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01.06.1979

Zu hohe Erwartungen an Mikroprozessoren?

Sie werden gemeinhin als spottbillige Problemlöser bezeichnet, selbst erfahrene DV-Profis halten sie für unkompliziert: die winzigen Mikroprozessoren oder "Pin-Käfer". Viele von ihnen werden bereits als Bausteine plattenorientierter Dialogcomputer verwendet. Als kleine Computer unterliegen sie gleichwohl dem "Grundgesetz" der Datenverarbeitung: Systeme werden um so komplizierter, umständlicher und damit teurer im Software-Aufbau, je mehr sie mit der Anwendung verwachsen. Fazit: Vor billigen Gesamtlösungen wird gewarnt. de

Dr. Karl Heinz Timmesfeld, IDAS-Gruppe Informations-, Daten- und Automationssysteme GmbH, Limburg (Lahn)

Ich glaube, daß man beim Mikrocomputer zwischen dem äußeren Erscheinungsbild und der Leistungsfähigkeit differenzieren muß. Die Tatsache, daß man das, was man früher in drei großen Schränken untergebracht hat, heute im Schuhkarton unterbringen kann, bedeutet zunächst noch nicht, daß das auch vom Inhalt so viel kleiner und restriktiver ist. Das ist zunächst nur eine physikalische Verkleinerung. Am Anfang war es allerdings so, daß die Mikrocomputer-Hersteller gesagt haben, wir verkaufen nur die reine Hardware; Softwareunterstützung quasi Null. Dann waren die Softwareprobleme natürlich immens. Das ändert sich jedoch, weil neue Anwenderkreise jetzt diese Mikrocomputer und Mikroprozessoren kaufen, Anwenderkreise, die immer weniger von Softwareentwicklung verstehen. Die wollen nicht ständig zu Softwarehäusern gehen und gesagt bekommen, da muß das und das und das noch gemacht werden, das kostet entsprechend viel Geld. Also sagen die Hersteller: Gewisse Grunddinge sind doch wieder gemeinsam, das hat sich bei den Prozeßrechnern und dergleichen gezeigt, also sollten wir das mitliefern. Dieser Trend ist erkennbar, das läuft in eine ähnliche Richtung wie bei den herkömmlichen Mainframe-Rechnern.

Eine gewisse Ernüchterung wird freilich bei den Anwendern immer eintreten, weil die Kompliziertheit der Entwicklung von Software - das gilt auch für Mainframeprogramme - häufig unterschätzt wird. Und weil die Tatsache, daß Software leicht geändert werden kann, - eben "soft"- ist -, dazu verleitet, zu glauben, das sei alles ganz simpel. Das ist halt nicht so, und diesem Trugschluß folgt meistens schon eine gewisse Ernüchterung, wenn das als Trugschluß erkannt wird.

Heinz Detlev Kellner, Geschäftsführer der Kellner, & Partner Unternehmensberatung GmbH, Frankfurt

Die Entwicklung im Hardware-Bereich der Großrechner hat in den siebziger Jahren zu enormen Preissenkungen geführt. Dieses gilt gleichermaßen für den Boom im Mikroprozessor-Bereich. Beide Bereiche (natürlich auch die MDI) konnten aber eines nicht beeinflussen: steigende Personalkosten! Deshalb kann man nicht sagen, die Software-Kosten seien gesenkt worden! Hardware-Kosten stehen gegenwärtig im Verhältnis zu den Software-Kosten 1:3. Diese Entwicklung geht eindeutig in die Richtung "Senken der Hardware-Kosten - Steigen der Software-Kosten". In den nächsten fünf Jahren wird sich dieses Verhältnis auf 1: 8 vergrößern, es sei denn, andere Verkaufsstrategien verändern dieses Verhältnis. Dieses ist aber nur eine Sache der Umverteilung.

Der Anwender wird in den Glauben versetzt, der Mikroprozessor sei preiswert und er bekomme eine ebenso preiswerte Software. Dies ist absolut falsch.

Nach Einstufung von zwei Gruppen (Hersteller und OEM) ergibt sich folgendes:

1. Hersteller verkaufen Software sowie Anwendungen, Methodenbanken und Betriebssystemteile über PROMs (fest verdrahtete Chips): Es erfolgt eine Verlagerung der Software-Kosten in den Bereich der Hardware.

2. OEMs beziehen Softwarehäuser in die Entwicklung der vorgenannten Lösungen ein. Hier findet eine Risikoumverteilung statt, da das Softwarehaus nur über eine enorme Anzahl von Installationen kostendeckend arbeiten kann. Aufgrund der katastrophalen Personalsituation sind qualifizierte Mitarbeiter teurer geworden. Cobol- und Fortran-Spezialisten sind noch auf dem Markt, nicht aber Mikrospezialisten. Das schlägt durch auf die Softwarepreise. Hier wird offensichtlich der Softwareaspekt von allen Mikro-Hardware-Verkaufenden kaschiert oder heruntergespielt. Resümee: Alle Aussagen oder vermittelte Eindrücke, daß die Software preiswerter geworden sei, sind falsch und irreführend. Der Anwender muß sich darüber klar sein, daß Software nach wie vor teuer ist.

Dr. Günter Selle, Ibat Unternehmensberatung, Essen

Die derzeitige Entwicklung auf dem Gebiet der Mikro-Technologie geht sehr schell vor sich. Der Begriff Revolution kennzeichnet die Situation sicherlich treffender als der der Evolution. Erfahrungen auf der Anwenderseite zeigen immer wieder, daß einerseits kostengünstige Hardware angeboten wird, die gewünschte Gesamtlösung jedoch nach wie vor relativ hohe Aufwendungen erfordert: Dem Anwender entstehen oftmals höhere Kosten, als er zunächst eingeplant hatte.

Zur Vermeidung von Mißverständnissen ist es erforderlich, Begriffe wie Computer, Minicomputer und Mikrocomputer eindeutig gegenüber Mikroprozessoren abzugrenzen. In diesem Zusammenhang soll unter Mikroprozessor ein hochintegriertes programmierbares elektronisches Bauelement verstanden werden, während die übrigen Begriffe verschiedene EDV-Anlagen kennzeichnen. Ein Minicomputer etwa kann einen oder mehrere Mikroprozessoren enthalten.

Diese Unterscheidung erscheint notwendig, da sich im Zuge der schnellen technologischen Entwicklung auf diesem Gebiet noch keine einheitliche Sprechweise durchgesetzt hat.

Betrachtet man die unterschiedlichen Vertriebskonzepte der EDV-Hersteller einerseits und der Hersteller der elektronischen Bauelemente andererseits, so zeigt sich, daß von den Bauelementen-Herstellern wenig oder gar keine Applikationsunterstützung geleistet wird.

Jetzt wird es klar, warum eine problematische Situation entstehen mußte. Eine Problematik übrigens, die seit längerer Zeit in der EDV-Branche bekannt ist: Unbundling von Hardware- und Software-Preisen.

Für den Anwender ist die Tatsache ganz wichtig, daß Software, und zwar Anwendungspakete einschließlich Betriebssystemen, nicht mehr kostenlos der Hardware beigegeben werden. Praktiker rechnen in der derzeitigen Preissituation mit folgender Faustformel: Preis für einen Mikroprozessor x DM, für einen Mikrocomputer 100 x DM und für die Gesamtanwendung 10 000 x DM.

Software-Entwicklung für die gewünschte Anwendung stellt eine eigenständige, anspruchsvolle Leistung dar und erfordert somit kompetente Anbieter. Hier ergibt sich ein weites Betätigungsfeld für leistungsfähige Software-Häuser, die neben dem Know-how (EDV und entsprechendes Fachgebiet) wirkungsvolle Beratungstätigkeit beim Einsatz solcher Bauelemente liefern können.

Offensichtlich ist ein Umdenkungsprozeß auf der Seite der Anwender erforderlich. Verantwortungsbewußte Berater stellen seit langem das wichtige Gebiet der Software-Technologie in den Vordergrund. Die Erfordernisse beim Einsatz von Mikroprozessoren bestätigen diese Einschätzung voll und ganz. Berücksichtigen die Anwender die hier nur skizzierten Zusammenhänge, dann können ihnen in Zukunft böse Überraschungen weitgehend erspart bleiben. Der Einsatz der Methoden der modernen Software-Technologie erfordert die frühzeitige Heranziehung kompetenter Fachleute für Beratungs- und Realisierungsaufgaben.

Klaus Jamin, Professor für Organisation und Datenverarbeitung an der Fachhochschule München

Die Software für Mikrocomputer ist heute bei gleicher Leistung um 40 bis 50 Prozent preisgünstiger als Programme für Rechner der Mittleren Datentechnik. Warum ist das so?

Mikrocomputer wurden zuerst für Hobby-Anwender konzipiert - natürlich mit der Zielrichtung, später auch in den kommerziellen Markt einzudringen. Bei einem Kaufpreis von 2000 bis 3000 Mark ist es jedoch nicht möglich, ein Programm für den gleichen Preis anzubieten. So ging man von großen Stückzahlen aus, und diese Rechnung ging bei privaten Käufern auch meist auf.

In der Zwischenzeit hat sich jedoch in der Bundesrepublik - mehr noch als in den USA - ein Wandel vollzogen. Kleine Betriebe (Handwerker, Architekten, Vertreter) haben sich Mikrocomputer-Systeme angeschafft und wollen damit komplexe Probleme lösen. Programme dazu wurden zuerst von den Anwendern selbst "gestrickt". Bei einfachen Problemen ist das sicher lobenswert. Wie sieht es aber bei einem Lohnprogramm, einem Fakturierprogramm oder einer Trendberechnung aus? Hier wird auch der "kleine" Anwender mehr und mehr auf Software-Häuser angewiesen sein.

Die dabei entstehenden Probleme sind sowohl beim Anwender als auch beim Softwarehaus nicht gering und bringen es mit sich, daß Programme teurer als der Rechner werden können. Was fordert ein Benutzer unter anderem:

- Dialogbetrieb,

- Plausibilitätskontrollen (weil er nicht genügend EDV-Kenntnisse hat),

- Lösung seines Organisationsaufwandes, den er fast immer unterschätzt,

- Lösung von Problemstellungen für ein Mikrocomputer-System, das er nur für ein spezielles Problem gekauft hat, das jetzt aber mehr "machen" soll.

Das Softwarehaus hat dagegen die Probleme, daß

- wenig oder keine Dienstprogramme vorhanden sind,

- der Datenschutzmechanismus der Hardware nicht ausreichend ist,

- keine Normung der Sprache und der Datenträger vorliegt,

- die Aufwärtskompatibilität meist fehlt,

- die Software häufig weitergegeben wird.

Doch eine Lösung ist immer möglich: Der Anwender muß lernen, daß er zu seinem Mikrocomputer gute Programme benötigt - und die kosten Geld.

Dr. Peter Heiß, Geschäftsführer der GDO Dr. Heiß Gesellschaft für Datenverarbeitung und Organisation mbH, Dossenheim bei Heidelberg

In den vergangenen Jahren war vor allem auf technischem 'Gebiet ein verstärkter Einsatz von Mikroprozessoren gegeben. Die Einsatzgebiete liegen bei Rechner- und Peripheriesteuerungs-, Prozeßüberwachungs- und Kontrollsystemen, nachrichtentechnischen Systemen, Meß- und Regelungstechnik. In der Gegenwart und in der Zukunft werden jedoch auch Mikroprozessoren verstärkt im kommerziellen Bereich eingesetzt werden. An die Mikroprozessoren werden folgende Anforderungen gestellt:

- Sie müssen eine auf kleinstem Raum realisierte, komplette logische Verarbeitungseinheit darstellen,

- sie müssen robust sein,

- sie müssen wartungsfreundlich sein,

- sie müssen ein gutes Preis-/Leistungverhältnis haben.

Die GDO hat in mehreren Projekten den Einsatz von Mikroprozessoren vorbereitet und dabei folgende Feststellungen gemacht: Die Kosten für Hardware sind im Vergleich zu früher sehr gering, vergleichbar mit der Entwicklung bei Großsystemen. Einen nicht zu unterschätzenden Kostenfaktor stellt jedoch die Entwicklung der erforderlichen Software dar, durch die ein komplettes System ja erst voll einsatzfähig ist. Die Softwarekosten betragen - nach unseren Erfahrungen - etwa das Drei- bis Fünffache der Hardwarekosten und werden von den Anwendern oft unterschätzt. Hinzu kommt, daß bei der Entwicklung der Software detaillierte Hardware Kenntnisse vorhanden sein müssen. Erschwerend wirkt sich aus, daß in den meisten Fällen eine eigene Ablaufsteuerung entwickelt werden muß, und daß die Programmierung in meist von Hersteller zu Hersteller verschiedenen Assemblersprachen erfolgen muß (hoher Zeitaufwand).

Standardsoftware ist in den meisten Fällen nicht vorhanden und nicht kompatibel. Nach unseren Erfahrungen sollten vor Beginn eines Mikroprozessorprojektes die zu erwartenden Kosten der Softwareentwicklung genau abgeschätzt werden, um Überraschungen zu vermeiden.