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29.10.1976 - 

DV-Kaufleute in der Praxis

Zu viel Erfahrungen erwartet

MÜCHEN -"Die meisten in unserer Klasse hatten Angst, von der Ausbildungsfirma nicht übernommen zu werden und dann keine Stelle zu finden", erzählt Karin Barthelmess (22) über die Situation der Datenverarbeitungskaufleute nach ihrer Ausbildung. Als Karin Barthelmess im Februar 1976 ihr Abschlußzeugnis in der Tasche hatte, war sie arbeitslos: Ihre Firma behielt nur einen von fünf ausgebildeten Datenverarbeitungskaufleuten. "Ich habe daraufhin ungefähr zehn Bewerbungen weggeschickt, und nach vierzehn Tagen bekam ich eine Zusage von der Wilhelm Frank GmbH in Leinfelden."

Eine angenehme Überraschung

Karin Barthelmess arbeitet heute als Anwendungsprogrammiererin und ist mit ihrer Tätigkeit sehr zufrieden - im Gegensatz zu anderen jungen Damen, die nach der Ausbildung zum DV-Kaufmann als Locherinnen darauf warten, eines Tages eine interessantere Stelle zu finden. Auch die Firma war von der neuen Mitarbeiterin "angenehm überrascht".

Gute Erfahrungen mit DV-Kaufleuten machte auch die Maschinenfabrik Hermann Traub in Reichenbach. Ilse Mayer (25) arbeitet dort seit ungefähr drei Jahren ebenfalls als Anwendungsprogrammiererin. Sie machte bei der Firma eine Lehre als DV-Kaufmann und hatte das Glück, nach Abschluß der Ausbildung übernommen zu werden. Heute schreibt sie Programme in PL/1 für Betriebsabrechnung und Buchhaltung wie auch ihre

Kollegin in Leinfelden, die Cobol-Programme erstellt.

Über die Berufsschul-Ausbildung herrscht Einklang: "Wir hatten gute Lehrer und sind zufrieden mit dem, was wir gelernt haben." Ilse Mayer ist der Ansicht, daß "ein bißchen weniger Betriebswirtschaftslehre" auch genügt hätte. Kein Wunder, denn sie hat das Wirtschaftsabitur gemacht, ihre Kollegin dagegen das normale Abitur. Beide meinen, daß Lehrlinge, die in großen Betrieben ausgebildet werden, Vorteile haben. "Sie haben mehr Möglichkeiten und bekommen auch nach der Ausbildung schneller eine Stelle, wenn ihre Firma sie nicht übernimmt." Trotzdem werden bei der Einstellung von den Schulabgängern heute schon Erfahrungen vorausgesetzt, die normalerweise erst nach einigen Jahren vorhanden sein können.

Praktische Ausbildung besser als Schule

Durch die zweigleisige praktische Ausbildung im kaufmännischen wie auch im EDV-Bereich haben die DV-Kaufleute eine gute Basis und werden Bewerbern vorgezogen, die nur eine rein schulische Ausbildung vorweisen können. Bei der Wilhelm Frank GmbH ist beispielsweise ein Programmierer beschäftigt, der einen bewegten beruflichen Werdegang hinter sich hat: Erich Immervoll (25) machte eine Lehre als Großhandelskaufmann, danach den praktischen Betriebswirt und besuchte dann die DGB-Fachschule für Datenverarbeitung, um DV-Organisator zu werden. Er ist mit seiner DGB-Ausbildung nicht sehr zufrieden. "In meiner Klasse war alles vertreten, vom Handwerker bis zum Betriebswirt." Natürlich gab es Schwierigkeiten beim Unterricht. "Während die einen nicht wußten, was ein Konto ist, diskutierte die andere Gruppe über komplizierte betriebswirtschaftliche Vorgänge."

Statistik statt DV

"Wir lernten mehr Wahrscheinlichkeitsrechnung, und Statistik als die Studenten an manchen Universitäten. Dafür hatten wir aber nur vier, Stunden pro Woche Programmierunterricht." Erich Immervoll übt heute die gleiche Tätigkeit aus wie seine Kollegin Karin. Barthelmess. Dazu der EDV-Leiter H. Böttinger: "Hier zeigen sich die Vorteile einer praktisch/theoretischen Ausbildung zum

DV-Kaufmann gegenüber der rein schulischen

Ausbildung."