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27.10.1995

Zukunft des virtuellen Klassenzimmers in Gefahr IBM: Zu hohe Telefongebuehren verhindern das Online-Lernen

HANNOVER (hk) - Alle sind neugierig auf das Lernen auf dem Information-Highway. Die Bildungschefs von IBM, HP, Microsoft und SNI versuchten in Hannover im Rahmen einer CW-Veranstaltung, Antworten auf die Frage zu geben, wohin im allgemeinen die Reise im DV-Schulungsmarkt geht und was neue Medien im besonderen dazu beitragen koennen.

Einig waren sich die Diskutanten darin, dass Online-Lernen und Schulung mit Multimedia kuenftig wichtig sein werden. Was die Ausbreitung und die Bedeutung von neuen Formen des Lernens ueber elektronische Kanaele betrifft, gehen die Meinungen durchaus auseinander.

Rolf Apitzsch zum Beispiel, Geschaeftsfuehrer der IBM Bildungsgesellschaft in Herrenberg, kann die "multimediale Euphorie", die einige verbreiten, nicht teilen. Er ist ueberzeugt, dass sich die Zukunft des Lernens nicht im Internet abspielen wird. Lernen werde nach wie vor im Klassenraum stattfinden. Entscheidend ist fuer ihn der optimale Mix aus klassischen und neuen Methoden mit einer gehoerigen Portion Praxisanteil.

"Neue Medien koennen die alten bewaehrten Methoden nicht ersetzen", glaubt der IBM-Manager. Qualitaet und Wissenstransfer seien feste Groessen im Seminargeschaeft.

Zwar beabsichtige auch sein Unternehmen, bis Ende des Jahres Kurse in das weltweite Netz zu stellen, inwieweit dieses Angebot indes angenommen werde, stehe auf einem anderen Blatt. Spaetestens am Ende jeden Monats, wenn der Endverbraucher seine Telefonrechnung begutachtet und Betraege von einigen hundert Mark darauf stehen, werde er sich ueberlegen, inwieweit er auf die elektronischen Dienste zurueckzugreifen gedenkt. "Die Telekom ist Verhinderer von Schulung", schimpft Apitzsch auf die Gebuehrenpolitik des Bonner Carriers.

Auch fuer Thomas Neumann von Hewlett-Packard bedeutet Multimedia keinesfalls die Zukunft der Weiterbildung, es sei lediglich "eine Facette, eine Unterstuetzungsfunktion - mehr nicht". Multimedia sichere Unabhaengigkeit, Modularitaet und Flexibilitaet.

Optimistischer zeigte sich Udo Dierk, Geschaeftsfuehrer des Trainingsbereiches bei der Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG, Muenchen: "Multimedia eroeffnet neue Lernchancen." Die juengere Generation habe keine Hemmschwellen bezueglich des Umgangs mit neuen Technologien. Deshalb sei es fuer ihn eine Frage des Generationswechsels, bis sich die neuen Medien flaechendeckend durchsetzten. Das bedeute aber auch, dass auf die Schulen neue Herausfoderungen zukommen, denn "Kinder erwerben zunehmend Wissen ausserhalb der Schule".

Als Vorteil bewertet Dierk die Tatsache, dass sich kuenftig Lernen besser vom Raum und vom Lehrenden entkoppeln laesst. Als Beispiel nannte er ein System, das sein Unternehmen seit neuestem am Markt anbietet. Der Lerner kann an seinem Rechner einen speziell ausgebildeten Tutor anrufen. Dieser schaltet sich ueber eine ISDN- Leitung und seinen PC - mit Video- und Audioverbindung ausgestattet - in die laufende Anwendung des Schuelers ein und kann mit ihm den Stoff durchgehen.

Im Online-Fieber befindet sich bereits Microsoft. Der Softwareriese hat in seinem Netz ein sogenanntes Online-Institut installiert. Von diesem virtuellen Campus soll jeder Lernende das Wissen, die Informationen, die er benoetigt, "entsprechend seinen Lernbeduerfnissen, seiner Zeit und seinem Budget" abrufen koennen, so Gabi Zillner. In virtuellen Klassenraeumen suchen sich die Studenten das Training aus, das zu ihrem Bedarf passt. Lernende und Lehrende kommunizieren via E-Mail, Chat-Sessions und Bulletin- Boards. Soweit die positive Darstellung der Microsoft-Managerin. Zur Zeit ist sie dabei, Schulungsanbieter zu finden, die bereit sind, ihre Kurse in dieses Netz zu stellen. Erster Kandidat ist SPC aus Hamburg.

Neumann fordert fuer die Zukunft eine bessere Verzahnung von DV- Themen und solchen zur Persoenlichkeitsentwicklung. Letztere seien von Bedeutung, wenn es um Veraenderungsprozesse in Unternehmen gehe. Keine Hoffnungen kann Dierk denjenigen machen, die nun glauben, dass sich mit Multimedia alle Schulungsschwierigkeiten von allein erledigen. Im Gegenteil: "Lernen bleibt anstrengend."