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12.03.1976 - 

Eine Herausforderung für die Service-Rechenzentren:

Zukunft hat nur, wer die Zukunft plant

12.03.1976

MÜNCHEN - Die Verantwortlichen von Service-Rechenzentren sehen der Zukunft mit gemischten Gefühlen entgegen: Rezession einerseits und immer stärker werdende Konkurrenz durch die Anbieter der Mittleren Datentechnik andererseits stellen die Chefs der "Service-Bureaus" - wie die Branche in den USA heißt - vor erhebliche Probleme.

Nicht nur daß zu Zeiten wirtschaftlicher Flaute den Service-Unternehmen durch Konkurse zahlreiche Kunden ausfallen - auch lehnen jetzt häufig Betriebe die Dienstleistungen eines Rechenzentrums zugunsten der Alternative MDT ab. Dazu aber durchaus versöhnlich Dr. Hans Pärli, Geschäftsführer des Mathematischen Beratungs- und Programmierdienstes, Dortmund, der auch ein Service-Rechenzentrum betreibt: "Es hat sich gezeigt, daß die Datenverarbeitung außer Haus und die MDT nicht nur nebeneinander bestehen sondern durchaus eine sinnvolle Symbiose eingehen können. Die MDT übernimmt dabei den laufenden, die DV außer Haus den periodischen Part."

Schnelligkeit zählt

Daß die Rezession aber auch ein vermehrtes Interesse an der DV außer Haus mit sich bringt, behauptet Kurt Ruprecht, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Rational Gesellschaft für Datenverarbeitung GmbH, München im April '75 zum Vorstandsvorsitzenden des Verbandes Deutscher Rechenzentren gewählt: "Einmal weil sie für kostengünstiger als die eigene Anlage am Haus angesehen wird und andererseits, weil das Informationsbedürfnis besonders in Zeiten schlechter wirtschaftlicher Entwicklung wächst." Ruprechts letztes Argument - sachlich sicherlich richtig - läßt jedoch nicht unbedingt auf mehr Kunden für die Service-Rechenzentren hoffen. Rudolf Wallner, Verwaltungsmitglied der Brauerei Aying, begründet die Anschaffung einer MDT-Anlage und Ablehnung des Service-Angebots eines Rechenzentrums unter anderem mit folgendem Argument: "Wir haben eine sehr ,informationsfreudige' Geschäftsleitung. Bei einer Übernahme unserer Arbeiten durch ein Service-Rechenzentrum hätten wir auf alle aktuellen Auswertungen, die für unser Management so wichtig sind, zunächst verzichten müssen."

Höherwertige Analysen

Solche Vorwürfe wird sich die Service-Branche in Zukunft nicht mehr leisten können, da man auf jeden selbst kleinsten Kunden angewiesen sein wird ("Kleinvieh macht auch Mist"). Nicht nur die großen, sondern möglichst viele Rechenzentren sollten ihren Kunden auch "höherwertige" Auswertungen zur Analyse des Betriebsgeschehens liefern. Einen Ausweg aus diesem Dilemma sieht Jörgen Kamm, Marketing-Referent der ZEDA Gesellschaft für Datenverarbeitung und EDV-Beratung mbH. & Co. Wuppertal, in zunehmender Spezialisierung: "Service-Rechenzentren, die den Schritt in die Spezialisierung, das heißt, gleichzeitige Konzentration auf einige wenige, qualitativ hochwertige Anwendungen für definierte Zielgruppen, nicht wagen oder nicht finanzieren können, dürften auf längere Sicht kaum Überlebenschancen haben." Kamm weiter: "Ein Service-Rechenzentrum braucht Mitarbeiter in Organisation und Programmierung, die branchenspezifische Lösungen erarbeiten können und den Gleichschritt mit der technischen Entwicklung gewährleisten. "

Zwang zur DFÜ

Schritt halten mit der modernen Technik heißt zum Beispiel für die Service - Bureaus: Anwendung der DFÜ. Dazu Dr. Jost Afflerbach, Marketingleiter des Rhein-Main Rechenzentrums, Frankfurt: " Die DFÜ eröffnet dem Service-Rechenzentrum und seinen Kunden interessante neue Möglichkeiten. Die Zusammenarbeit kann in vielen Punkten beschleunigt, die Aktualität der rückgelieferten Informationen wesentlich erhöht werden." Ähnlich aufgeschlossen steht auch Jörgen Kamm der DFÜ gegenüber: "Die EDV außer Haus wird ihre Chancen um so besser wahren können, je mehr sie ihren Kunden zum Beispiel durch Online-Lösungen eine Beschleunigung der Auftragsabwicklung oder Direktinformationen für die Unternehmensführung bieten kann."

Bundespost als Bremse

Beide sind sich aber gleichzeitig darüber im klaren, daß die Zeit für den Einsatz von DFÜ trotz ihrer vielen Vorteile noch nicht reif ist. Afflerbach: "Die Kosten für Hardware und Leitungen lassen die DFÜ noch nicht geeignet erscheinen für einen breiten Einsatz zwischen dem Rechenzentrum und seinem Kunden. Der ,Computer aus der Steckdose wird so lange Zukunftsmusik bleiben, wie die Deutsche Bundespost mit ihren Gebühren die Entwicklung hemmt." Ähnliche Kritik an den hohen Leitungskosten der Bundespost äußert Kurt Ruprecht. Geschäftsführer und Marketing-Experten aus der Service-Branche erkennen zunehmend, daß unter den Service-Rechenzentren nur diejenigen Aussieht auf Erfolg haben, die sich auf die wenigen zukunftsträchtigen Konzeptionen einstellen: Dienstleistungsunternehmen, die sich in Zukunft auf DFÜ umstellen, oder Service-Betriebe, die einer zunehmenden Spezialisierung den Vorzug geben. Um ihre Zukunft nicht bangen müssen diejenigen. die sich darauf spezialisieren, mit der Kapazität ihrer Großrechner die MDT-und Kleinanlagen bei Anwendern abzulösen, die nicht umsehend auf Knopfdruck ihre Zahlen benötigen: Diese Service-Büros können den gleichen Service billiger, da mit geringeren Infrastrukturkosten, anbieten.