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24.01.1992 - 

Standardsoftware ist nie ein wirklicher Wettbewerbsvorteil

Zehn gute Gründe, seinem Mainframe treu zu bleiben

Es wird viel darüber geredet, Anwendungen vom Mainframe auf kleinere Plattformen herunterzuziehen. Zugleich. aber gibt es eine ganze Menge eingefleischter Mainframe-Fans - vielleicht sogar die Mehrheit des DV-Personals. In einer kürzlich in den USA durchgeführten Umfrage bei 163 Mainframe-Benutzern meinten 84 Prozent, das Anwendungs-Downsizing habe ihren Mainframe-Bedarf in keiner Weise geschmälert, während nur 15 Prozent sich gegenteilig äußerten.

Nach dem Zetermordio der Industrie zu urteilen, ist die zentrale Datenverarbeitung - mit einem Mainframe als Kernstück - tot.

Auf unser Unternehmen, einen landesweit etablierten Elektro-Großhandel mit 500 Millionen Dollar Umsatz, trifft dies absolut nicht zu. Für uns ist ein Mainframe die einzige Plattform, der wir zutrauen, nahezu alle unsere kritischen Anwendungen zu fahren.

Tatsächlich kann ich mindestens zehn Gründe aufzählen, warum wir uns absolut und definitiv mit nichts anderem zufriedengeben würden.

1. Wir haben ein gewaltiges Transaktionsvolumen zu bewältigen.

Die Behauptung, unsere Branche sei Computer-intensiv, ist eine abenteuerliche Untertreibung. Unsere Unisys A17 bietet Online-Verarbeitung für 100 Prozent unserer Verkaufstransaktionen - im Durchschnitt 20 000 pro Stunde beziehungsweise sechs pro Sekunde - sowie für unsere Materialwirtschaft, Außenstände, Verbindlichkeiten, Lohn- und Gehaltslisten und E-Mail.

Bei einer verteilten Umgebung mit PCs und Workstations wären die Kosten für ein entsprechendes Angebot an CPU-Power, Haupt- und Plattenspeicher untragbar.

2. Wir möchten den Benutzer nicht mit System-Angelegenheiten behelligen.

Wir haben 1350 Terminals an 108 Lagerstandorten in 20 amerikanischen Bundesstaaten stehen. Dies bedeutet, daß etwa drei von vier unserer 1800 Angestellten auf den Mainframe zugreifen.

Da jedes Terminal alle vier Minuten eine Transaktion übermittelt, haben diese Benutzer ganz offensichtlich keine Zeit, sich mit den Verwaltungsangelegenheiten des Systems zu befassen, die noch bei der kleinsten verteilten Einheit anfallen würden.

3. Der Mainframe hält unsere IS-Kosten niedrig.

Eine unlängst von Arthur Andersen & Co. durchgeführte Untersuchung ergab, daß ein IS im Vertriebssektor zirka 2, 5 Prozent und mehr des Bruttoumsatzes erfordert.

Uns kostet die IS-Funktion derzeit ein Prozent unserer Umsatzerlöse - ein starker Beweis für die Leistungsfähigkeit unseres Mainframe.

4. Wir müssen die Aktualität, Sicherheit und Zugänglichkeit der Daten gewährleisten.

Weil es eine einzige Datenanlage bietet, konsolidiert und schützt ein Host-System die Daten, gewährleistet ihre ordentliche Aktualisierung und macht sie für autorisierte Benutzer leicht zugänglich.

Um die gleiche Datenintegrität und -zugänglichkeit in einer verteilten Umgebung zu erreichen, brauchten wir komplexe und kostspielige Software sowie Kommunikationseinrichtungen.

5. Wir wollen, daß wir höherqualifizierte IS-Mitarbeiter ansprechen.

Mainframe-Umgebungen ziehen durchweg sehr engagierte IS-Profis an, also karrierebewußte Manager, Analytiker, Programmierer und Operateure, die fähig sind, äußerst produktive und praxisbezogene, auf die Lösung spezifischen betriebIicher Belange zugeschnittene Systeme zu liefern. Diese Leute sind zunächst einmal Mitarbeiter des Unternehmens und erst an zweiter Stelle IS-Techniker.

6. Der Mainframe hilft uns, mit dem Anwendungsbedarf der Benutzer Schritt zu halten.

Seit langem werden zentrale Host-Umgebungen wegen des Anwendungsstaus heftig kritisiert. Auch wir haben das in der Vergangenheit so gesehen, doch mit der Entwicklung hin zu Hostbasierten CASE-Tools und Programmiersprachen der vierten Generation (4GL) verliert dieser Punkt für uns schnell an Bedeutung.

7. Die Entwicklung von Individualprogrammen ist auf dem Mainframe einfacher.

Angesichts des Wettbewerbs in unserer Branche können wir uns nicht auf dieselben "konfektionierten Verfahren" beschränken, die auch unsere Konkurrenz einsetzt.

Ein Beispiel dafür ist unser "Vorzugskunden-Prämienprogramm", das - etwa wie ein "Frequent-Flyer-Program" dem Kunden die Möglichkeit gibt, über einen gewissen Zeitraum Punkte anzusammeln und sich so diverse Prämien zu verdienen.

Es gab keine Standardsoftware, die diese Anwendung unterstützt hätte, und wir konnten auch nicht bis zu ihrer Entwicklung durch ein unabhängiges Softwarehaus warten. Mit unseren eigenen fähigen Programmierern konnten wir eine gute Idee unserer Marketing-Abteilung implementieren und an der Konkurrenz vorbeiziehen.

In einer verteilten DV-Umgebung mit PCs und Workstations ist die Versuchung sehr groß, sich mit Software von der Stange zu begnügen. Die aber wird eventuell einigen der vordringlichsten betrieblichen Erfordernisse nicht wirklich gerecht. Außerdem ist die Generierung einzigartiger, kundenspezifischer Anwendungen nicht so ohne weiteres möglich.

8. Wir möchten unsere Systeminvestitionen schützen und effizient nutzen.

Unsere IS-Abteilung stieg mit ihrem ersten Mainframe 1983 ins Geschäft ein, und seither haben wir einen ganzen Berg von Anwendungsprogrammen entwickelt. Würden wir jetzt zu einer verteilten Systemarchitektur übergehen, müßten wir einen Großteil dieses Codes neu schreiben oder wegwerfen.

Durch Reverse Engineering bleiben die Anwendungsinvestitionen in unsere Host-Umgebung erhalten. Es ist eine relativ einfache Sache, unsere 3GL-Anwendungsprogramme durch einen Maschinenfilter laufen zu lassen, der sie für die Migration in eine 4GL-Umgebung aufbereitet.

Wir sind ebenso in der Lage, neue Technologien in die bestehende Host-basierte Umgebung zu integrieren. Derzeit etwa beschäftigen wir uns mit Sprachverarbeitungsprogrammen sowie mit einem Document Image Management System.

9. Bei Aufwärtsmigrationen ist uns Unterstützung durch den Lieferanten sicher.

Mainframe-Anbieter haben gemeinhin einen ausgezeichneten Ruf, was die Hilfe bei der Portierung von Anwendungen auf neue Hardwareplattformen angeht.

Der Grund dafür ist einleuchtend: Beim Verkauf eines Systems für mehrere Millionen Dollar kann es sich ein Mainframe-Anbieter erlauben, Geld in die Konvertierungsprozesse und in den technischen Support zu stecken, was wiederum seinen Kunden ermöglicht, den Übergang zu vollziehen.

Demgegenüber sind die Verkäufer von billigen Schreibtischsystemen und -anwendungen wohl eher geneigt, die aus der Migration erwachsenden Belastungen auf den Benutzer abzuwälzen.

10. Wir haben großen Einfluß auf unseren Systemlieferanten.

Als Benutzer von Großsystemen haben wir definitiv mehr Einfluß auf unseren Lieferanten als die meisten Benutzer von PCs und verteilten Systemen. Wir können leichter die erforderlichen Veränderungen bewirken und bekommen besseren Support. Nur wenige Lieferanten von verteilten Systemen können es sich leisten, radikale Änderungen durchzufahren, nur weil ein einzelner Kunde dies wünscht.

Obwohl wir uns weiterhin auf Prozesse einstellen, bei denen verteilte Einheiten die beste Gesamtlösung für unsere wesentlichen Bedürfnisse bieten, wird unser Mainframe doch niemals sterben.