Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

10.05.1985

Zentral-orientierte Software und dezentral-orientierte Hardware stören Mikro-Mainframe-Connection:Neue Konzeption der Anwendungen erforderlich

Durch eine zentrale Konzeption zeichnet sich die gegenwärtig angebotene Anwendungssoftware für betriebswirtschaftliche Funktionen aus. Viele Anwender sind jedoch mit dem Komfort der Systeme unzufrieden: Mehr Flexibilität bei der Zusammenstellung der gewünschten Informationen ist gefordert.

Bei der Verlagerung von Verarbeitungsfunktionen vom Mainframe-System auf den Mikrocomputer ergeben sich zwei grundsätzliche Alternativen: Im ersten Fall werden komplette Funktionen vom Mikrorechner ausgeführt und diese Ergebnisse in Form von Datenbanksegmenten an den Mainframe zurückgegeben. Womit das Mikrocomputersystem auch Funktionen zur Sicherung der Datenintegrität der Mainframe-Datenbank erfüllen muß. Gerade bei Systemen der administrativen Datenverarbeitung machen aber Plausibilitätsprüfungen und die Datensicherung einen hohen Anteil des gesamten Anwendungssystems aus.

Im zweiten Fall führt der Mikrocomputer lediglich dialogintensive Vorverarbeitungsfunktionen durch. Bei der Übertragung seiner Ergebnisse benutzt er die gleiche Eingabeschnittstelle wie bei einer normalen Terminalfunktion oder Batcheingabe. Das Mainframe-System ist zwar entlastet, kann aber widersprüchliche Eingabedaten des Mikrocomputers korrigieren. Diese Form der Erhaltung der Datenintegrität ist vorteilhaft und ermöglicht darüber hinaus einen praktikablen Übergang von den gegenwärtigen Anwendungssystemen.

Bei der diskutierten Form des Mikrocomputer-Mainframe-Verbundes kann bei Übernahme der Ergebnisse des Mikrocomputers prinzipiell der übliche Eingang in das Verarbeitungsprogramm des Mainframe-Systems benutzt werden. Damit werden einige Vorverarbeitungen (zum Beispiel auch Plausibilitätsprüfungen) nochmals durchgeführt, wodurch jedoch keine vollständige Entlastung des Mainframes durch die vom Mikro übernommenen Aufgaben stattfindet. Tendenziell dürfte sich der Mainframe aber nur noch auf die wesentlichen Vorverarbeitungs- und Verarbeitungsfunktionen beschränken, die für die Erhaltung der Datenintegrität wichtig sind. Ferner wird er die Datenbankverwaltung übernehmen, während die (Dialog-)Verarbeitungsfunktionen in die Workstations (Mikros) verlagert werden.

Eigenschaften von Mikros im Mainframe-Verbund

Über Einsatzformen und Eigenschaften des Mikrocomputers wurde eine Bewertung ausgearbeitet. Dabei wurde dem Einsatz des Mikrocomputers als Ergänzung zu übergreifenden DV-Systemen, als integraler Bestandteil von übergreifenden EDV-Systemen und als Kommunikationsrechner besondere Bedeutung beigemessen. Als Ergänzung zu übergreifenden DV-Systemen wurde in der Bewertung der zusätzliche Einsatz von Grafik, die Integration getrennter Hardware-Systeme sowie die der getrennten Anwendungssysteme über Window-Technik, die Nutzung von Spreadsheets, die Dokumentation und Motivation des Benutzers sowie die Nutzung der Entwicklungskapazität der Fachabteilungen zur Erfüllung von Sonderwünschen herausgestellt.

Bei integrierten Funktionen müssen die auf dem Mikrocomputer ausgelagerten Abläufe mit dem Gesamtsystem abgestimmt werden, wobei auch hier nicht den Fachabteilung überlassen werden kann, den Mikro allein nach ihren eigenen Vorstellungen einzusetzen. Zumindest muß die Programmierung mit der zentralen DV abgestimmt sein, die in der Regel direkt von ihr übernommen werden sollte. Außerdem sollte der Einsatz von Mikrocomputern nicht automatisch mit der Programmierung durch Fachabteilungen gleichgesetzt werden. Die vielgerühmten Spreadsheet-Programme sind inzwischen durch den Anschluß von Datenbankanwendungen so anspruchsvoll geworden, daß der volle Funktionsumfang nur von einem DV-Insider wahrgenommen werden kann. Bei Zusatzfunktionen ist dagegen der Anspruch auf die Professionalität der Anwendungen geringer und hier liegt auch das eigentliche Entwicklungspotential der Fachabteilungen.

Nach der bis hierher mehr generellen Bewertung des Mikrocomputer-Einsatzes sollen im folgenden die wesentlichen Teilfunktionen eines Systems zur Produktionsplanung und -steuerung analysiert werden.

Bei der typischen Aufteilung eines zentral-orientierten PPS-Systems werden Primärbedarfsplanung, Materialwirtschaft und Kapazitätsplanung auf einem zentralen Mainframe-System durchgeführt. Der Übergang zum Werksrechner mit den Funktionen Fertigungssteuerung und Betriebsdatenerfassung wird durch die Auftragsfreigabe charakterisiert.

Im einzelnen sei dabei angemerkt, daß die Funktionen Fertigungssteuerung und Betriebsdatenerfassung auf einem Werksrechner durchgeführt werden können, der dann Bezugsbasis der Bewertung zentral oder dezentral ist. Das heißt, der Werkstattrechner ist der zentrale Rechner für den Mikro-Einsatz in der Fertigungssteuerung.

Eine Grunddatenverwaltung ist integraler Bestandteil jedes PPS-Systems, der Datenbedarf ist aufgrund der übergreifenden Verwendungsmöglichkeiten von Stücklisten, Arbeitsplänen und Betriebsmitteldaten in einer zentralen Datenbasis erfaßt. Es gibt dabei eine nur mittelmäßige Dialogintensität. Vor allem sind hier Kopierfunktionen bei der Neuanlage von Stücklisten aus bereits vorhandenen Datenbeständen zu nennen. Aufgrund des zentral ausgerichteten Datenvolumens ist eine Dezentralisierung mit Hilfe von Mikrocomputern nicht sinnvoll; aus diesem Grunde wird in der Tabelle keine Priorität für den Mikrocomputer-Einsatz angegeben.

Bei der Primärbedarfsplanung wird mit hoch verdichteten Daten auf der Basis von Produktgruppen gearbeitet. Es geht darum, den zu erwartenden Absatz zu prognostizieren sowie ein kapazitätsmäßig zulässiges Produktionsprogramm auf Basis von Endprodukten oder Endproduktgruppen zu erstellen. Als Daten werden einmal verdichtete Größen der zentralen Datenbasis (Stücklisten, Arbeitspläne etc.) übernommen. Aufgrund der höheren Verdichtung werden aber auch dezentrale Daten in Form von Belastungsmatrizen sowie Ergebnisse von Prognoserechnungen benötigt. Im Rahmen der Prognoserechnung und Simulation ist ein interaktiver Entscheidungsprozeß mit hoher Dialogintensität gegeben, daher wird die grundsätzliche Mikrocomputer-Eignung als hoch bewertet. Bezüglich der Nutzung von Mikrocomputer-Eigenschaften werden die Entlastung der zentralen Hardware sowie der Einsatz von Grafik-Funktionen und Plottern hervorgehoben.

Als Anwendungssoftware stehen hier zu Simulationszwecken die Spread-sheet-Programme mit ihren eingebauten "what-if"-Analyse-Techniken zur Verfügung. Die Benutzersicht wird durch die hohe Verfügbarkeit und kurze Antwortzeit der Dialoge unterstützt, womit eine Dezentralisierung gefördert wird. Für die Primärbedarfsplanung wird zusammenfassend eine hohe Priorität für den Mikrocomputer-Einsatz vergeben.

Die Bedarfslösung ist die zentrale Funktion der Materialwirtschaft. Sie ist auf die zentrale Datenbasis, insbesondere unter Ausnutzung der Stücklisteninformationen, ausgerichtet. Aus diesem Grunde ist eine Möglichkeit zur Dezentralisierung mit Hilfe von Mikros nicht gegeben. Auch im Rahmen von Disposition und Einkauf werden übergreifende Datenbestände benötigt, die lediglich mit mittlerer Dialogintensität ausgewertet werden; hier scheidet der Einsatz von Mikrocomputern ebenfalls aus. Zu Auswertungszwecken der zentralen Datenbestände kann aber durchaus definiert werden, unter Ausnutzung von Hardware-Eigenschaften (zum Beispiel Grafik- und Farbunterstützung) sowie der benutzerfreundlichen Anwendungssoftware Analysen dezentral durchzuführen.

Im Rahmen einer Kapazitätsplanung sind sowohl die Kapazitätsterminierung als auch der Kapazitätsausgleich integrierte Bestandteile mit vornehmlich zentral ausgerichtetem Datenbedarf; die lokale Dialogintensität wird als mittelhoch bezeichnet. Insgesamt ist damit nur eine geringe Eignung für den Mikrocomputer-Einsatz gegeben. Anders verhält es sich dagegen wieder für Auswertungsfunktionen bei den die Ergebnisse der Kapazitätsplanung auf einen Mikrocomputer übertragen werden und dort für Kapazitätsbelastungsauswertungen zur Verfügung stehen.

Sowohl Verfügbarkeitsprüfung als auch Auftragsfreigabe sind auf die zentralen Datenbestände der Auftragsdatenbank ausgerichtet und eignen sich somit kaum für den Mikrocomputer-Einsatz. Dieses wird auch durch die geringe Dialogintensität des Planungsschrittes unterstützt. Auch Feinterminierung und Reihenfolgeplanung werden auf Werksrechnerebene mit den dort verfügbaren Datenbeständen aller Aufträge durchgeführt.

Aus diesen Überlegungen folgt also, daß die Einsatzmöglichkeiten von Mikrocomputern im Rahmen eines zentral-orientierten PPS-Systems auf die Primärbedarfsplanung konzentriert sind, die ohnehin zur Zeit nur unvollkommen von den Großsystemen zur Produktionsplanung und -steuerung unterstützt wird sowie auf ergänzende Auswertungsfunktionen in den nachfolgenden Planungsschritten.

Neue Organisationformen im Fertigungsbereich - insbesondere die Bildung von Fertigungsinseln für die Fertigung von Teilefamilien - führen zu neuen organisatorischen Regelkreisen. Die Betriebsmittel werden nicht mehr nach dem Verrichtungsprinzip geordnet, wie es für eine Werkstattfertigung gilt, sondern nach den Objekten der Teilefamilien. Pro Fertigungsinsel gibt es somit ein eigenständiges Produktionsplanungs- und steuerungsproblem. Von einem übergeordneten Planungsrechner werden dort freigegebene Fertigungsaufträge dem Inselrechner zur Verfügung gestellt, der sie von da ab selbständig verwaltet und lediglich gravierende Änderungen beziehungsweise Ergebnisdaten an den übergeordneten Planungsrechner zurückmeldet. Für den Planungsrechner selbst ist ein Inselauftrag einem Beschaffungsauftrag an Zulieferbetriebe vergleichbar. Es ist zu erwarten, daß aufgrund eines fortgesetzten Rationalisierungserfolges in zunehmendem Maße Fertigungsinseln gebildet werden. Es ist auch vorstellbar, daß die Teilefertigung in diversen Maschinenbau-Unternehmen nahezu vollständig in Fertigungsinseln zerlegt werden kann.