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27.09.2002 - 

Zweifel an der Sanierungsfähigkeit nehmen zu

Zukunft von Mobilcom bleibt ungewiss

MÜNCHEN (CW) - Das Gerangel um den angeschlagenen Telefonkonzern Mobilcom geht unvermindert weiter. Bis Anfang dieser Woche gab es keinen offiziell verabschiedeten Sanierungsplan. Auch die Situation nach dem Stopp der laufenden Zahlungen durch France Télécom bleibt ungeklärt.

Die Gerüchteküche um die Zukunft der norddeutschen Telefongesellschaft lief jedenfalls auch in der vergangenen Woche auf Hochtouren, nachdem ein von Vorstandschef Thorsten Genz vorgelegter Sanierungsplan angeblich vom Aufsichtsrat bereits verabschiedet ist, die entsprechend notwendigen Gespräche mit dem Betriebsrat dann aber auf unbestimmte Zeit vertagt worden waren.

Spekulationen zufolge sehen die Pläne des Mobilcom-Chefs den Abbau von 800 bis 1600 der insgesamt 5500 Arbeitsplätze vor - in Abhängigkeit von der künftigen Business-Strategie. Fest steht in jedem Fall, dass im Kerngeschäft der Büdelsdorfer, der Vermittlung von Mobilfunkverträgen für die drei Netzbetreiber T-Mobile, Vodafone und E-Plus, dringender Handlungsbedarf angesagt ist. Denn im Gegensatz etwa zum größten vergleichbaren Wettbewerber Debitel arbeitet Mobilcom hier alles andere als kostendeckend. "Das, was bei Mobilcom das Kerngeschäft darstellt, schaffen Konkurrenten mit einem Bruchteil von Mitarbeitern", bringt der Bonner TK-Experte Bernd Jäger das Problem auf den Punkt. Branchenkenner wie er schätzen, dass Mobilcom hier zurzeit monatlich bis zu 100 Millionen Euro verbrennt. Demzufolge könnten auch weit mehr als 1600 Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen.

Mobilfunkgeschäft defizitär

Auch die offiziellen Zahlen sprechen Bände: Allein im zweiten Quartal brachte die Vermittlung von GSM-Verträgen den Norddeutschen einen Verlust vor Steuern und Abschreibungen von 75 Millionen Euro ein, während das Festnetz- und Internet-Geschäft ein Plus von immerhin 25,3 Millionen Euro aufwies. Kurzfristig wolle man hier Einsparungen in Höhe von rund 130 Millionen Euro realisieren, sickerte aus dem Umfeld des Unternehmens durch.

Die neuen Kredite in Höhe von rund 400 Millionen Euro, für die der Bund und das Land Schleswig-Holstein Bürgschaften geleistet haben, dürften dennoch nur für ein paar Monate reichen. Mehr denn je Unsicherheit herrscht in diesem Zusammenhang natürlich auch darüber, was mit dem UMTS-Lizenznehmer Mobilcom geschieht. Vorstandschef Genz will angeblich alle UMTS-Pläne zunächst "auf Eis legen", um einerseits den Druck auf den Noch-Gesellschafter France Télécom aufrechtzuerhalten, andererseits sucht man offensichtlich einen neuen Partner für den weiteren Netzausbau. "Wir werden auf jeden Fall an unseren UMTS-Lizenzen festhalten", erklärte Mobilcom-Sprecher Matthias Quaritsch.

Der frühere Thyssen-Chef und Mobilcom-Aufsichtsrat Dieter Vogel wurde inzwischen von der Bundesregierung beauftragt, Verhandlungen mit der Regierung in Paris beziehungsweise dem France-Télécom-Management aufzunehmen.

Weitere Gespräche mit Paris

Der französische Staatskonzern hatte nach monatelangem Streit um die milliardenschweren UMTS-Investitionen vor gut zwei Wochen alle entsprechenden Vereinbarungen gekündigt, gleichzeitig aber betont, alle bisher aus dem UMTS-Lizenzerwerb und -Netzausbau resultierenden Verbindlichkeiten der Norddeutschen zu übernehmen. Inwieweit dies als Schuldenerlass oder nur als Kreditumschichtung zu interpretieren ist, dürfte einer der Knackpunkte der Gespräche Vogels in Paris sein. Angeblich sehen die "sehr belastbaren" Verträge mit den Franzosen Investitionen von bis zu zehn Milliarden Euro vor. Nur um diese Finanzierungsansprüche an die Franzosen aufrechtzuerhalten, hätten die Mobilcom-Verantwortlichen das "Abenteuer UMTS" noch nicht gecancelt, mutmaßen Insider. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass die Norddeutschen einen neuen Partner zum weiteren Ausbau ihrer UMTS-Aktivitäten finden, gilt derzeit eher als unwahrscheinlich.

Beobachter halten aber auch eine "Insolvenz in Eigenverantwortung" nach wie vor möglich, bei dem Mobilcom sich unter Gläubigerschutz stehend geordnet aus dem UMTS-Geschäft zurückziehen und Ende 2002 seine Lizenz an den Regulierer zurückgeben könnte. Dafür würden sogar mehrere Gründe sprechen. Denn in Bankkreisen wird man trotz der Staatsbürgschaften zunehmend nervös, zieht die Sanierungsfähigkeit des Mobilcom-Konzerns allmählich in Zweifel.

Festnetzsparte vor dem Verkauf?

Erst recht, wenn - wie einige Planspiele es vorsehen - das profitable Festnetz- und Internet-Geschäft an die Tochtergesellschaft Freenet oder 3U Telekom verkauft wird. Anfang dieser Woche hieß es jedenfalls, dass die Landesbank Kiel die Auszahlung weiterer Darlehen davon abhängig macht, ob sich auch private Banken an der Rettung der angeschlagenen Telefongesellschaft beteiligen. Ungemach droht zudem von der EU-Kommission, die die Ansicht vertritt, dass die Staatsbürgschaften für Mobilcom der Genehmigung aus Brüssel bedürfen. (gh)