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21.09.1990 - 

Zollbearbeitung bei dem Chemie- Unternehmen Henkel in Düsseldorf

Zeit- und Kosten-Reduzierung durch effizientere Zollabwicklung

Mit der Vergrößerung der Warenströme im Export und Import hat sich auch der Zollbearbeitungsaufwand in den letzten Jahren vergrößert. Infolge der Verlagerung der eigentlichen Zollabwicklung von den Zollämtern auf die Industrie wachsen die Anforderungen an rationelle und übersichtliche Abrechungssysteme.

Das Unternehmen Henkel ist ein weltweit tätiger Spezialist für angewandte Chemie. Die Henkel-Gruppe stellt über 8000 Produkte her. Rund 35 000 Mitarbeiter, davon etwa 16 500 in der Bundesrepublik Deutschland, sind in dem Unternehmen beschäftigt.

Das Stammwerk in Düsseldorf-Holthausen umfaßt etwa 13 000 Arbeitsplätze in vielen unterschiedlichen Produktionsbetrieben sowie in Forschung und Administration. Aufgrund der enormen Zunahme im Export wurde 1986 bei der Firma Henkel in Düsseldorf-Holthausen ein Zollreferat für die komplette Zollabwicklung gegründet. Die neugeschaffene Fachabteilung, die organisatorisch innerhalb des Unternehmensbereichs Finanzen der Logistik angegliedert ist, erledigt sämtliche Import- und Exportbewegungen weltweit.

Die elf Mitarbeiter im FLD-Zollreferat arbeiten mit zwei unterschiedlichen Systemen. Für den Bereich Export wurde von Henkel das Expo-Abwicklungssystem selbst entwickelt. Über das Expo-System, das seit 1986 installiert ist und das über eine Online-Anbindung an den Großrechner von Henkel verfügte werden pro Jahr Ausfuhren im Gesamtwert von zirka 1,6 Milliarden Mark abgewickelt.

Zollbearbeitungssystem seit Juli 1989

Die Einfuhrverzollung erfolgt seit Juli 1989 über das Zollbearbeitungs-System (ZBS) des Softwarehauses GLI-Gesellschaft für Logistik und Informationstechnik, Gelsenkirchen. Bei einem Einfuhrwert von rund 560 Millionen Mark werden jährlich über 9000 Zollpapiere bearbeitet. Die zentrale Bearbeitung von zollrelevanten Export- und Import Informationen im FLD-Zollreferat von Henkel hat große Bedeutung für die zunehmenden Auslandsaktivitäten des Unternehmens. In diesem Zusammenhang findet eine verstärkte Zusammenarbeit mit dem Ressort Einkauf statt. Hierzu Walter Schembritzki, Leiter des Henkel-Zollreferates:

"Wir sehen uns heute als logistisches Bindeglied zwischen Einkauf und Vertrieb. So findet unter anderem eine Einweisung unserer Einkaufsassistenten im Zollreferat statt, um alle zollrelevanten Möglichkeiten wie Zollaussetzungen, Präferenzabkommen, Veredlungs-, Freigut- und Umwandlungsverkehre, Zollagerverkehre und so weiter auszuschöpfen. Durch wirtschaftliche Verflechtungen einzelner Länder beziehungsweise Staatengruppen ist darauf zu achten, daß eine Ware zum zollgünstigsten Wert eingeführt beziehungsweise beim Export die Zollbelastung für den Kunden so gering wie möglich gehalten wird."

Die herkömmliche manuelle Zollabwicklung im Bereich Import wurde vor rund einem Jahr durch das rechnergestützte ZBS abgelöst. Die Gruppe Importverzollung/Verbrauchssteuern arbeitet zur Zeit an zwei PCs mit dem neuen System. Erfaßt werden sowohl die Einfuhren über das Stammwerk Düsseldorf-Holthausen als auch über die Produktionsstätten Thera Cosmetic GmbH Dülken und Krefeld-Rheinhafen. In den Zweigwerken Dülken und Krefeld wird zunächst vor Ort die vorbereitende Zollbearbeitung vorgenommen. Nach der Überbringung der Zollpapiere durch einen Boten erfolgt die weiterführende Zollabwicklung in der Düsseldorfer Henkel-Zentrale über das ZBS.

Nach den Worten von Peter Schulte, Abteilungsbevollmächtigter FLD-Zollreferat Importverzollung/Verbrauchersteuern, stellt das EDV-gestützte Abrechnungsverfahren ein effektives Arbeitsmittel dar, um die einfuhrseitigen Warenströme gezielt und ohne großen Zeitaufwand zu erfassen. Schulte wörtlich: "Wir nutzen das ZBS gewissermaßen als Expertensystem, das heißt, unsere Mitarbeiter müssen zunächst komplexe und zum Teil komplizierte Vorarbeit leisten, um dann das ZBS zweckmäßig zu nutzen."

Grund für die hohe Effizienz des GLI-Zollbearbeitungssystems ist laut Schulte das Rationalisierungspotential bei der Bearbeitung der Zollverkehre. Vor dem Hintergrund wachsenden Kosten- und Zeitdrucks in den Unternehmen kommen seiner Meinung nach hier insbesondere folgende Aspekte zum Tragen:

- der minimierte Erfassungsaufwand für Warenbewegungen, indem ein Großteil der erforderlichen Informationen automatisch durch das EDV-System geliefert wird,

- der Wegfall aller manuellen Berechnungen für die Zollwert-Ermittlung,

- die gesteigerte Sicherheit bei der Abarbeitung durch systeminterne logische Eingabe-Prüfungen und direkten Zugriff auf die jeweils aktuellen amtlichen Zolldateien,

- die hohe Transparenz in der gesamten Zollabwicklung einschließlich Luftfrachtverzollung, Veredlungsverkehre, Umwandlungsverkehre, Zollager, Drittlandverzollung und EG-Verzollung.

Die Realisierung des europäischen Binnenmarktes wird nach Ansicht der Henkel-Zollexperten zunächst keine wesentliche Vereinfachung in der Zollbearbeitung erbringen. Die laut "Weißbuch der Kommission" aufgezeigten Ziele werden zum vorgesehenen Zeitpunkt nur teilweise umsetzbar sein. So wird es beispielsweise zum 01.01.1993 keine Steuerharmonisierung geben. Eine Harmonisierung im Außenwirtschaftsrecht gibt es zur Zeit nur für Kohle und Stahl (EGKS). Für die anderen Bereiche ist eine EG-einheitliche Handhabung zu Beginn des Binnenmarktes kaum vorstellbar.

Das computergestützte Zollbearbeitungssystem (ZBS) der Softwarefirma GLI ist in erster Linie auf Unternehmen mit einer eigenständigen Sachbearbeitung für den Warenimport beziehungsweise -export ausgerichtet. Hierzu gehören Industrie- und Handelsunternehmen sowie Speditionen oder Transportfirmen, die im Kundenauftrag Zollabwicklungen für grenzüberschreitende Verkehre übernehmen. Derzeit ist das auf der Basis intelligenter Arbeitsplatzsysteme (PCs) arbeitende ZBS bei zirka 110 Firmen in der Bundesrepublik wie zum Beispiel Sony, BP, Siemens, Thyssen, AEG, Procter & Gamble und Kaufring, installiert.

Laut GLI-Geschäftsführer Heinrich Zurhausen liefert die seit 1984 existierende EDV-Lösung dem Anwender deutliche wirtschaftliche Vorteile bereits bei einem jährlichen Zollabwicklungs-Volumen ab zirka 1000 Verzollungspositionen. Durchschnittlich konnten GLI-Anwender durch EDV-Einsatz den Arbeitsaufwand ihres Zollbereiches im Vergleich zu manuellen Verfahren um den Faktor 10 reduzieren.

Alle ZBS-Module können als singuläre Lösung, als Verbundsystem oder als integriertes Anwendungssystem auf einer gemeinsamen Hardware-Plattform eingesetzt werden. In der praktischen Anwendung verlangt die selbsterklärende Software von dem qualifizierten Zolldeklaranten keinerlei spezielle EDV-Kenntnisse. Der Anwender tätigt alle Eingaben im Dialog mit dem System und wird über Menütechniken geführt. Mittels einer vollständigen listenlosen Vorgangsbearbeitung kann der Benutzer zu jeder Zeit sämtliche im System verfügbaren Dateien am Bildschirm aufrufen, editieren, selektieren und die gewünschten Informationen automatisch in den jeweiligen Vorgang transferieren.

Als weiteren Entwicklungsschritt sieht die Softwarefirma GLI eine Realtime-Anbindung an das Software-Paket der SAP vor. Ebenso in der praktischen Vorbereitung ist der Datenträgeraustausch via Schnittstelle mit dem zolleigenen ZADAT-System (Zollabwicklung per Datenträgeraustausch beziehungsweise Datenfernübertragung).