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30.04.1999 - 

Open-Source-Gedankenspiel ist kaum ernstzunehmen

Zaghafte Annäherung der Parteien im Microsoft-Prozeß

MÜNCHEN (CW) - Microsofts Chefjurist Bill Neukom hat in einem Gespräch mit der "Seattle Times" betont, sein Unternehmen sei im laufenden Kartellverfahren an einem Vergleich interessiert. Allerdings ließ der Senior Vice-President keinen Zweifel daran, daß "radikale Lösungen" nicht akzeptiert würden.

Solange Microsoft die Freiheit behalte, seine Produkte zu verbessern, sei man zu einer gütlichen Einigung bereit, erklärte Neukom. "Eine Menge von Einzelpunkten könnten im Rahmen einer Schlichtung aus der Welt geschaffen werden", so der Justitiar. Solange Microsofts "Recht auf Innovation" nicht beeinträchtigt werde, sei das Unternehmen kompromißbereit. Nicht akzeptabel sei jedoch eine Lösung, die auf Kosten der Firmenstruktur gehe.

Zwar wollte Neukom im Interview nichts sagen, was Richter Thomas Jackson verärgern könnte, doch wurde deutlich, daß Microsoft eine Zerschlagung des Konzerns in keinem Fall ohne Gegenwehr hinnehmen würde.

Der Antitrust-Prozeß, den das US-Justizministerium gemeinsam mit 19 US-Bundesstaaten führt, begann im Oktober vergangenen Jahres. Derzeit liegen die Verhandlungen noch bis zum 10. Mai auf Eis - Jackson mußte einen dringlicheren Fall vorziehen. Der Richter hatte die Parteien aufgerufen, während der Prozeßpause zu prüfen, ob eine einvernehmliche Lösung möglich sei.

Microsoft hatte kurz darauf mit dem Angebot reagiert, keine Exklusivverträge mit PC-Herstellern mehr abzuschließen und der Industrie zu erlauben, geringfügige Veränderungen in den Eingangsfenstern der verschiedenen Windows-Varianten vorzunehmen. Wenig später reagierten die Kläger mit der deutlich weiter gehenden Forderung, Microsoft solle an Industrieunternehmen Zugriffsrechte auf den Windows-Quellcode versteigern.

Schienen die beiden Standpunkte bisher völlig unvereinbar, so überraschte Microsofts President Steve Ballmer kürzlich mit der öffentlich vorgetragenen Überlegung, den Quellcode von Teilen des Windows-2000-Kernels als Open Source öffentlich zu machen. Auf diese Weise könnten Hardwaredesigner bequemer entwickeln als bisher. Allerdings betonte ein Sprecher des Unternehmens kurz darauf, Ballmer habe nicht offiziell für das Unternehmen gesprochen. Wörtlich hatte der Microsoft-President gesagt: "Wir prüfen, wie unsere Kunden über eine Verfügbarkeit des Sourcecodes denken. Wenn wir ein klares Bild haben und wissen, welche Konsequenzen für uns entstünden, werden wir es die Öffentlichkeit wissen lassen."

In Analystenkreisen überwiegt allerdings die Skepsis darüber, daß Microsoft sich wirklich öffnen wird. Ein Großteil der Marktbeobachter meint, das Geschäftsmodell des Softwaregiganten hänge maßgeblich von der Fähigkeit ab, sein geistiges Eigentum zu schützen. Es stehe dem Open-Source-Gedanken diametral entgegen. Der Konzern werde deshalb allenfalls in einer Goodwill-Demonstration Bruchteile der rund 30 Millionen Codezeilen von Windows 2000 öffentlich machen.