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12.07.1996 - 

SNI-Chef Schulmeyer will weniger Regulierung

Zu viele Gesetze blockieren notwendige Veränderungen

Gerhard Schulmeyer wagte sich in die Höhle des Löwen, als er an einer Diskussion im Rahmen des IG-Metall-Kongresses "Arbeiten in der Informationsgesellschaft" in Düsseldorf teilnahm.

Zunächst beschrieb der SNI-Vorstandsvorsitzende die Veränderungen, mit denen sich seine Branche in den nächsten Jahren auseinandersetzen müsse. Nicht mehr bisher Erreichtes wie Kapital oder Produktionsstraßen entscheiden maßgeblich über den Erfolg, sondern das Wissen der Mitarbeiter. Das gelte insbesondere für die IT-Branche, die immer stärker zu einer auf Wissen basierenden Industrie werde. Er könne nur hoffen, daß die Beschäftigten sich entsprechend verhielten.

Im Schnelldurchgang zählte der Münchner Manager auf, wodurch sich solche Unternehmen auszeichneten. Einmal sind es die "extrem steilen Lernkurven". Wissen veralte sehr schnell, deshalb sei Schulung eine unabdingbare Voraussetzung, um an der technologischen Spitze mitzuhalten. "Wer heute bei einem Produkt einen Vorsprung von einem halben Jahr hat, ist bereits nicht mehr einzuholen", glaubt der SNI-Chef.

Weniger gut gefällt dem Amerika-Anhänger Schulmeyer hierzulande "die Sehnsucht nach dem Alten". Die Umsetzung seines "Culture-Change"-Programmes bei SNI sei in Deutschland am schwierigsten gewesen. Die zahlreichen bürokratischen Hürden verlangsamten jede Veränderung. "Ich reagiere allergisch auf Regulierungen", bekannte der Manager. Der Trend gehe eindeutig in die andere Richtung, also Deregulierung, und hier habe Deutschland noch einen weiten Weg zurückzulegen.

Bürokratische Hemmnisse müßten in den Betrieben zuerst abgeschafft werden. Er könne nicht verstehen, daß selbst Führungskräfte nach Jobbeschreibungen verlangten, er suche den ganzheitlich agierenden Manager, der sich von seinem Abteilungsdenken lösen könne.

IG-Metall-Vorstandsfrau Karin Benz-Overhage vermutete in ihrer Antwort auf Schulmeyers Ausführungen, daß dieser ein Opfer der speziellen "bürokratischen Siemens-Welt" geworden sei. Allgemein glaubt sie nämlich nicht, daß zuviel geregelt wird. Das Gegenteil sei der Fall, die Arbeitnehmerrechte würden durch neue Management-Methoden und Unternehmensstrukturen eher ausgehöhlt. Sie könne nicht verstehen, warum sich die Firmenchefs gegen mehr Mitbestimmungsrechte der Mitarbeiter wehrten, wo doch ständig an deren Mitverantwortung appelliert werde.

Benz-Overhage wirft den Re-Engineering-Anhängern vor, daß sie zuwenig dem Sicherheitsbedürfnis der Mitarbeiter Rechnung trügen. In einer Situation, in der Beschäftigte mit dem Gefühl lebten, jeden Tag entlassen werden zu können, entstehe keine Motivation und wenig Bereitschaft, Veränderungsprozesse mitzumachen.