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CW-Übersicht über Computer-Einsatz im Gesundheitswesen


23.05.1975 - 

Zehn Einsatzgebiete in der Medizin

MÜNCHEN - Vor fünfzig Jahren kannte man 5000 Krankheiten, heute sind es 30 000 und bis zum Ende dieses Jahrhunderts werden es schätzungsweise 60 000 sein. Der medizinische Fortschritt führt dazu, daß sich die Zahl der Laboruntersuchungen in einem Jahr und das medizinische Wissen innerhalb von fünf Jahren verdoppeln. Ohne Datenverarbeitung geht es dabei schon heute nicht mehr - und im Jahr 2000 wird das Bildschirmgerät wahrscheinlich einer der wichtigsten Einrichtungsgegenstände in einer Arztpraxis sein.

"Am schwierigsten ist es, eindeutige Krankheitsbezeichnungen für bestimmte Symptomkomplexe festzusetzen" sagte Prof. Lange bei einer Fortbildungsveranstaltung in München. "Es besteht fast keine Möglichkeit, mit einem einheitlichen Schema eine feststehende Nomenclatur zu schaffen."

Nach Lange, der seit 1969 das Institut für medizinische Datenverarbeitung (IMD) der Gesellschaft für Strahlen und Umweltforschung leitet, gibt es derzeit zehn Einsatzschwerpunkte der EDV in der Medizin:

Verwaltung

Krankenhausabrechnung (forciert durch die Selbstkostenberechnung nach der neuen Bundespflegesatz-Verordnung), sowie die Abrechnung mit Krankenkassen und kassenärztlichen Vereinigungen, die alle schon EDV einsetzen.

Dokumentation

Jährlich entstehen in der Bundesrepublik etwa zehn Millionen Krankenberichte. Inzwischen gibt es ein standardisiertes Krankenblatt zur Erfassung der Basis-Daten für eine medizinische Datenbank. In dieser Datenbank sind nicht nur alle Angaben über einen Patienten verfügbar - sie ermöglicht auch statistische Auswertungen oder das Abgleichen von Diagnosen.

Die Berichtschreibung selbst kann durch ein IMD-System vereinfacht werden: bei der Diagnose oder Röntgenaufnahme kreuzt der Arzt an einer Art Entscheidungsbaum im Dialogbetrieb immer nur an, was er dokumentiert haben möchte. Der Bericht wird in einer besonders aussagekräftigen Form automatisch geschrieben.

Diagnostik

Man kann schon wegen des Problems der Namensgebung nicht einfach alle Symptome und Krankheiten speichern, zumal es Abgrenzungsschwierigkeiten bei ähnlichen Symptomen gibt. Subtionsfähig ist jedoch ein iteratives Verfahren: Der Arzt gibt zunächst charakteristische Symptome - an der Computer nennt im Dialog möglicherweise in Frage kommende Krankheiten sowie Therapievorschläge. Aufgrund bestimmter Therapie-Erfolge läßt sich die Krankheit dann weiter eingrenzen. Die Trefferrate bei dieser Computeranwendung ist mit 93 Prozent deutlich höher als die des spezialisierten Mediziners allein - er bringt es nämlich im Durchschnitt nur auf 84 Prozent.

EKG-Analysen

Maschinelles Auswerten der Elektrokardiogramme nimmt dem Arzt Arbeit ab und ermöglicht zum Teil eine Verfeinerung der Analyse.

EEG-Analyse

Die Vielfalt der Informationen, die ein Elektro-Enzephalogramm enthält, läßt sich visuell nich auswerten. Durch Übernahme eines Zeichenerkennungs-Verfahrens aus der Luftbildanalyse sollen hier Verbesserungen durch Computereinsatz erreicht werden.

Labor

Prozeßrechner sind aus dem klinischen Labor nicht mehr wegzudenken. Analyse, Proben-Verfolgung, Kontrole und Registratur sind inzwischen Standardjobs der medizinischen DV.

Nuclearmedizin

Stoffwechsel und ähnliche Abläufe im Körper sowie Funktionsstörungen lassen sich erkennen, indem dem Patienten radioaktive Mittel eingegeben und der Weg der Partikel verfolgt werden. Bei der Auswertung müssen "Ausreißer" durch Mittelwertbildung unterdrückt werden - eine Rechenarbeit, die von Hand und Kopf gar nicht mehr zu bewältigen wäre.

Patientenüberwachung

Bei Schwerkranken auf Intensivstationen oder während einer Operation müssen viele biophysikalischen Größen in gegenseitiger Abhängigkeit überwacht werden. Das ist nach heutigen Ansprüchen nur noch mittels EDV optimal möglich.

Medikamenten-/Diäten-Überwachung

Bei mehreren hundert Patienten in einer Klinik muß man sehr genau Buch führen, welcher Patient welche Medizin und oder welche Diät zu bekommen hat. Neben der Überwachung bewältigt der Computer auch die Steuerung von Zuteilungssystemen.

Ausbildung

Im Lauf der Zeit wird das medizinische Wissen in Form von Lehrprogrammen verfügbar sein. Dann wäre eine Intensivausbildung an Bildschirmen möglich. Dazu kommt der Einsatz von Simulationsmodellen, um beispielsweise die Diagnose von Herzklappenfehlern zu üben.

Epidemiologie und Vorsorgemedizin

Die Gesundheitsämter möchten gern über das Auftreten bestimmter Krankheiten - sei es nun eine Grippewelle oder eine bestimmte Geschlechtskrankheit - besser informiert sein. EDV-Auswertungen medizinischer Datenbestände nach regionalen Gesichtspunkten bringen hier beträchtliche Fortschritte .

Fazit: Mag sich die Mehrzahl der Ärzte auch noch sträuben, der EDV-Einsatz in der Medizin ist nicht aufzuhalten.