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30.06.1989 - 

Ein Plädoyer für den "Programmer ludens":

Ziellosigkeit führt oft zum Ergebnis

Termindruck und Entwicklungsauftrag zwingen den Programmierer zum zielorientierten Denken und Handeln. Hans Grams* rät den Software-Entwicklern, sich zumindest zeitweilig im "spielerischen" Umgang mit den Programmierwerkzeugen zu üben, um auf diese Weise möglicherweise zu kreativeren Lösungen zu gelangen.

In seinem Buch "Der Abbau des Menschlichen" bezeichnet auch Konrad Lorenz den "Homo Ludens" (den spielenden Menschen) als besonders kreativ: "In einem ganz besonderen Sinne sind nämlich die kreativen Vorgänge, die im Menschen, und nur im Menschen, vor sich gehen, ein Spiel."

Dieses "Spiel", so definiert der Verhaltensforscher, sei Handeln, das sich nicht an einem Ziel orientiert: "Der Forscher weiß nicht, was er finden wird, seine Gestaltwahrnehmung erteilt ihm nur eine ungefähre Information, in welcher Richtung sie Interessantes wittert." Häufig führe jedoch erst diese Ziellosigkeit zu brauchbaren Ergebnissen: "Die stark anziehende Wirkung eines Zieles hemmt die Fähigkeit des Herumspielens mit Faktoren, aus deren Kombination sich eine Problemlösung ergeben könnte."

Ähnlich äußert sich der Kunsthistoriker Rainer Zimmermann in seiner Monographie über den deutschen Maler Franz Frank (1897 bis 1985): "Bekannt ist, daß dem Stilleben stärker als anderen Bildgestaltungen ein Experimentiercharakter eigen ist: Unbelastet von den geistigen Problemen des mythologischen oder biblischen Figurenstücks, frei von außerkünstlerischen Erwartungen, ... kann sich der Künstler ... allein auf die malerische Verwirklichung seiner Bildvorstellung konzentrieren. In dieser Sammlung auf die künstlerische Aufgabe gelingen ihm dann oft jene Vorstöße in neue Bereiche, die seinem gesamten Schaffen zugute kommen."

Ein Programmierer sollte sich deshalb von Zeit zu Zeit einem "programmierten Stilleben" widmen, also - unabhängig von Termindruck und Programmierauftrag - ein selbst gestelltes Problem mit nur "gewittertem" Ergebnis angehen. Die dabei empfundene Lust und Freiheit werden auch seiner Alltagsarbeit unter den üblichen Zwängen zugute kommen, weil die spielerisch gewonnenen Erkenntnisse darin einfließen.