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30.04.2004 - 

Was Mitarbeiter und Unternehmen für eine gute Work-Life-Balance tun können

Zufriedene Mitarbeiter bringen mehr

30.04.2004
MÜNCHEN (hk) - Der Druck am Arbeitsplatz wächst. Arbeitgeber werden sich aber unzufriedene und kranke Mitarbeiter kaum leisten können. Wenn es darum geht, den Stress erträglich zu halten, sind Firmen und Angestellte gleichermaßen gefordert.

Unsere Arbeitswelt wird sich in den nächsten Jahren rasant verändern. Experten weisen darauf hin, dass in den hoch entwickelten Ländern heute die meisten Menschen Bürojobs haben und 65 Prozent der Beschäftigten ihr Geld im Dienstleistungssektor verdienen. Immer mehr Freelancer und Existenzgründer wie Ich-AG-Betreiber werden das Bild des Arbeitsmarktes bestimmen, aber auch Beschäftigte mit mehreren Auftraggebern oder Teilzeitarbeiter, die ein paar Monate arbeiten und dann eine Zeit lang ohne Job sind. "Der Trend, permanent und überall erreichbar und von jedem Ort und zu jeder Tageszeit einsatzfähig zu sein, hat sich rasend schnell entwickelt", so die Unternehmensberaterin Birgit Godehardt aus Köln auf einer Veranstaltung des berufsgenossenschaftlichen Instituts Arbeit und Gesundheit in Dresden. Es sei naiv zu glauben, dass der "extreme" Kosten- und Zeitdruck sowie der Wunsch der Arbeitgeber nach permanenter Prozessoptimierung und Qualitätsverbesserung, abnehmen würden.

Immerhin 41 Millionen Beschäftigte in der EU leiden unter arbeitsbedingtem Stress, so die europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Die Folge sind 600 Millionen Fehltage und 44 Milliarden Euro pro Jahr volkswirtschaftlicher Schaden. "Arbeitsbedingter Stress ist der Ausdruck eines organisatorischen Problems und nicht die Schwäche eines Einzelnen", schlussfolgert die Agentur.

Aber nicht nur das berufliche Umfeld verändert sich. Godehardt weist auf die Situation im Privatleben hin. Existenzängste wegen drohender Arbeitslosigkeit sind verbreitet, instabile Partnerschaften und Patchwork-Familien sowie Freizeit-Stress führen zusätzlich zu psychischen und physischen Belastungen. In diesen Zeiten sei eine vernünftige Work-Life-Balance besonders wichtig, in der sich Gesundheit, Fitness, Privatleben und Partnerschaft mit Arbeit und Karriere in Einklang bringen ließen. "Balance bedeutet nicht das süße Nichtstun, sondern anregende Abwechslung und Ausgewogenheit", so die Beraterin.

Christine Flüter-Hoffmann, Projektleiterin am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, ist zuversichtlich, dass die deutschen Arbeitgeber langsam verstehen, dass Mitarbeiter umso produktiver sind, je zufriedener sie an den Arbeitsplatz kommen. Das sind sie vor allem dann, wenn sie ihre Arbeitszeit flexibel gestalten können. "Eine selbstverantwortliche Zeitplanung trägt stark zu einer höheren Motivation bei." Sie steigere zudem die Arbeitsplatzattraktivität.

Neue Chefs braucht das Land

In einer Befragung des Instituts gaben immerhin drei Viertel aller Unternehmen an, dass sie Modelle zur Arbeitszeitflexibilisierung anböten. Damit ständen deutsche Arbeitgeber im europäischen Vergleich gut da. Zurückhaltend sind die deutschen Chefs allerdings gegenüber Telearbeit. Lediglich acht Prozent der befragten Unternehmen praktizieren diese Organisationsform. Flüter hat als Verhinderer das mittlere Management im Verdacht, das nicht bereit sei, sich den modernen Führungsmethoden zu stellen und den Koordinationsaufwand scheue: "Diese Leute müssen Tele-Manager werden, die Ziele klar formulieren können, und daran mangelt es eben."

Flüter weiß, dass Mitarbeiter Dienstleistungsangebote ihrer Firmen wie Bügel- und Einkaufsservice oder auch die Bereitstellung von Pflegepersonal für kranke Angehörige oder Kinder sehr schätzen. Vor allem bei Letzterem aber gebe es noch einen erheblichen Nachholbedarf, denn nur zwei Prozent der Arbeitgeber bieten eine Kinderbetreuung an. Viele Unternehmen sähen es nicht als ihre Aufgabe an, sich darum zu kümmern, zudem seien die bürokratischen Hürden hierzulande sehr hoch. Auch beim Thema Gesundheits-Management zeigten sich die Betriebe zurückhaltend, erst recht in diesen schwierigen Zeiten, weiß die Kölner Wissenschaftlerin. In der Regel boten nur Konzerne ihren Beschäftigten Sportprogramme oder in Ausnahmefällen einen Gesundheitscheck an. Flüters Eindruck ist, dass viele Arbeitgeber den Zusammenhang zwischen erhöhter Produktivität und Mitarbeiterzufriedenheit noch nicht verstanden haben. Sonst würden sie sich stärker mit den oben genannten motivationsfördernden Instrumenten befassen. "Schon aufgrund der demografischen Entwicklung - Prognosen gehen in den nächsten Jahren von einem erhöhten Fachkräftemangel aus - müssen sich die Firmen mit allen Facetten der Mitarbeiterbindung auseinander setzen", so Flüter.

Auf ein anderes Mittel, das Wohlbefinden und damit die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu steigern, weist Margrit Lipczinsky aus Konstanz hin. Die frühere Chefjuristin eines internationalen Konzerns berät heute Unternehmen bei der Gestaltung ihrer Büroräume und hat dazu auch Bücher verfasst. Sie wirft den Arbeitgebern vor, dass sie Millionen Euro in repräsentative Glaspaläste investierten und sich wenig Gedanken über die Inneneinrichtung machten. "Es entstehen kalte, kantige Bauwerke, die zwar Aufsehen erregen und daher als modern gelten, den darin arbeitenden chronisch belasteten Mitarbeitern aber zusätzliche unnötige Stressreize aufbürden", kritisiert Lipczinsky.

Die Fraunhofer-Studie "Office 21", die sich mit Arbeitskonzepten der Zukunft beschäftigt, stellt fest: "Je mehr Wohlfühl-Qualität im Büro entsteht, desto mehr trägt dies insgesamt zu einer positiven Unterstützung der Office Performance bei." Typische Einrichtungsmöbel und Dekorationen widerspiegelten die Aggressivität und stilistische Desorientiertheit unserer Zeit. Lipczinsky empfiehlt dagegen "Mut zu Farbe, Schwung und Frische".

Probleme aktiv angehen

Aber: Selbst der beste Mitarbeiterservice und das schönste Büro helfen nicht weiter, wenn wir nicht auch an uns selbst arbeiten, meint Andrea Abele-Brehme, Inhaberin des Lehrstuhls für Sozialpsychologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Das fängt bereits mit der Lebenseinstellung an. So helfe "die leicht rosa gefärbte Brille", also der freundliche Blick auf die eigene Person, aber auch die positive Einschätzung persönlicher Einflussmöglichkeiten: "Leute mit optimistischer Einstellung haben es im Leben leichter." Und noch einen Tipp hat die Wissenschaftlerin parat: Wer unzufrieden ist, sollte die Probleme aktiv angehen. Alle ihre Untersuchungen belegten, dass Menschen, die sich vor den Herausforderungen nicht versteckten, bei weitem glücklicher seien als die, die ihren Kummer mit sich herumschleppten.