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10.08.2001 - 

Geänderte Lizenzpolitik stößt in Behörden auf Kritik

Zu teuer - Microsoft verärgert den Bund

MÜNCHEN (wh) - Die von Microsoft geplanten Änderungen der Unternehmenslizenzverträge haben auf Bundesebene und in den Ländern zu Protesten geführt. Allein im Freistaat Bayern könnten Mehrkosten in Millionenhöhe entstehen. Wegen des massiven Widerstands hat sich der Hersteller zu Kompromissen bereit erklärt.

Als Microsoft im Mai eine Neuregelung seiner Unternehmenslizenzverträge ankündigte, reagierten etliche Großkunden und Analysten mit herber Kritik wegen damit verbundener Kostensteigerungen. Inzwischen haben auch Bund, Länder und Gemeinden Widerstand angekündigt. In den staatlichen und kommunalen Dienststellen Bayerns etwa würden die Änderungen zu Mehrkosten in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrags führen, erklärte ein Sprecher des Bayerischen Finanzministeriums.

Im Bund und in den Ländern haben diese Pläne "zu einem Sturm der Entrüstung" geführt, heißt es im zuständigen Referat Informations- und Kommunikationstechnik (IuK) des Staatsministeriums. Am 26. Juli schrieb Finanzminister Kurt Faltlhauser einen Briefan Bundesinnenminister Otto Schily, in dem er vor den finanziellen Auswirkungen der Lizenzpolitik warnte. Die Bundesländer handeln keine eigenen Verträge mit Microsoft aus, schließen sich aber in der Regel einem Rahmenvertrag an, den bisher das Bundesfinanzministerium unterzeichnete.

Die Zuständigkeit für solche Kontrakte ist inzwischen auf das Innenressort des Bundes übergegangen. In den Dienststellen des Freistaats sind derzeit zirka 80000 PCs installiert, hinzu kommt etwa die gleiche Anzahl in den Kommunen. Schätzungsweise 90 Prozent der Rechner arbeiten unter einer Windows-Version mit Microsofts "Office"-Suite, so das IuK-Referat. Insgesamt wären demnach rund 150000 PCs von den Änderungen betroffen.

Die Bayern machten von der bisher geltenden Vertragsoption "Versions Upgrade" regen Gebrauch. Derzufolge können Kunden für einen Bruchteil der regulären Lizenzkosten auf das jeweils aktuelle Release von Windows oder Office wechseln, unabhängig von der eingesetzten Version. Diese und alle weiteren Upgrade-Vereinbarungen will der Hersteller durch Alternativmodelle wie einen Wartungsvertrag ("Software Assurance") oder ein Mietangebot ersetzen. Davon profitieren allerdings nur Unternehmen, die stets auf die neuesten Varianten umsteigen.

In den Dienststellen des Freistaats hingegen ist es die Regel, mindestens ein Release auszulassen; die Kommunen dürften ähnlich verfahren. Das ursprüngliche Angebot Microsofts, Verträge mit regelmäßigen Upgrades (Software Assurance) abzuschließen, hätte allein für das Bayerische Finanzminsterium eine Steigerung der Lizenzkosten um 130 Prozent bedeutet, errechnete das IuK-Referat.

Im Freistaat hofft man nun auf das Bundesinnenministerium, das derzeit einen neuen Rahmenvertrag mit Microsoft verhandelt. Wegen des wachsenden Widerstands hat sich der Hersteller zu Konzessionen bereit erklärt, heißt es in Bayern. Ein Kompromissvorschlag sehe vor, dass die geplanten Änderungen erst zum 1. März 2002 in Kraft treten. Zudem solle bis 31. Mai 2004 eine Sonderregelung gelten, die nur zu geringfügig höheren Lizenzgebühren führt.

Nach dem 31. Mai 2004 würden jedoch die ursprünglich vorgesehenen Modifikationen übernommen. Danach müssen Kunden im Rahmen eines Wartungsvertrags (Software Assurance) 26 Prozent der Lizenzkosten für Server-Produkte oder 29 Prozent für Office-Produkte bezahlen. Das Problem wäre in diesem Fall nur verschoben, argumentieren die Bayern.

Microsoft-Sprecher Thomas Baumgärtner erklärte unterdessen, die Verlängerung des alten Modells bis zum 28. Februar 2002 gelte für alle Unternehmenskunden. Sie sollen bei der Umstellung ihrer Verträge mehr Zeit erhalten als ursprünglich vorgesehen. Die Änderung sei nicht zuletzt auf Drängen des Bundes hin beschlossen worden. Über Details der Vertragsverhandlungen wolle man derzeit nicht sprechen. Microsoft rede mit allen großen Select-Kunden über die Ausgestaltung künftiger Lizenzvereinbarungen, so Baumgärtner. Wie schon bisher seien dabei auch individuelle Verträge möglich.

Gravierende Auswirkungen für die BundesverwaltungAuch im Bundesinnenministerium hält man sich noch bedeckt. Der zuständige Ministerialrat Rolf Krost spricht zwar von "gravierenden finanziellen Auswirkungen für die Bundesverwaltung". Die Verhandlungen hätten aber erst begonnen.

Krost leitet die Koordinierungs- und Beratungsstelle der Bundesregierung für Informationstechnik in der Bundesverwaltung (KBSt) im Bundesinnenministerium. Unter seiner Leitung erarbeiten Vertreter von Bund und Ländern derzeit eine "gemeinsame Haltung zu Microsofts Lizenzpolitik". In Bayern wertet man das Einlenken des Softwarekonzerns als Erfolg der lauten Proteste. "Microsoft hat offenbar nicht mit einem derart massiven Widerstand gerechnet", heißt es im Bayerischen Finanzministerium.