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08.01.1988 - 

IDC-Untersuchung konstatiert Technik-Defizite im Bürobereich:

Zahl der BK-Anbieter geht weiter zurück

ESCHBORN (CW) - Zwei Drittel des Nachfragepotentials bei Bürokommunikations-Lösungen werden nach einer jüngst veröffentlichten IDC-Untersuchung von Dienstleistungen, freien Berufen und dem Handel gestellt. Des weiteren kommt die Erhebung zu dem Ergebnis, daß langfristig nur eine Handvoll Anbieter echte Chancen auf dem Milliardenmarkt Office Automation haben wird und die Technikdurchdringung im Bürobereich insgesamt noch sehr gering ist.

Unter dem Sammelbegriff "Bürokommunikation" werden derzeit in der Bundesrepublik von rund 50 Herstellern und Vertriebsorganisationen eine Vielzahl von Hard- und Softwareprodukten angeboten. Von diesen insgesamt etwa 50 BK-Anbietern erreichen nach Aussagen des IDC-Infodienstes "Softwaremarkt" allerdings lediglich zehn bis zwölf ein Absatzvolumen, das marktmäßig relevant ist.

Derzeit sind eindeutige Tendenzen in Richtung Oligopole zu beobachten. Bis 1995 dürfte die Anzahl der Anbieter weiter schrumpfen. Auf die Dauer haben laut IDC fünf bis sieben Unternehmen echte Marktchancen. Die übrigen würden sich entweder aus dem Marktsegment zurückziehen oder ein sehr spezielles Nischenmarketing betreiben müssen. Die wichtigsten Wettbewerber am Markt für integrierte Burokommunikations-Systeme sind nach Untersuchungsergebnissen Bull, Data General, Digital Equipment (DEC), Hewlett-Packard, IBM, NCR, Nixdorf, Siemens, Unisys und Wang. Die Erfolgsaussichten der aufgeführten Anbieter differierten erheblich, ebenso die Strategien, mit denen sich die Unternehmen in diesem Markt behaupten wollten.

Die Wettbewerbsstrategien im Hinblick auf die Mobilisierung von Erfolgspotentialen ließen sich wie folgt beschreiben: Standardisierung versus Individualisierung, räumliche und zeitliche Marktpräsenz. Technologische "Marktführer" engagierten sich bereits in der Einführungsphase, technologische "Folger" böten ihre Produkte erst in der Wachstums- und Reifephase an. Als ein gutes Beispiel für die Untermauerung der ersten These wird in der Studie Hewlett-Packard angeführt, ein Beispiel für die zweite Strategie sei IBM. DEC zeichne sich ebenso wie HP durch eine First-to-Market-Haltung aus, lege jedoch einen zusätzlichen Schwerpunkt auf den Bereich Application-Engineering. Die Kombination aus Application-Engineering und Market-Segmentation wie bei HP sei im übrigen auch die klassische Nixdorf-Strategie im BK-Markt.

Electronic Mail keine relevante Bezugsgröße

Das Funktions- und Leistungsspektrum der angebotenen BK-Produkte ist derart unterschiedlich, daß eine einheitliche Klassifizierung sich als schwierig erweist. Es herrscht - so das Eschborner Marktforschungsinstitut - teilweise nicht einmal Einigkeit darüber, welche Produkte überhaupt der Bürokommunikation zuzurechnen sind. Bei den Marktanteilen müsse man insbesondere berücksichtigen, daß die Installationsbasis von Text- und/oder Electronic-Mail-Software als Bezugsgröße nicht aussagekräftig ist. Auch lasse die Anzahl der installierten Bildschirmarbeitsplätze keinen eindeutigen Rückschluß auf die Zahl der BK-Nutzer zu. Der Umfang und die Intensität der Benutzung von installierten Systemen hingen sowohl von der Anwendung selbst als auch vom organisatorischen Umfeld ab. Somit habe eine einfache Hochrechnung keinen Wert.

Die Anzahl der Lizenzen bilde ebenfalls nur eine bedingt geeignete Vergleichsbasis, da sie von den Herstellern sehr unterschiedlich gehandhabt würde.

Klare Aussagen sind hingegen im Hinblick auf den Bedarf an Bürokommunikations-Lösungen in den einzelnen Wirtschaftzweigen möglich. Danach ist das Nachfragepotential der Dienstleistungen und freien Berufe mit 36 Prozent am höchsten. Es folgen der Handel mit gut 30, das verarbeitende Gewerbe mit gut 15 und das Baugewerbe mit 10 Prozent. Die übrigen Sparten sind praktisch bedeutungslos.

Da sich die BK-Anbieter zum Teil auf Nischen wie zum Beispiel Banken und Versicherungen konzentrieren, ergibt sich aus Unternehmenssicht allerdings eine von den genannten Zahlen abweichende Perspektive.

Neben Wirtschaftszweigen und Umsatzgrößenklassen - hier entfällt mit 41,42 Prozent der Barenanteil auf Betriebe mit Umsätzen zwischen 100 000 und 500 000 Mark - kommen als weitere Kriterien für die Nachfrage beziehungsweise das Marktpotential die Beschäftigtenzahl, die Anzahl der Informationsverarbeiter und die bereits realisierte Installationsbasis in Betracht, wobei den Angaben von IDC zufolge zu unterscheiden ist zwischen dummen Terminals, intelligenten Terminals, Workstations und Personal Computern.

Die Marketing-Strategien der BK-Anbieter orientieren sich an Hardware (Großrechnerkonfigurationen, Minicomputerkonfigurationen, PC-Netzwerk-Konfigurationen), Software (dedizierte BK-Software, BK als Zusatzfunktionalität bei Text- und Electronic-Mail-Paketen), und Beratung (Bürokommunikation als Komponente eines strategischen Managements und Bürokommunikation als Instrument der Nutzungsoptimierung beim Anwender).

Auch der Anwendungsdruck ist für die Marketing-Strategien der Hersteller von Bedeutung. Es handelt sich hierbei um finanzielle, technische und/oder organisatorische "Umweltbedingungen", die potentielle BK-Anbieter zu Investitionen in produktive Informations-Infrastrukturen "zwingen", wenn sie weiterhin in ihren eigenen Marktsegmenten erfolgreich bleiben beziehungsweise verlorengegangene Potentiale zurückgewinnen wollen.

Hilfsmittel wie vor zehn Jahren

In der gesamten Wirtschaft gibt es kaum Arbeitsplätze, in die bisher so wenig investiert wurde wie in jene des klassischen Bürobereichs. Für die Erledigung der täglich anfallenden Routinearbeiten verfügen die meisten Sekretariatskräfte und Sachbearbeiter über Hilfsmittel, die auch schon vor fünf oder zehn Jahren an ihren Arbeitsplätzen zu finden waren: Bleistift und Papier, Schreibmaschine, Telefon, Diktiergerät, Ein- und Ausgangskorb für die Post und einen Schrank für die Ablagen. Dabei kommt selbst trivialen Bürofunktionen auch in hochtechnologisierten Produktionsprozessen eine wesentliche Bedeutung zu. Für die Gesamteffizienz eines Unternehmens ist es daher höchst unbefriedigend, daß die Produktivitätssteigerung im Büro- und Verwaltungsbereich sehr weit hinter jener zurückgeblieben ist, die in den verschiedensten Fertigungssparten im Laufe der Zeit erzielt werden konnte. Das isolierte Nebeneinander der unterschiedlichen Bürotechniken ist verbunden mit einem erheblichen Maß an Zeit-, Informations- und Aktualitätsverlust und führt daher zu einer kontraproduktiven Arbeitsumgebung.