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13.03.1998 - 

Kolumne

"Zeit für Paranoia"

Wenn Intel hustet, bekommt die PC-Branche Grippe. Dieser Satz mag logisch klingen, trifft aber auf den Mikroprozessorhersteller nur bedingt zu. Obwohl 95 Prozent aller verkauften PCs mit Intel-CPUs ausgestattet sind, ist die Grove-Company wirtschaftlich von den Compaqs und Dells dieser Welt genauso abhängig, wie diese technologisch Intel ausgeliefert sind. Und wenn der größte Kunde Compaq schwächelt, bekommt das der Prozessorgigant schmerzhaft zu spüren.

Intel leidet auch darunter, daß die großen PC-Hersteller inzwischen fast alle auf das sogenannte Build-to-order-Konzept umstellen, also die PCs erst nach eingegangener Bestellung assemblieren. Damit bürden sie die teure Lagerhaltung und einen Teil des Risikos ihren Lieferanten auf - eben auch Intel.

Gegenüber der "Financial Times" erklärte Unternehmenschef Andrew Grove, daß seine Company "die Wachstumsmaschine immer wieder selbst ankurbeln" müsse. Das geht nur mit massiven Investitionen. So sei allein für dieses Jahr geplant, fünf Milliarden Dollar in den Bau neuer Fabriken und zwei Milliarden in Forschung und Entwicklung zu stecken. Damit übertreffen die Aufwendungen den Gewinn des vergangenen Jahres um 100 Millionen Dollar. In Anbetracht solcher Summen wird klar, warum Grove sein Buch "Only the paranoid survive" betitelt hat. Darin gibt er allen Unternehmern den dringenden Ratschlag, immer auf plötzliche Markt- und Technologieveränderungen gefaßt zu sein.

Wie sich solche Verschiebungen auswirken können, erfährt Intel jetzt ansatzweise am eigenen Leib. Bisher läßt sich der Umsatzeinbruch zwar mit der momentanen Zurückhaltung der PC-Kunden und der Asienkrise als vorübergehendes Phänomen verharmlosen. Sollte sich aber die von Compaq beklagte Schwäche im Markt für Heimcomputer fortsetzen, wird auch Intel trotz erheblicher Preissenkungen nicht mehr die gewohnten Wachstumsraten aufweisen können. Als Komponentenlieferant für eine ganze Industrie muß der Hersteller seine Produktion relativ langfristig planen, ohne dabei aktuelle Trends wie den Billig-PC - auf den Grove erst relativ spät eingestiegen ist - aus dem Auge zu verlieren. Das dürfte auch für einen Quasimonopolisten in dieser extrem schnellebigen und inzwischen konjunkturabhängigen Branche immer schwieriger werden.