Lage ist, seine Websphere-Plattform zusammen mit darauf abgestimmter Hardware und Services anzubieten, sind die Armonker auch einen Schritt weiter, was Zusatzkomponenten wie Webservices und Entwickler-Tools betrifft. Im Mittelpunkt der IBM-Strategie steht daher auch nicht die alleinige Vermarktung des Application-Servers, sondern der Verkauf von Anwendungen und Zusatz-Tools sowie Serviceleistungen.

App-Server plus BetriebssystemDie Nummer drei im AS-Server-Markt, die Sun-Tochter Iplanet, hatte bislang wenig Perspektiven, ihren Marktanteil weiter auszubauen. "Sun hat viel gekauft und muss das jetzt erst einmal unter einem Dach vereinen", so der Berater. Die neue Strategie, den Iplanet-Application-Server mit Solaris im Bundle anzubieten, hält Beutenmüller für eine "hervorragende Idee" - nicht nur um die Hardwareumsätze anzukurbeln, sondern auch, weil es sich bei diesem Schritt um eine Erweiterung der Infrastruktur handle. "Man sagt dem Kunden: Das hast du eh schon, benutze es einfach!" Der Application-Server sei im Prinzip nur die Basis, um zum Beispiel Services verkaufen zu können.

Auch Hewlett-Packard (HP) versucht, seine Hardwareplattform durch Web-fähige Applikationsumgebungen gegen die Konkurrenz zu rüsten. Durch den Kauf der Software-Company Bluestone, die einen eigenen Applikations-Server entwickelt hat, kann HP seine Unix-Maschinen jetzt mit einer J2EE-Umgebung anbieten. Seinen "Application Server 8.0" stellt HP kostenlos zur Verfügung. Der Umsatz soll über Zusatzprodukte und Service generiert werden.

Oracle ist durch seinen Namen und seine Consulting-Aktivitäten gut positioniert. Nach Ansicht von Beutenmüller hat der Datenbankriese aber in letzter Zeit bei der Java-Architektur der AS-Plattform zu oft gewechselt. Zudem verfüge er nicht über einen eigenen AS, sondern nutze das J-Serv-Produkt von Apache, was im Hinblick auf die Integration problematisch sein könne. Mit dem "9i Application Server" (9iAS) soll das anders werden. Neben verbesserter Integrations- und Java-Leistung unterstützt die neue Plattform, die erstmals nicht als Datenbankfunktionalität, sondern als eigenes Produkt vermarktet wird, Standards wie Soap (Simple Object Access Protocol), WSDL (Web Services Description Language) und XML.

Oracle hofft, den Umsatz mit seinem neuen AS im kommenden Jahr mehr als zu verdoppeln und vor allem Bea Kunden wegzunehmen. Marketing-Manager Chris Ward sprach gegenüber dem Brancheninformationsdienst "Computerwire" sogar bereits hochtrabend von einem "Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen IBM und Oracle".

Es bleibt also spannend im Kampf zwischen Bea, IBM & Co.: Mit den künftigen Anforderungen an Web-Application-Server werden die Karten neu gemischt. Denn richtig lukrativ wird das Geschäft erst, wenn die Hersteller ihre Produkte zu umfassenden Integrationsplattformen ausgebaut haben.

Abb: Der weltweite Markt für Application Server

Im Markt für Web-basierte Application-Server zeichnet sich in Zukunft ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Bea Systems und IBM ab. Quelle: Gartner Dataquest