Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

17.09.1993

Zukunft gehoert den Standards Dieter Eckbauer

Die Leute sagen, IBM ist die Gegenwart, Microsoft die Zukunft", zitiert das amerikanische Wirtschaftsjournal "Business Week" Larry Ellison, den Chef von Oracle. Das sei falsch, so Ellison: "IBM ist die Vergangenheit, Microsoft die Gegenwart." Fuer den mit scharfem Verstand und scharfer Zunge ausgetatteten Oracle-Gruender, der aus den Ideen des Datenbank-Gurus Edgar F. Codd Kapital schlagen konnte, weil Big Blue bei relationalen Datenbanken zu lange zoegerte, ist die Zeitreihe damit natuerlich noch nicht vollstaendig. Wem wohl die Zukunft gehoert? Ellison lenkt das Augenmerk auf die schoene neue Welt des Client-Server-Computing: Als Datenbank- Anbieter im Minicomputer- und Workstation-Markt verfuege Oracle ueber langjaehrige einschlaegige Server-Erfahrungen, Kenntnisse, auf die sich Microsofts Bill Gates, der "ruler of desktop software", Herrscher aller Clients, nicht berufen koenne.

Von einer "Microsoftmania" mag Ellison nichts wissen. Nur genuegt es ja nicht, eine hohe Meinung von sich zu haben. Wie es Oracle anstellen will, in der Client-Server-Aera die Rolle der IBM oder der Microsoft Corp. einzunehmen, diese Ruler-Frage kann Ellison nur mit Verweisen auf die Vergangenheit begegnen - siehe Datenbank-Know-how, siehe Server-Erfahrungen -, viel mehr als wishful thinking ist sein "The future belongs to Oracle" nicht.

Um gerecht zu sein, fuer jeden DV-Marketier gilt, dass er sich bis zu einem gewissen Grade als Illusionist betaetigt - erfolgreich, wenn die Taeuschung gelingt, die Geschaeftspartner - OEM-Abnehmer, Reseller und Anwender - in das Kredo einstimmen. Das scheint zu funktionieren, wie das Beispiel Microsoft zeigt. Es kann den Anwendern angesichts der Person Gates+ hilfreich sein.

Der Microsoft-Chef betont immer wieder, dass er im Konzert der Client-Server-Anbieter lediglich den Part eines Komponenten- Lieferanten uebernehmen will. Wie kommt es dann, dass viele in "Big Green" den "Big-Blue"-Nachfolger sehen, dem die Zukunft gehoert? Ellison wird ja nicht falsch zitiert, und er hat recht, wenn er sich ueber den Lemminge-Effekt mokiert: vorauseilender Gehorsam, der sich insbesondere in der Software-Industrie breitmacht, sowie eine Art Wunderglauben an Bill Gates Superstar. Man frage nur, welcher Entwickler in der Applikationsbranche sich nicht auf Windows NT festlegen will! Dieses Sekten-Szenerio ist freilich alles andere als bedrohlich. Das Windows-NT-Marketing geht von der Ohnmacht der MIS-Manager in den Anwenderunternehmen aus, die mit IBM-Mainframes in eine Sackgasse geraten sind: eine truegerische Annahme - insofern ist Ellison zuzustimmen, wenn er sich gegen die Auslegung verwahrt, der Client-Server-Kuchen sei bereits von Microsoft gegessen. Nur eines ist sicher: The future belongs to standards. Sie haben offen zu sein, das muss dazugesagt werden.