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25.01.1991 - 

Immer mehr Hersteller integrieren ISO-Protokolle in ihre Produkte

Zukunft des Managements von High-Speed-Netzen liegt bei OSI

Gerade bei Hochgeschwindigkeitsnetzen ist ein umfassendes Konzept für die Überwachung, Steuerung und die Betriebssicherheit wegen der hohen Datenraten besonders wichtig. Da die Anwender heute Interoperabilität fordern, haben proprietäre Netz-Management-Produkte keine Zukunft mehr. Der Trend bei der Netzverwaltung geht eindeutig in Richtung OSI. Wege der Migration skizziert Ernst Zierler im folgenden Beitrag.

High-Speed-LANs und MANs (Metropolitan Area Networks) unterscheiden sich in zwei Punkten von herkömmlichen lokalen Netzen:

Erstens: Sie werden nicht nur von einem Netzwerkbetreiber genutzt.

Zweitens: Sie müssen Geräte und Systeme der verschiedensten Hersteller "unter einen Hut" bringen.

Dadurch sind herkömmliche Communication-Network-Management-Produkte (CNM) nicht oder nur bedingt geeignet, da sie in Sachen Datensicherheit auf diese Erfordernisse zuwenig Rücksicht nehmen. Außerdem sind bei Hochgeschwindigkeitsnetzen ungleich größere Datenmengen zu transportieren und daher auch zu managen.

Als Basis des Netz-Managements wird wohl in Zukunft nur mehr eine Lösung nach dem "Open-System-Interconnection (OSI)-Referenz-Modell" der International Standards Organization (ISO) in Frage kommen.

Nur Bausteine müssen ausgetauscht worden

Nach den Vorstellungen von ISO soll ein Netz-Management-Produkt modular aufgebaut sein und für jede der sieben Ebenen einen den Standards entsprechenden Baustein enthalten.

Dabei soll der Austausch von Daten und Kontrollinformationen wie bei allen Kommunikations-Bausteinen auf den zwei Protokollgruppen "Peer Protocols" zwischen Ebenen gleichen Ranges und "Inter-Layer Protocols" jeder Ebene zum oberen und unteren Nachbarn abgehandelt werden.

Diese Lösung bringt es mit sich, daß man jedes Transportmedium in ein umfassendes Management-Konzept einbeziehen kann. Vom Standpunkt der Standardisierer ist ein Hochgeschwindigkeitsnetz eben auch "nur" ein Transportmedium und daher leicht integrierbar. Wenn man also von dieser OSI-Lösung ausgeht, muß bei Einsatz eines High-Speed-LANs nur der Teil des CNM-Produktes eingesetzt beziehungsweise der Baustein ausgetauscht werden, der sich mit den Ebenen eins bis drei befaßt. Genauso können Teilstücke in einem Datennetz nach SNA- oder TCP/IP-Regeln arbeiten und ohne großen Aufwand in ein umfassendes CNM-Konzept einbezogen werden. Selbst eine Migration, zum Beispiel von einem auf Lichtwellenleiter aufgesetzten Token-Ring-Netzwerk auf FDDI, ist ohne Komplikationen durchführbar.

Das Produkt selbst, das die CNM-Funktion im Hochgeschwindigkeitsnetz wahrnimmt, kann auf jeder beliebigen Hardware installiert werden, sobald diese "Box" an das High-Speed-LAN oder auch MAN (dem zukünftigen Kommunikationsnetz der Netzwerk-Anbieter wie die Postgesellschaften in Europa etc.) angeschlossen werden kann. Dabei kann diese Funktion auch in leistungsfähige Brückengeräte integriert werden, die herkömmliche LANs an das schnellere LAN oder MAN anbinden.

In jedem Falle aber müssen diese Produkte, in der ISO-Terminologie als "Agents" bezeichnet, permanent alle Daten und Protokollinformationen speichern und analysieren, damit jederzeit eine Wiederherstellung der Daten beziehungsweise der Verbindungswege gewährleistet werden kann.

Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Tatsache, daß bei Hochgeschwindigkeitsnetzen überaus große Datenmengen gespeichert und verarbeitet werden müssen. Man muß sich der Tatsache bewußt sein, daß bei einem Ausfall von der Dauer einer Sekunde, der nicht ordnungsgemäß behandelt werden könnte, eine Datenmenge von 10 MB und mehr verloren werden kann.

Als Hardware wird sich daher wohl ein "Dedicated System" mit RISC-Prozessor am besten eignen. Um diese Mengen an Kontroll- und Nutzdaten speichern zu können, wird man auch leistungsfähige Massenspeicher, zum Beispiel Optical Discs oder ähnliches, einsetzen müssen, da ein permanentes Übertragen der Daten zu einem Großrechner das Netz unnötig belastete und dadurch der Durchsatz stark eingeschränkt würde. Es bleibt also nichts anderes übrig, als die Daten lokal zu speichern beziehungsweise zu analysieren und die entsprechenden Aktionen zu setzen. Nur Ereignisdaten, Fehlermeldungen und Statistiken werden zum CNM-Rechner übertragen.

Für den Anschluß des Management-Rechners bietet sich eine Mehrfach-Anschlußstelle an, wie sie bei FDDI-Netzen erhältlich ist. Ein Einzelanschluß nur für das CNM-System wird sich wegen der hohen Kosten vorläufig kaum auszahlen.

Die Kommunikation mit dem eigentlichen Management-Produkt, von welchem Hersteller dieses auch immer geliefert wird, erfolgt über eine Session (logische Verbindung) nach Standardprotokollen, so daß die Informationen (Traces, Fehler- und Statistikdaten etc.) auch an mehrere Rechner oder Systeme übermittelt werden können. Diese ISO-Standardprotokolle sind bereits verfügbar und von einigen Herstellern von CNM-Produkten mit Erfolg in ihren Lösungen implementiert worden. Auch andere Anbieter akzeptieren diese Protokolle und bieten Schnittstellen an, die diese entsprechend konvertieren.

Die "hauseigenen" CNM-Produkte, die dann auch die höheren Ebenen des OSI-Modells abdecken, werden weiterhin auf Großrechnern installiert sein, in Zukunft wahrscheinlich auf einem eigenen "CNM-Rechner".

Ein solcher "Dedicated CNM Processor" ist speziell dann zu implementieren, wenn auf zukünftigen öffentlichen Netzen wie MANs die Daten verschiedener Klienten mit digitalisierter Sprache etc. vermischt werden.

Diese ins Kommunikationsnetz integrierten CNM-Rechner werden auch den Aspekt der Datensicherheit und des Datenschutzes verstärkt berücksichtigen müssen. Auch hier ist eine permanente logische Verbindung zwischen dem "öffentlichen" Netz-Management-Produkt und den einzelnen CNM-Produkten der Kunden unumgänglich notwendig. Wie anders sollten Daten, die aufgrund eines festgestellten Protokoll- oder Leitungsfehlers zu regenerieren oder zu wiederholen sind, an das Quellen- beziehungsweise Zielsystem gesandt werden?

Ein positiver Aspekt überstrahlt hier all die scheinbar negativen Faktoren, wie zum Beispiel die hohen Kosten, die leistungsfähige CNM-Produkte in diesen High-Speed-Netzen ohne Zweifel verursachen: Da alle DV-Hersteller unter dem Druck ihrer Kunden auf die Linie von ISO einschwenken mußten, wird das bisherige Problem der unterschiedlichen Lösungen für das Netz-Management (nicht nur bei Hochgeschwindigkeitsnetzen, sondern bei LANs überhaupt) in Zukunft nicht mehr existent sein.

Wenn man zum Beispiel die neuen Ankündigungen von IBMs Netview betrachtet, sind dort eindeutige Ansätze in Richtung OSI-Management zu erkennen. Andere Hersteller wie Hewlett-Packard sind schon früher auf die ISO-Linie eingeschwenkt.

Der Kunde wird also in absehbarer Zukunft auch im Sektor Netzwerk-Management zwischen mehreren Lösungen wählen können und nicht mehr an das Produkt "seines" Hardwareherstellers gebunden sein.