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09.12.1977 - 

Die Zukunft eines nationalen Pharma-lnformationssystems ist ungewiß:

Zentrale Arznei-Datenbank soll "Rote Liste" ersetzen

Karlsruhe - Die nach der Farbe ihres Einbandes benannte "Rote Liste", ein Verzeichnis aller auf dem deutschen Markt erhältlichen pharmazeutischen Präparate, soll aus dem Bücherregal des praktizierenden Arztes verschwinden und durch ein Bildschirm-Terminal ersetzt werden. Dies ist das Ziel eines DV-Projektes, das vom Bundesverband der pharmazeutischen Industrie e. V. kürzlich erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Die erste Ausgabe der Roten Liste in Buchform wurde bereits in den dreißiger Jahren herausgegeben. Durch die stürmische Entwicklung der Pharmabranche in den darauf folgenden Jahrzehnten erschienen aktualisierte Neuauflagen bald in immer kürzeren Abständen. Heute erscheint die "Rote Liste" im Jahresrhythmus. Die jüngste Ausgabe, die in einer Auflage von 150 000 Exemplaren erschien, enthält insgesamt 8060 Präparateinträge von 464 verschiedenen Herstellerfirmen. Ärzte und Apotheker erhalten die "Liste" vom Verband kostenlos; andere Personen müssen für sie etwa 37 Mark bezahlen.

Umstellung auf Lichtsatz gab den Anstoß

Bis 1971 waren die Präparate in der Roten Liste alphabetisch geordnet, "was letztlich aber nicht mehr der Benutzerforderung nach Transparenz des Arzneimittelangebots entsprach", wie Rosenkranz zugibt. Der Pharma-Bundesverband beschloß deshalb, die Präparate in den folgenden Ausgaben nach therapeutisch-pharmakologischen Gesichtspunkten zu gliedern. Das ließ sich nach den Worten von Rosenkranz mit dem bis dahin verwendeten Bleisatzverfahren aus Kostengründen nicht realisieren, so daß sich der Verband für Lichtsatz entschied. Das "Projekt" wurde bei dem Berliner Satzrechenzentrum Hartmann & Heenemann KG in Auftrag gegeben. (Rosenkranz:... "waren seinerzeit die Leistungsfähigsten.")

"Schlag nach per Bildschirm"

"Weil die Rote Liste schon mal auf Magnetbändern gespeichert war", gingen die Planer des Pharma-Verbandes Mitte 76 gleich noch einen Schritt weiter: Ein "Informationssystem Rote Liste" soll - so ihre Vorstellung - auf lange Sieht die bisherige Rote Liste durch eine zentrale Datenbank ersetzen, auf die dann alle (berechtigten) Interessenten per Bildschirmterminal Zugriff haben sollen.

Die für das neue Projekt erforderliche Rechnerkapazität stellte die ADV-Abteilung von Hoechst zur Verfügung; "zu sehr günstigen finanziellen Konditionen", betont Rosenkranz. "Außerdem ersparte uns das auf den Hoechst-Rechnern (370/168-Systeme) eingesetzte Datenbanksystem Stairs die mühselige Indexierung", begründet Rosenkranz die Entscheidung für das Frankfurter Konzern-Rechenzentrum.

Während der Test- und Entwicklungsphase des "Informationssystems Rote Liste", die noch läuft, hat - bis auf die Mitarbeiter der Verbandsgeschäftsstelle - niemand direkten Zugriff auf die Pharma-Datenbank. "Auch Hoechst nicht", versichert Rosenkranz. Befürchtungen kleinerer Arzneimittelhersteller, die "Großen" der Branche könnten sich durch einen illegalen Datenbank-Zugriff Marketing-Vorteile verschaffen, bezeichnet er als unbegründet.

Zustimmung beim Fachpublikum

Auf dem Deutschen Therapiekongreß, der kürzlich in Karlsruhe stattfand, präsentierten die DV-Experten des Verbandes das "Informationssystem der Roten Liste" erstmals der Öffentlichkeit. Rosenkranz: "Wir wollten den Leuten zeigen, daß es einwandfrei funktioniert." Die Demonstration erfolgte an IBM 3270-kompatiblen T-VT 6060 Terminals der Firma Thomson-CSF, die über eine Standleitung an das Höchst-Rechenzentrum angeschlossen waren.

Trotz "großer Resonanz beim Fachpublikum" (Rosenkranz) wird der praktische Einsatz- des Informationssystems wohl noch eine Weile auf sich warten lassen - wenn es überhaupt so weit kommt.

Konkurrenz durch Dimdi

"Wir verhandeln augenblicklich mit dem Gesundheitsministerium, dem Bundesgesundheitsamt, der Apothekerschaft und hoffentlich auch bald mit Vertretern der Ärzteschaft über das Konzept einer künftigen ,Rote Liste'-Datenbank", erklärt Rosenkranz. Über konkrete Ergebnisse will er sich nicht auslassen: "Wie die Gespräche ausgehen, kann man jetzt noch nicht sagen." Problematisch sei unter anderem, daß neben dem Bundesverband der pharmazeutischen Industrie noch andere Institutionen (zum Beispiel das Bundesgesundheitsamt und das Deutsche Institut für medizinische Dokumentation und Information, Dimdi) an einer Arzneimitteldatenbank werkelten. Ob es dennoch zu einer einheitlichen Regelung komme, werde nicht zuletzt davon abhängen, "inwieweit alle beteiligten Parteien Eigenbrötlerei und Prestige zugunsten einer transparenten und anwenderfreundlichen Lösung zurückstellen".