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22.04.1977

Zentrales Management für Datenverarbeitung, Textverarbeitung und Kommunikation. Eine führungstechnische Konsequenz?

Prof. Dr. Norbert Szyperski, Ordinarius für Betriebswirtschaftslehre der Universität zu Köln, Direktor am BIFOA

Das Angebot an leistungsfähigen Geraten, Anlagen und Systemen dar die Datenverarbeitung wird immer größer und unübersichtlicher. Das gilt - mit einer gewissen Verzögerung - auch für die Textverarbeitung und die Nachrichtenübertragung, also für die Kommunikationstechniken. Diese drei technischen Bereiche werden zunehmend und wechselseitig kombiniert: Datenfernübertragung, Computer-Verbundsysteme, Automatisierte Textverarbeitung, Textfernübertragung sind nur einige der Schlagwörter in diesem Zusammenhang. Die Entwicklungspfade deuten auf eine weitere eher stürmische als gemächliche Ausweitung des Angebotes auf diesen Märkten hin. Das bedeutet: Die technologischen Grenzen werden immer weiter ausgedehnt, auch im Büro- und Verwaltungsbereich wird immer mehr technisch machbar werden. Damit gewinnen aber automatisch die betriebswirtschaftlichen, organisatorischen Probleme zunehmend an Bedeutung. Der Anwender wird sieh eindringlicher fragen müssen, wie seine Unternehmung seine Verwaltung mit den informations- und kommunikationstechnischen Möglichkeiten fertig werden soll. Die technologische Entwicklung fordert führungstechnische Konsequenzen!

"Chaotische Entwicklungen

verhindern"

Die Techniken und Systeme die angeboten werden, lassen Föderative, zentrale oder dezentrale Lösungen ebenso zu wie Netze oder isolierte Einzellösungen. Und es gibt keine generelle Antwort auf diese Fragen. Sicher ist nur eins: Chaotische Entwicklungen in den Organisationen müssen unter allen Umständen verhindert werden ! Und wie sehr laden die kleinen schnellen Lösungen und viele Vertreter, die bei Abteilungsleitern, Bereichschefs und Spartenleitungen an die Tür klopfen dazu ein. Man kann sieh mit falschen zentralen oder dezentralen Lösungen reich rechnen und arm machen. Darum geht es auch, aber nicht einmal zuvörderst, wenn man den neuen Möglichkeiten, die sich in Daten-, Textverarbeitung und Kommunikation abzeichnen, im Interesse der gesamten Unternehmung gerecht werden will.

Da sich die Info-Infrastruktur nicht losgelöst von der Unternehmung, der sie dienen soll, entwickeln darf, ist ihre Evolution an die der Unternehmung insgesamt zu binden. Daraus folgt aber auch: Die informationstechnische Entwicklungsplanung muß ein Teil der Entwicklungsplanung der gesamten Unternehmung sein beziehungsweise werden. Da es mit den Konzepten und den Plänen allein nicht getan ist, müssen auch die Richtlinien, die zu deren Realisierung und Überwachung notwendig sind, erarbeitet und mit Kompetenz durchgesetzt werden. Ganz normale Managementaufgaben also, hier nur angewandt auf die informationstechnische Troika "Datenverarbeitung, Textverarbeitung und Kommunikationssysteme (DTK)".

"Beweislast umkehren"

Hier soll für ein zentrales DTK-Management plädiert werden. Das bedeutet nicht zentrale Systemlösungen und schon gar nicht das Verfechten einer zentralistischen Entwicklungsphilosophie. Im Gegenteil: Wer zentrale Entwicklungen ungeprüft für die besseren hält und einen zentralen Aufbau seiner Informations- und Kommunikationssysteme hat der wird sich an einem zentralen DTK-Management ohnehin nicht stoßen, er möglich, aber soviel zentral wie praktiziert es ja. Also kann es nur für die Verfechter einer dezentralen Entwicklungsphilosophie problematisch sein. Die können aber auch keine völlig isolierten föderativen Lösungen anstreben, weil dies über kurz oder lang in jeder Organisation zu zentralistischen Gegentendenzen führen muß, da die Unternehmung sich letztlich - wie komplex und diversifiziert sie auch immer sein mag - als eine Einheit fühlen und verhalten soll. Darum können die "Dezentralisten" eigentlich nur eine Umkehrung der Beweislast

wünschen: Soviel dezentral wie nötig! Der einzelne Schritt zum Zentralen hin bedarf dann der Begründung, nicht das Preisgeben zentraler Lösungen.

"Einheitlichen Richtlinien folgen"

Zentrale Ansätze bedürfen also der Begründung. Für ein zentrales DTK-Management sprechen viele Gründe; einige seien hier angesprochen:

Kommunikations- und Textverarbeitungssysteme werden in naher Zukunft ähnlich behandelt werden wie es heute bei der DV der Fall ist. Es sollte verhindert werden, daß verschiedene Instanzen unkoordiniert die Info-Infrastruktur einer Organisation planen und implementieren, weil sonst ähnliche Pannen auftreten werden wie bei den öffentlichen Versorgungseinrichtungen: Die Post reißt da auf, wo die Elektrizitätswerke gerade zugeschüttet haben; nur mit dem Unterschied, daß in den Unternehmungen oder öffentlichen Verwaltungen vermutlich mehrere Kommunikationsnetze nebeneinander und nicht kompatibel miteinander entwickelt und zur Realisierung gebracht werden wurden.

Die Auswahl und das Warten der Systeme kann auch bei kleineren Anlagen und bei komplizierteren Textverarbeitungsanlagen nicht wieder in die Hände der "Bürovorsteher" fallen. Die mühsam erarbeiteten Erfolge einer etwas industrielleren Datenverarbeitung würden sonst wieder verlorengehen Ein Rückfall in den Status quo der 1. Generation wäre die Folge.

Welche vorrangigen Aufgaben fallen nun einem zentralen DTK-Management zu? Es muß die sich aus der Entwicklungsplanung der Unternehmung ergebenden Konsequenzen und Anforderungen an die Informations- und Kommunikationssysteme ableiten und durch entsprechende Rahmenplanungen im eigenen Bereich begegnen.

Die Technologie- und Marktentwicklungen müssen eingehend verfolgt werden und sich abzeichnende Entwicklungsrichtungen sind rechtzeitig auf ihre Bedeutung für die eigene Unternehmung hin zu untersuchen.

Übergreifende, top-down und bottom-up gerichtete Analysen der Informations- und Kommunikationsbeziehungen werden notwendiger denn je. Mit den Schlagwörtern wie Verteilte Intelligenz, Netzwerk-Architektur und Verbundsysteme ist es nicht getan.

Ohne eine klare, zentrale Richtlinienkompetenz für die ineinander übergreifenden Bereiche Datenverarbeitung, Textverarbeitung und Kommunikation werden die betroffenen Organisationen, und das sind nicht nur die großen Anwender viel und vermutlich zuviel Lehrgeld in einer informations- und kommunikationstechnisch geprägten Welt bezahlen müssen in einer absehbaren Welt, in die wir uns mit zügigen, aber doch wohlüberlegten, behutsamen Schritten hin bewegen sollten. Unterstützt durch ein fachkundiges, weitsichtiges und aufgeschlossenes Management.