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06.09.1985 - 

DV-Branche zieht auf dem neuen Arbeitsmarkt mit

Zeitarbeitsbosse sind keine Menschenhändler

MÜNCHEN - Zeitarbeitskräfte in der DV-Branche sind nichts Ungewöhnliches mehr. Werner Then, Geschäftsführer der Randstad Zeitarbeit GmbH in Eschborn, meint sogar, die Zahl überbetrieblicher Arbeitskräfte am Computer und in der Textverarbeitung habe sich in den vergangenen zwei Jahren gut verdoppelt. Umsatz sowie Entwicklung der "Leih-Firmen" spiegeln den Erfolg dieses neuen Arbeitsmarktes.

"Wir sind nicht mehr Lückenbüßer oder Feuerwehr, sondern ein Instrument des Arbeitsmarktes und der Personalwirtschaft", ist sich der Randstad-Chef sicher. Jeder Großbetrieb jeder Branche beschäftigt seiner Meinung nach derzeit Zeitarbeitskräfte: Über 60 000 Arbeitsplätze seien gegenwärtig mit Zeitarbeitnehmern besetzt.

"Einen Trend nach oben im Bereich DV" sieht ebenfalls ein großes norddeutsches Leiharbeits-Unternehmen mit internationalen Filialen, wobei sich die positivsten Auswirkungen in der Textverarbeitung und den angrenzenden Gebieten fänden. So käme ein vor zwei Jahren etabliertes Mitarbeiter-Ausbildungszentrum für moderne Bürotechnik jetzt erst "richtig zum Brummen".

In der Bundesrepublik haben sich nach Ansicht dieses Entscheiders aus dem Norden die elektronischen Bürowerkzeuge bisher noch nicht so weit durchgesetzt wie in den angelsächsischen Ländern. Die Entwicklung liefe hierzulande langsamer, als es sich die Hardwarehersteller erträumten. Verschiedene Gründe ließen sich für das deutsche Zögern ausmachen. Ergebnisse einer internationalen Umfrage dieses Unternehmens spiegelten diese wider.

Beim Einsatz von elektronischen Hilfsmitteln im Bürosektor liege danach die Bundesrepublik im internationalen Vergleich an letzter Stelle. So arbeiteten in den USA etwa rund zehnmal mehr Unternehmen mit moderner Textverarbeitung als hierzulande. Diese Kundenbefragung verweise bei der Verbreitung von Mikrocomputern am Arbeitsplatz Deutschland ebenfalls auf die hintersten Plätze. In Großbritannien etwa befänden sich diese Geräte bei befragten Kunden dieses Service-Konzerns in 15 Betrieben, in den USA in 12 Unternehmen, hierzulande nur bei 3 Anwendern im Einsatz.

Dagegen nutzen bundesrepublikanische Unternehmen die Dienstleistung externer, auf Textverarbeitung spezialisierter Büros zu 19 Prozent, in den USA dagegen zu 29 vom Hundert.

Länderübergreifend müssen die Unternehmen - ein zusätzlicher Aufwand - bei Einstellungen von Zeitarbeitskräften ein Nachtraining auf die eigene Ausrüstung betreiben.

Viele Entscheider haben noch nichts begriffen

Nicht nur das technische Equipment der Unternehmen weise indes Löcher auf. Besonders die "Denke" von Führungskräften habe bedenkliche Lücken, was den Einsatz und Nutzen moderner Technik betreffe. Managertraining an elektronischen Geräten werde nämlich nach Ergebnissen der Befragung kleiner geschrieben als das der übrigen Mitarbeiter. Nur 46 Prozent aller Firmen in dieser Stichprobe halten ihre Entscheider auf diesem Gebiet fit. Zudem mangele es häufig an der Qualität eines solchen "Updating".

So herrsche immer noch in der oberen Etage eher eine "behindernde als vorantreibende" Einstellung gegenüber den neuen Techniken vor.

Aus den Antworten der Befragung gehe auch hervor, daß generell keine bessere Bezahlung mit der Ausübung von Tätigkeiten im Bereich "Neue Technik" verbunden sei.

Engagement führe also nicht zu höherer Dotierung und nur begrenzt zu einem Aufstieg in der Unternehmenshierarchie.

Diese einzelnen Faktoren summierten sich. Offensichtlich wären angesichts "verkrusteter Strukturen", weiterhin befürchteter hoher Kapital- und Betriebskosten wie auch ungenutzter Kapazitäten und Software mit "schlechtem" Ruf bisher kein besonderer Anreiz vorhanden, in die EDV stärker als bisher einzusteigen.

Daraus resultiert ein Nachholbedarf, der sich auf die Nachfrage bei den Zeitarbeitsfirmen auszuwirken beginnt. Ein Manager des norddeutschen Verleihers beschreibt den derzeitigen Zugriff auf DV-Fachkräfte: "Wir sind in der Mitte der Beschleunigungsphase des Starts."

Je stärker sich die neue Technik in den Büros durchsetze, um so mehr käme es zur Freisetzung von Mitarbeitern, formuliert er eine schon aktuelle Konsequenz der Arbeitsplätze einsparenden Entwicklung. Diese Personen wiesen bereits Qualifikationen - teilweise sogar erhebliche - im Umgang mit den modernen Werkzeugen auf. Besonders diese Kräfte gelte es daher für seine Branche zu finden und zu verpflichten.

Die wesentliche Ursache für die Zunahme an Leihverträgen für DV-Kräfte sieht Randstad-Chef Then noch in einer weiteren Richtung: der Tendenz zur Arbeitsflexibilisierung.

Sie wurde seiner Meinung nach bereits in den jüngsten Tarifabschlüssen mit den beweglichen Zeitregelungen sichtbar. Weiterhin seien Unternehmen auf mehr Beweglichkeit ihrer Personalkapazität angewiesen. Ein wechselhafteres Marktklima als je zuvor mit individuellen Ausschlägen nach Branche, betrieblicher Situation und Produkt bedinge eine flexible Personalpolitik. Sie dürfe nicht mehr auf ständiges Wachstum abzielen - dies jedoch nicht zu Lasten der Stammbelegschaft - und habe deshalb mehrere Instrumente zu nutzen - so auch die Zeitarbeit.

Andererseits wollten Arbeitnehmer verstärkt Beruf sowie Arbeitsplatz frei wählen können. Obwohl eine ganze Reihe dieser Leih-Kräfte die Angebote des Marktes sowie die eigenen Chancen in ihm eine begrenzte Zeit abklopften, sei bei vielen doch der Wunsch nach einer Festanstellung vorhanden, weiß die Personalvermittlung eines großen Münchener DV- und Kommunikationsunternehmens.

Hier wie auch bei einer Organisation aus der Bankenbranche oder einem Frankfurter Hersteller für Klein-DV und Büromaschinen werden Kräfte abgeworben: Die Verleiher-Branche sieht es "mit einem lachenden und einem weinenden Auge" - denn es spreche für deren Qualität.

Then markiert mit drei Punkten die Leitlinien seiner Organisation, die dem teilweise zweifelhaften Ruf dieser Branche bei Gewerkschaften und in der Öffentlichkeit entgegenwirken sollen.

Die Tochter des internationalen Dienstleistungs-Konzerns "randstaduitzendbureau nv." mit Sitz in Holland charakterisiere: Randstad biete überbetriebliche Dauerarbeitsplätze, stelle nicht die Menschen, sondern die Arbeitsleistung zur Verfügung ("... sonst wären wir ja Menschenhändler") und böte Unternehmen eine außerbetriebliche Personalreserve.

Bei der GmbH mit derzeit 15 deutschen Niederlassungen gelte - wie bei anderen Unternehmen der Branche auch - für Angestellte der Tarifabschluß zwischen der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) mit dem Bundesverband Zeitarbeit (BZA), und bundesweit bestehe ein Betriebsrat "Randstadt ist da Ausnahme").

Den Vorwurf zweifelhafter Methoden in der Branche weist auch das im Norden angesiedelte Unternehmen zurück: "Da können wir nur sagen: so sorry." Es gehe darum, das Bild zugunsten einer positiven Beurteilung zu verstärken.

Der Gesetzgeber habe dies anerkannt, indem er kürzlich die Ausleihzeit von drei auf sechs Monate verlängerte. Schwarze Schafe wie ehedem im Baugewerbe, falls noch vorhanden, müßten gefunden werden.

Eine Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften sei möglich, wenn deren Befürchtungen, die Zeitarbeitnehmer blockierten Dauerarbeitsplätze, ausgeräumt werden könnten: "...unsere Aufgabe ist es ja, Personalengpässe zu überbrücken".

Über 85 Prozent der Betriebe, die einen vorübergehenden Personalbedarf decken wollen, weisen Randstad-Zahlen aus, bezögen die Arbeitskräfte von einer Zeitarbeitsfirma, 23 vom Hundert bedienten sich einer eigenen Kartei.

Tätigkeitsbereiche finden sich vornehmlich im Sektor Büro. Buchhaltung, Auftragsabwicklung, immer verbunden mit der Arbeit am Bildschirm, sowie Textverarbeitung werden von entleihenden Unternehmen am häufigsten genannt. Im allgemeinen werden kaum höherqualifizierte Arbeitskräfte angefordert. Der Programmierer bildet meist die Ausnahme, häufiger kommt der Operator oder Arbeitsvorbereiter zum Einsatz.

Motivation und Anpassungsfähigkeit

Nur drei Prozent aller Unternehmen nähmen die von Arbeitsämtern organisierte "Job"'-Vermittlung in Anspruch.

Den grundsätzlichen Unterschied marktwirtschaftlicher zur staatlichen Vermittlung macht die Stimme aus dem Norden deutlich. Der Arbeitnehmer sei bei dem Verleih-Unternehmen fest angestellt, das zugleich das Risiko einer Beschäftigung trage, dagegen "vermittelt Herr Franke in diesem Bereich auch nur und stellt ihn nicht fest an".

Besonders Anfragen mittlerer Betriebe - 62 Prozent hätten weniger als 300 Beschäftigte - beträfen Fachkräfte, die mit elektronischen Werkzeugen umgehen könnten. Die Randstad GmbH nennt für den Angestelltenbereich bei der Arbeit mit Computern und der Textverarbeitung Zahlen zwischen 25 Prozent und 45 Punkten. Frankfurt/M. und München liegen vorn: Fast die Hälfte aller Einsätze geschehe dort im Umfeld EDV.

Gerade kleinere Unternehmen würden häufig von der technischen Entwicklung überrascht und vor vollendete Tatsachen gestellt. "Eine ganz deutliche Nachfrage" erlebe Then "jeden Tag" dabei nach "Mikro-Spezialisten".

Der Betriebsrat wird schon mal ausgetrickst

Den Vorteil für Kunden, sich der Leiharbeiter zu bedienen, sieht der Geschäftsführer in Eschborn bei Frankfurt/M. in der schnellen Anpassungsmöglichkeit der außerbetrieblichen Mitarbeiter. Höhere Produktivität und Arbeitsgeschwindigkeit sowie Zeitersparnis fügt der norddeutsche Manager als Gründe für ihre positive Beurteilung an.

Auch die entleihenden Unternehmen bestätigen diese Einschätzung. Das Verhältnis zwischen festangestellten und externen Mitarbeitern wird in aller Regel als gut, manchmal sogar mit "herzlich" beschrieben. Die Motivation der Kraft von außen läßt meist nichts zu wünschen übrig - wenn doch, kann der Personalverantwortliche sie rasch austauschen. Rechtliche Verpflichtungen eines festen Arbeitsvertrages entfallen, für das Unternehmen reduziert sich damit das Risiko.

Auch mit dem Betriebsrat gibt es in ausleihenden Unternehmen keine Schwierigkeit - und wenn dessen Mitspracherecht sowie Befragungspflicht mit einem Trick umgangen wird. "Die Rechnung für entliehene Personen ist die gleiche wie für einen Leihwagen, also nur ein Kostenblock", weiß ein Spezialist aus der Frankfurter Szene zu berichten.

Leichtes Zurechtfinden in neuen Arbeitsumgebungen unterstützten die Erfahrungen der vermittelten Kräfte aus anderen Betrieben und an unterschiedlichen Werkzeugen.

Hier liegt nach Ansicht der Leihfirmen auch ein Vorteil für die Arbeitnehmer selbst. Sie könnten in wechselnden Organisationen und unter verschiedenen Bedingungen "mehrgleisig" DV-Erfahrungen in einer kürzeren Zeit als sonst möglich sammeln. Neben Beschäftigten in der Textverarbeitung nutzten beispielsweise Operator und Programmierer die Gelegenheit, neue Einsatzgebiete kennenzulernen.

Die "randstad Organisation für Zeit-Arbeit" erlebt nach Mitteilung ihres Geschäftsführers eine "außergewöhnliche Wachstumsphase". Die Zahl der überbetrieblichen Arbeitsplätze sei in den ersten sieben Monaten dieses Jahres um 900 auf rund 2400 Beschäftigte gestiegen.

Der Umsatz habe 1984 - eine Steigerung von 35 Prozent zum Vorjahr - 53 Millionen Mark betragen. Das Stammkapital der GmbH sei 1,5 Millionen Mark. "Solange Randstad international besteht", beschreibt der GmbH-Chef Then ein Unternehmensziel, "ist die Organisation noch nie über drei Prozent Gewinn nach Steuern gekommen; diese Marke wollen und werden wir nicht überschreiten, um das kostengünstige Angebot unserer Dienstleistung zu erhalten."

Die Diskussion zwischen Gewerkschaften und Verleihern um Verträge besonders über den technisch-gewerblichen Sektor steckt voller Emotionen.

Die Politik des Deutschen Gewerkschaftsbundes DGB hält Randstad-Boß Then schlicht "für eine Schande". So fordere er bereits seit 1970 den Abschluß eines Tarifvertrages für gewerbliches Zeit-Personal. Bisher stoße er jedoch auf eisige Zurückhaltung bei den Gewerkschaften, seiner Meinung nach eine Mißachtung der Interessen von 200 000 Arbeitnehmern", von denen, so rechnet Then, ein Drittel wahrscheinlich organisierbar wäre. Allerdings sei der Zeit-Arbeiter eine selbständige und selbstbewußte Person, keinesfalls das "brave Gewerkschaftsmitglied", und trüge so leicht nicht unbedingt zur steigenden Mitgliederzahl bei.

Gesetzlicher Rahmen für Zeitarbeit

Mit dem "Gesetz zur Regelung der gewerbsmäßigen Arbeitnehmerüberlassung" vom 12. Oktober 1972 besitzt der Staat ein Kontrollinstrument, mit dem - neben dem sozialen Schutz der Arbeitnehmer - auch das staatliche Arbeitsvermittlungsmonopol abgesichert werden sollte. In der Begründung zum Text von 1972 heißt es:

"Nach dem vorliegenden Entwurf soll für die gewerbsmäßige Arbeitnehmerüberlassung eine Erlaubnispflicht eingeführt werden; die Verleiher werden der Aufsicht der Bundesanstalt für Arbeit unterstellt. Die Erteilung der Erlaubnis wird davon abhängig gemacht, daß der Verleiher die erforderliche Zuverlässigkeit besitzt und den sozialen Schutz der Leiharbeitnehmer gewährleistet. Diese Einschränkungen der Berufsausübung sind geboten, um bei den Arbeitnehmerüberlassung Verhältnisse herzustellen, die den Anforderungen des sozialen Rechtsstaates entsprechen und eine Ausbeutung der betroffenen Arbeitnehmer ausschließen... Ferner wird der arbeits- und sozialversicherungsrechtliche Schutz der Leiharbeitnehmer ausgebaut."