Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Der Geschäftsverkehr wird nicht einfacher


23.10.1992 - 

Zollabwicklung im EG-Markt stellt der DV neue Aufgaben

In wenigen Monaten werden in der Europäischen Gemeinschaft die Grenzen fallen. Der europäische Binnenmarkt wird jedoch den Geschäftsverkehr und die Zollabwicklung nicht unbedingt vereinfachen, sondern eher einen Zusatzaufwand für statistische und steuerliche Erhebungen mit sich bringen.

Im Handel mit Drittländern wird sich für die EG-Mitglieder nichts Grundsätzliches ändern. Die Außengrenzen der Gemeinschaft werden weiterhin Zollgrenzen bleiben. Gravierende Neuregelungen wird es allerdings für den Handel innerhalb der Gemeinschaft (Intrahandel) geben. Zwar werden einerseits einige zollspezifische Formalitäten entfallen, dafür müssen die Beteiligten aber andererseits neue Verpflichtungen wahrnehmen, die insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen vor große Probleme stellen werden.

Beispielsweise werden die Zollbehörden die Zollpapiere nicht mehr selbst handelsstatistisch auswerten. Das Unternehmen muß die einschlägigen Daten vielmehr innerbetrieblich erfassen und von sich aus dem Statistischen Bundesamt melden.

Zur Festsetzung der Umsatzsteuer werden die Unternehmen zusätzlich zu den bisher zu meldenden Umsätzen noch separat die steuerfreien Lieferungen in die Gemeinschaft und den steuerpflichtigen Erwerb aus anderen Mitgliedsstaaten dokumentieren müssen. Dies führt laut Heinrich Zurhausen, Geschäftsführer der GLI Schütte + Zurhausen Gesellschaft für Logistik und Informationstechnik mbH, Gelsenkirchen, in der Praxis zu einer Reihe von Schwierigkeiten.

Es ergeben sich hier verschiedene Fragen: Welche Abteilung soll die relevanten Daten erfassen? Woran erkennt man beim Eingang einer Ware, daß sie steuerpflichtig aus einem anderen EG-Staat bezogen wurde - und aus welchem? Wie stellt man die zeitgerechte Erfassung sicher?

Der Fragenkatalog ließe sich noch erheblich verlängern. Zollfachleute glauben, daß es ab 1993 einfacher sein wird, eine Ware in ein Drittland auszuführen, als sie innerhalb der Gemeinschaft zu verkaufen.

Daher wird nach Ansicht von Joachim Metzner, geschäftsführender Gesellschafter der CHC Columbus und Hartung Consulting, Gelsenkirchen, die im Bereich der Zoll- und Außenwirtschaftsberatung eng mit dem Softwarehaus GLI zusammenarbeitet, in den Unternehmen die Bedeutung der Zollabteilungen erheblich wachsen.

Erheblicher Aufwand für die Unternehmen

Metzner sieht sie als zentrale Schnittstellen von Fachabteilungen und Unternehmensbereichen wie DV, Entwicklung, Rechtsabteilung, Vertrieb, Rechnungswesen, Einkauf, Wareneingang, Lager und Produktion, die ihre zollspezifischen Informationen in Zukunft noch mehr als bisher mit der zuständigen Zentrale sinnvoll koordinieren müssen.

Im Zuge der neuen Richtlinien im europäischen Binnenmarkt kommen speziell auf mittelständische Unternehmen sowohl statistische als auch steuerliche Probleme zu. Konkret wird durch den vorgesehenen Abbau der Grenz- und Zollkontrollen der umsatzsteuerliche Grenzausgleich in die Unternehmen übertragen. Dies bedeutet in den Betrieben einen erheblichen Mehraufwand für steuerliche Erfassungen, die bislang zu einem großen Teil von externen Grenzspediteuren übernommen wurden.

Darüber hinaus muß zum Beispiel über Reihen oder Dreiecksgeschäfte, Konsignationsgeschäfte, Lohnveredelungen, Reparaturen, Lieferungen an Endverbraucher sowie vertragliche Regelungen verschiedener Art Rechenschaft abgelegt werden.

Nach Angaben der Firmen GLI und CHC wird es ab 1993 in Europa zu einer erheblichen Steigerung der Prüfungstätigkeit durch die Finanzorgane kommen. Um Unstimmigkeiten und behördliche Sanktionen zu verhindern, müssen vor allem kleinere und mittlere Unternehmen auf die neuen Bedingungen mit neuen Organisationsstrukturen reagieren. Hierzu Jörg Hartung, geschäftsführender Gesellschafter der CHC Gelsenkirchen: "Wir sehen die künftigen Aufgaben der Zollabteilung in der Minimierung des Risikos durch eine möglichst lückenlose interne und externe Informationsbeschaffung sowie die fachliche Qualifikation der Mitarbeiter. Die Verlagerung der Kontrollen von den Binnengrenzen in die Betriebe erlegt den Beschäftigten der Zollabteilungen neben einem größeren Arbeitsaufwand auch eine größere Verantwortung bei der Erledigung statistischer und steuerrechtlicher Tätigkeiten auf."

Um diese Aufgaben zu erleichtern, hat das GLI sein Standardpaket ZBS (Zoll-Bearbeitungs-System) erweitert und ein selbständiges Modul für die nur im Intrahandel tätigen Unternehmen entwickelt. Die Software ist branchenunabhängig und deckt sämtliche Bereiche ab, die für die statistische und umsatzsteuerliche Erfassung des Intrahandels wichtig sind.

Neue Softwarebausteine, die im Zuge veränderter Richtlinien entstehen können, sollen sich dem kompakten System flexibel und vor allem zeitgerecht anpassen lassen. Während GLI die softwarespezifische Beratung und Lösung anbietet, ist CHC für die zoll- und außenwirtschaftliche Organisationsberatung, also für Ist-Analysen und Soll-Konzepte zur Ausschöpfung von Zollvorteilen durch sinnvolle Nutzung spezieller Zollverfahren, zuständig.

Als Vorbereitung auf die Veränderungen im europäischen Binnenmarkt führen GLI und CHC im September 1992 im Hotel Mövenpick, Schloß-Berge, Gelsenkirchen, eine Seminarreihe zum Thema "Zollabwicklung im europäischen Binnenmarkt 93" durch.