Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

16.12.1998 - 

AS/400-Anwender warten auf San Francisco

Zehn Jahre und (k)ein bißchen greise

GÖTTINGEN (bs) - Anwender schätzen auch im Jahr des zehnten Geburtstags vor allem die Stabilität und Ausfallsicherheit ihrer AS/400-Systeme. Ihnen fehlt es jedoch an modernen Standardanwendungen, Entwicklungswerkzeugen und plattformübergreifenden Konzepten.

Daß AS/400-Anwender eine eingeschworene Gemeinde sind, zeigte sich auch auf der zehnten Jahreskonferenz der Common Deutschland e.V. Die User-Vereinigung hatte Ende November über 350 Mitglieder in das winterliche Göttingen gelockt. Neben dem altbekannten Lob für den Evergreen wie Ausfallsicherheit, einfache Bedienbarkeit und Wartung ließen viele Anwender auf der obligatorischen Common-Diskussionsrunde am ersten Konferenztag richtig Dampf ab: Es fehle an modernen Anwendungen, bei der Nachwuchsförderung halte sich IBM dezent zurück, und in puncto Einbindung von AS/400-Anwendungen in eine DV-Gesamtstrategie sei noch kein Licht am Ende des Tunnels in Sicht, tönte es aus dem Auditorium den IBM-Managern entgegen.

Dabei legten die Armonker gute Zahlen für das AS/400-Segment vor: So wurden in den vergangenen Monaten rund 20 Prozent mehr Kisten als in den Vergleichs-zeiträumen des Vorjahres verkauft. Der Preisverfall bei der Hardware ließ immerhin noch einen Umsatzzuwachs von mehr als zehn Prozent zu. Das allerdings interessierte die in Göttingen versammelten Anwender herzlich wenig: "An jeder Universität oder Hochschule arbeiten Leute heute mit Unix- oder Windows-Rechnern. Aber eine AS/400 an einer Uni sucht man bisher wie die Nadel im Heuhaufen", lautete der Vorwurf eines Diskutanten. Unter schallendem Gelächter nannten die IBM-Manager dann auch gerademal zwei Standorte: In den Hochschulen von Göttingen und Mannheim sollen Big Blues Systeme laufen. Die Rechner, die dort aufgestellt wurden, seien jedoch so veraltet, daß IBM eher den Anschein erwecke, sich kostengünstig seiner Altlasten zu entledigen zu wollen, als den Nachwuchs ernsthaft zu fördern.

Große Hoffnung hatten viele AS/400-Anwender in IBMs Komponentenbaukasten "San Francisco" gesteckt. Mit dem in Java geschriebenen Framework sollen sich Altanwendungen und neue Lösungen über Objekttechniken miteinander verbinden lassen, um Applikationen zu modernisieren. Dazu stehen mit San Francisco eine Reihe von Basisdiensten, Middleware, Entwicklungs-Tools und Endanwendungen wie Buchhaltung und Controlling zur Verfügung. Doch sei für das Produkt kein zufriedenstellender Support verfügbar, monierten die Anwender. Außerdem sei es nicht für Endkunden gedacht, sondern nur für Systempartner, ein Umstand, der die Vermarktung deutlich erschwere (siehe auch "Thema der Woche" dieser Ausgabe).

Ein potentieller San-Francisco-Kunde, der mit der Abrechnung von Tankkreditkarten zu tun hat, hatte sich über mehrere Monate bemüht, von Big Blue Unterstützung für San Francisco zu erhalten. Dem Unternehmen geht es vor allem darum, die Datum-2000-Problematik in den Griff zu bekommen - ein Thema, das viele Mittelständler im nächsten Jahr noch begleiten dürfte: "Es war nicht nur problematisch, einen geeigneten Support zu erhalten, man kommt ja selbst an die Software kaum heran", erklärte der entnervte DV-Projektleiter des Unternehmens, der nicht namentlich genannt werden will.

Thomas Polster, zuständig für Software-Engineering bei IBM, versuchte die Zuhörer mit Durchhalteparolen zu beschwichtigen: "IBM hat mehr als 1000 Mannjahre in San Francisco investiert. Das Projekt wird allein deswegen schon weitergeführt." Man dürfe die Hoffnung nicht aufgeben. Daß diese allein aber kein Garant für Produktlieferung und -zukunft ist, hat IBM schon beim Betriebssystem OS/2 unter Beweis gestellt.

Weiterhin beklagten sich die Common-Mitglieder über das Fehlen moderner Standardsoftware. Anstatt Neuerungen wie E-Commerce- oder Data-Warehouse-Lösungen zu entwickeln, würden viele Anbieter ihre altbackenen Pakete nur mit ein paar grafischen Features aufbohren. Als Grund dafür nannten die Diskutanten vor allem, daß die Anbieter ihre Investitionen schützen wollten.

Was ist Common?

Die Vereinigung hat sich zum Ziel gesetzt, ein Bindeglied für alle Belange zwischen Anwendern kleiner und mittlerer IBM Systeme (AS/400, S/36, RS/6000, PS/2) und IBM zu sein. Die Institution, der derzeit rund 12000 Mitglieder in ganz Europa und Israel angehören, wurde 1962 in Genf gegründet.

Kontakt: Common Deutschland e.V.

Bonländer Straße 20, 70771 Leinfelden-Echterdingen, Telefon: 0711/90217-3, Telefax: 0711/90217-40