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12.03.1982 - 

Kleinstrechner sind mehr Ergänzung als Konkurrenz zur Mittleren Datentechnik:

Zu hohe Ansprüche vergewaltigen Mikrocomputer

MÜNCHEN - Sind Mikrocomputer tatsächlich in der Lage, Systeme der Mittleren Datentechnik (MDT), auch Bürocomputer genannt. zu gefährden oder gar abzulösen? Laszlo Komlossy* betrachtet im folgenden Beitrag diese Frage aus der Sicht eines Unternehmens, das beide Rechnerkategorien vermarkten muß. Er kommt zu dem Schluß, daß man unter Berücksichtigung der Einsatzmöglichkeiten weniger über Abgrenzungen zwischen Mikros und MDT als vielmehr über Alternativen sprechen sollte.

Mikrocomputer kontra Computer der Mittleren Datentechnik: Es ist gar nicht so lange her, daß man eine ähnliche Frage über Abgrenzungen zwischen Großcomputer und Computer der Mittleren Datentechnik diskutierte. Aufgrund der Problemerkennung, bestimmte Aufgaben aus der Sicht des Anwenders anzugehen zu können, wurden Systeme der Mittleren Datentechnik als berechtigte und anerkannte Lösungsmöglichkeiten akzeptiert.

Zunächst sei der Begriff "Computer der Mittleren Datentechnik" (MDT) definiert. Dieser Begriff, über den "Generationen" diskutierten, entstand aus dem Wunsch, Bürocomputer vom Groß-EDV-Bereich abzugrenzen.

Der Begriff "Mittlere Datentechnik" ist durch den vielseitigen Einsatz dieser Computerklasse - auch im Sinne des Distributed-Processing sowie in Verbundsystemen - nicht ganz zutreffend. Damit es jedoch nicht noch mehr zu Verwirrungen kommt, ist dieser Begriff hier beibehalten.

Mutige Prognosen

Mit der rasanten Entwicklung der Computertechnik auch im Mikroprozessorenbereich und mit dem immer günstiger werdenden Preis-/Leistungsverhältnis für elektronische Bauelemente eröffnete sich ein neuer Markt für die Mikroelektronik, der sich zunächst auf Hobby-Elektroniker konzentrierte. Der nächste Schritt war dann abzusehen: Mit verbesserter, leistungsfähigerer Technologie wurde der professionelle Anwenderbereich in Angriff genommen.

Es entstanden die Mikrocomputer mit typischen, charakteristischen Merkmalen der herkömmlichen DV-Anlagen hinsichtlich der Hardware-Elemente, wie Tastatur, Bildschirm, Speicher und Drucker. Hinzu kam die Entwicklung von entsprechender Systemsoftware, wie Betriebssysteme, Interpreter, Compiler und weiterer Dienstprogramme; es wurden innerhalb kurzer Zeit leistungsfähige und vor allem unglaublich preisgünstige Computersysteme auf den Markt gebracht.

Kaum waren diese Systeme avisiert, gab man Prognosen ab, die voraussagten, daß diese kleinen Systeme den etablierten Markt der Mittleren Datentechnik aggressiv angreifen, ja erobern würden. Diese Prognosen sind sehr mutig, wenn man sich die Vorteile der "Mittleren Datentechnik" einmal vor Augen führt: Hierbei handelt es sich um Computer mit hervorragenden Preis-/Leistungsverhältnissen, die als ausbaufähige Ein- und Mehrplatzsysteme aufgrund ausgereifter, erstklassig dokumentierter und zigtausendfach eingesetzter Anwenderprogramme dem Benutzer eine komfortable Datenverarbeitung mit hoher Zuverlässigkeit, Zukunftssicherheit und Bedienungsfreundlichkeit garantieren.

Nicht verleiten lassen

Nach Analyse der Gegebenheiten wird dem Anwender sehr schnell klar, daß sowohl Mikrocomputer als auch MDT-Anlagen eine Existenzberechtigung haben. Die Kernfrage ist jedoch: Was muß das System leisten, für welche Aufgaben ist es einzusetzen, wie groß ist das Volumen der zu verarbeitenden Daten; sind spezielle Aufgaben zu lösen beziehungsweise wie hoch muß der Integrationsgrad zwischen den einzelnen Arbeitsgebieten sein? Wenn diese Fragen eindeutig beantwortet sind und wenn der Kaufwillige sich auch über die Kosten der unterschiedlichen Systeme im klaren ist und einen seriösen Partner gefunden hat, ist die Entscheidung für Mikrocomputer oder MDT leicht zu fallen.

Mikrocomputer sind keine Modeerscheinung. In vielen Fällen werden jedoch zu hohe Erwartungen an ihre Leistungsfähigkeit geknüpft. Sicher sind Mikrocomputer sehr leistungsfähige Systeme, die auch mit den Markterfordernissen ständig wachsen und sich für bestimmte typische kaufmännische Anwendungen aufgrund eindeutig definierter und ausreichend dokumentierter Programme hervorragend eignen.

Der gute professionelle Eindruck darf jedoch den Interessenten nicht dazu verleiten, ein System für 10 bis 20 000 Mark Hardwarepreis zu Aufgaben zu "vergewaltigen", die nach der heutigen Technologie sonst möglicherweise nicht unter 100 000 Mark zu lösen wären.

Durch richtigen Einsatzgute Leistungen

Mikrocomputer sind preiswerte Alternativlösungen. Und deswegen preiswert, weil sowohl in der Hardware und Systemsoftware als auch in den Standardanwendungen Elemente gemäß Industriestandard verwendet werden, die eine bestimmte definierte Leistung bieten.

Individualwünsche hinsichtlich der Anwendersoftware lassen sich vom selbstprogrammierenden Benutzer mittels leistungsfähiger Programmiersprachen realisieren. Durch den richtigen Einsatz beim "Kleinstanwender" als auch bei großen Unternehmen und Verwaltungen für Spezialaufgaben oder auch als "Personal Computer" für bestimmte Abteilungen oder Personen kann der Mikrocomputer hervorragende Leistungen bieten.

Das heißt mit anderen Worten, wenn die Gegebenheiten eines Mikrocomputers für eine bestimmte Aufgabenstellung ausreichen, so ist die Entscheidung praktisch ohne aufwendige Diskussion, ob Mikrocomputer oder Computer der Mittleren Datentechnik, gefunden. Unter Berücksichtigung der Einsatzmöglichkeiten der Mikrocomputer beziehungsweise der Computer der Mittleren Datentechnik kann man weniger über Abgrenzungen als vielmehr über Alternativen und in vielen Fällen als sinnvolle, preisgünstige Ergänzung zu größeren Computern in Verbundsystemen sprechen.

Optimum erreicht

Mikrocomputer und Computer der Mittleren Datentechnik ergänzen sich. Die neuen Technologien eröffnen neue Möglichkeiten auch für Anwender, die sich vor kurzem noch Investitionen für den Computereinsatz nicht leisten konnten oder wollten. Die Entwicklung im Mikrocomputer-Bereich wird weitergehen, es werden auch Problemlösungen entstehen, die nur im Zusammenschluß mit höherwertigen Systemen realisiert werden können.

Und so wird die Frage mit Sicherheit nicht lauten "Mikrocomputer kontra Computer der Mittleren Datentechnik?", sondern "Welcher Hersteller bietet neben der richtigen Anwendersoftware, Systemsoftware, Hardwarekonfiguration und dem Service für die speziellen Erfordernisse des Computerbenutzers auch Kontinuität, Zukunft und Sicherheit?" Wenn die Frage so gestellt und richtig beantwortet wird, läßt sich das Optimale für den Computeranwender erhoffen.

Laszlo Komlossy, Produktmanager für Computersysteme, Philips Data Systems GmbH, Siegen.