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09.11.2001 - 

Die technischen Probleme der Mietsoftware

Zu viele Stolpersteine für ASP

MÜNCHEN (jha) - Das Geschäft mit dem Application-Service-Providing (ASP) will nicht richtig in Schwung kommen. Die derzeit lahmende Konjunktur als alleinigen Grund dafür zu nennen wäre falsch, denn das Modell der Mietsoftware steht noch vor ungelösten technischen Problemen.

Es gibt viele Antworten auf die Frage, warum der ASP-Markt bislang nicht den hoch gesteckten Erwartungen entsprechen konnte: "Die IT-Verantwortlichen in den Unternehmen sind zurzeit die Bremser", meint etwa Christian Kruppa, Vorsitzender des Vorstands beim ASP-Konsortium e.V., Unterschleißheim bei München. Sie hätten Bedenken, Daten außer Haus zu geben, insbesondere, wenn es sich um neue Anbieter handle. "ASP über das Internet ist zum Scheitern verurteilt, weil solche Lösungen ein Bandbreitenproblem haben", argumentiert hingegen Rudolf Hotter, Vorstandssprecher und Chief Operating Officer von Einsteinet, einem Outsourcing-, Hosting- und ASP-Anbieter, der eine eigene bundesweite Netzinfrastruktur unterhält. Seinem eigenen Geschäft dürfte eine solche Bemerkung dienlich sein, dem ASP-Markt als Ganzes wohl kaum.

Eine Frage des DesignsDoch trotz des eigenen Weitverkehrsnetzes wird sich auch Einsteinet nicht der Tatsache entziehen können, dass Mietsoftware-Angebote unter technischen Gesichtspunkten noch nicht ausgereift sind. So gibt es zwei grundsätzliche Gestaltungsmöglichkeiten von ASP-Angeboten, und zwar die Web-basierte sowie die Terminal-Server-basierte Anwendung. Beide Lösungen sind mit Schwierigkeiten behaftet. Ersteres Design greift entweder auf HTML- beziehungsweise Script-Codes oder auf Java-Servlets, -Applets und Active X Controls zurück, um Anwendungen zu erstellen. Das Problem: Die Applikationen müssen erst geschrieben werden, so dass kaum ein ASP-Anbieter aktuell derartige Lösungen im Einsatz hat. Ausnahmen sind spärlich gesät, dazu zählen etwa die Web-Tools (ehemals Star Office) von Sun, die beispielsweise von Mobilcom E-Business im ASP-Modell vertrieben werden.

Im Falle der reinen HTML-Applikationen, die auf dem zentralen Server laufen, tun sich Schwierigkeiten bei der komfortablen Nutzung auf. Dieter Kempf, Vorsitzender des Vorstands der Datev e.G., Nürnberg, skizzierte anlässlich des Kongresses "IT Meets Business" der COMPUTERWOCHE ein Beispiel: "Sie können es dem Nutzer nicht zumuten, dass er ein komplett ausgefülltes Formular vom zentralen Server mit dem Hinweis zurückbekommt, er solle sämtliche Eingaben erneut machen, weil das erste Feld die Plausibilitätskontrolle nicht bestanden habe."

Fette Clients erforderlichWird eine Applikation hingegen auf Basis von Java-Applets oder Active X Controlls entworfen, ist wiederum Intelligenz am Endgerät erforderlich. Das geht kaum beziehungsweise nur langsam mit Thin Clients. Es bleibt nichts anderes übrig, als PCs einzusetzen, womit wiederum die Supportkosten steigen. Ein wesentliches Argument für den Einsatz von ASP-Software, nämlich die Reduzierung der Total Cost of Ownership (TCO), ist somit schwer umsetzbar, da die Gesamtkosten laut dem Rechenmodell von Gartner zu 43 Prozent vom Supportaufwand dominiert werden.

Das Gros der derzeit eingesetzten Mietsoftware-Modelle basiert auf der Kombination von Windows Terminal Server und CitriX "Metaframe". Der Vorteil dieser Lösung besteht darin, dass vorhandene Windows-Applikationen ohne Eingriffe netzfähig sind. Den ASP-Anbietern eröffnet sich damit eine unglaublich große Zahl von Anwendungen, die sie als Mietsoftware vertreiben können. Problematisch an diesem Ansatz aus Anbietersicht ist vornehmlich, dass hohe Lizenzkosten an die Softwareanbieter anfallen, dedizierte und leistungsfähige Server für die Citrix-Umgebung erforderlich sind, und dass sich verschiedene Applikationen nicht integrieren lassen, um etwa durch Bündelung einen Mehrwert oder exklusive Services zu schaffen.

Beim Drucken gibt es ProblemeAbgesehen von diesen Hürden funktioniert das Modell einwandfrei - solange die Nutzer auf das Ausdrucken von Dokumenten verzichten. Im einfachen Betrieb übermittelt der Server dem entfernten Client lediglich die Daten für den Bildschirmaufbau, den umgekehrten Weg nehmen Informationen über Tastatur- und Mauseingaben. Die gesamte Verarbeitungslogik findet hingegen auf dem Applikations-Server beim ASP-Anbieter statt. So lange der Anwender mit der gemieteten Applikation arbeitet, passieren nur geringe Datenmengen das Netz (in der Regel eine Weitverkehrsstrecke), so dass vorhandene Übertragungsverfahren wie ISDN oder analoge Anschlüsse ausreichen.

Das ändert sich schlagartig, wenn Druck-Jobs ausgelöst werden, denn dann müssen Pakete im Megabit-Bereich übertragen und durch das Nadelöhr der letzten Meile geschleust werden. Selbst zwei gebündelte ISDN-Kanäle mit 128 Kbit/s dürften für derartige Anforderungen zu schmal sein. Breitbandige Mietleitungen sind dagegen zu teuer und würden die Wirtschaftlichkeit eines ASP-Angebots in Frage stellen. Eine zumindest theoretische Lösung des Problems kommt in Form der xDSL-Technik daher, doch mit der Verfügbarkeit hapert es in Deutschland.

Mangelnde Bandbreite in DeutschlandBreite Anschlussmöglichkeiten bietet derzeit einzig die Deutsche Telekom. Ihr "T-DSL"-Paket soll derzeit bereits in 600 Ortsnetzen verfügbar sein, dass heißt allerdings keineswegs, dass jedes kleine und mittelständische Unternehmen einen Zugang bekommen kann. Besonders in ländlichen Gegenden liefert die Online-Verfügbarkeitsprüfung häufig Ergebnisse der Art: "Ihr Anschlussbereich wird voraussichtlich bis zur 43. Kalenderwoche 2002 ausgebaut. Wir nehmen gerne Ihre Bestellung an. Eine definitive Anschlusszusage und einen definitiven Termin können wir Ihnen erst nach Messerkundung erteilen." Zudem sind Wartezeiten von mehreren Monaten keine echte Alternative für ASP-Interessenten.

Die ASP-Anbieter testen derzeit noch verschiedene Verfahren, dem Druckproblem Herr zu werden. Die Datev versucht beispielsweise, Druckdaten auf Seiten des Windows Terminal Servers in ein Portable Document Format (PDF) zu wandeln und zu übertragen. Auf der Client-Seite ist ein Reader (etwa Adobe Acrobat) samt Verarbeitungsintelligenz erforderlich, so dass die Daten lokal aufbereitet und an den Drucker weitergeleitet werden können. Abschließende Erkenntnisse über die Funktionsfähigkeit dieses Verfahrens gibt es bisher nicht, die Datev experimentiert noch. Einsteinet hingegen versucht sich an der Technik des Load Balancing. Das Nadelöhr der letzten Meile, die nach wie vor fest in Telekom-Hand ist, wird damit aber nicht vergrößert. Datev-Mann Kempf rät daher jedem, der mit dem Einsatz von Mietsoftware liebäugelt: "Schauen Sie sich den erwarteten Druck-Output an, bevor Sie sich entscheiden."

Abb.1: Was spricht gegen die ASP-Nutzung?

Immerhin knapp ein Viertel der Unternehmen, für die die ASP-Nutzung grundsätzlich denkbar ist, hat Zweifel ob der technischen Umsetzbarkeit von Mietsoftware-Modellen. Quelle: Berlecon

Abb.2: ASP-Nachfragepotenzial

Befragt wurden Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern. In die obenstehende Grafik flossen nun die Antworten der Anwender ein, die potenzielle ASP-Nutzer sind. Quelle: Berlecon