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25.10.1991 - 

Sculley denkt über TV-Technik, Funk-PCs und Spielecomputer nach

Zukunftsmarkt Heimelektronik: Apple will nun nach Hollywood

25.10.1991

CUPERTINO (CW) - Die Apple Computer Inc. riskiert nicht nur ihren Nimbus als Mastermind der grafischen Schnittstelle im Systempakt mit der IBM Corp., sondern ist offenbar generell gewillt, Alleinstellungsmerkmale zugunsten einer Produktdiversifizierung abzubauen. Das deutete jetzt CEO John Sculley an: Bald soll die Macintosh-Company in den Märkten für Unterhaltungselektronik und Mobilkommunikation mitrangeln.

Nicht nur in der Anlehnung an den DV-Weltmarktführer IBM und in dem Entschluß, gemeinsam Systemsoftware an Hardwarehersteller zu liefern zeigt sich also die Zukunftsvision von Apple. Vielmehr, so berichtet das "Wall Street Journal", erfuhren zirka 100 Apple-Führungskräfte von Sculley, daß er sich vorstellen könne, zusammen mit japanischen und amerikanischen Unternehmen aus dem Hard- und Software-Business sowie mit Unterhaltungskonzernen zum Beispiel neue Fernsehtechniken zu entwickeln.

Diese Innovationen sollte die Zuschauer in die Lage versetzen, bei Übertragungen in eigener Regie unter verschiedenen Kamerapositionen zu wählen, anstatt sich mit dem Angebot der Fernsehanstalten zufrieden zu geben. Um zu sondieren, ob in Hollywood die grundsätzliche Bereitschaft für ein solches Vorhaben vorhanden ist, hat Apple einen Branchenagenten angeheuert, der seinerzeit auch die Übernahme des Film- und Musikkonzerns MCA Corp. durch die japanische Matsushita-Gruppe in die Wege geleitet hatte.

In unmittelbarer Nachbarschaft zu den gegenwärtigen Apple-Produkten läge ein von Sculley angesprochener Notebook-Rechner mit Elektronik-Griffel und Notepad sowie einer Fax-Karte, die auch handschriftlich erstellte Dateien versenden und empfangen könne. Eine eingebaute Funkeinheit solle die Möglichkeit eröffnen, über zellulare Funknetze Daten zu senden und zu empfangen, so Sculleys Vision. Durch eingebaute digitalisierte Landkarten und Reiseführer werde ein solches Geräte ständig Informationen über den Standort des Benutzers anbieten können.

"General Magic", eine 100prozentige Tochter der Kalifornier, und die japanische Sony Corp., weiß das "Wall Street Journal", sollen die Entwicklungspartner für dieses Projekt sein. Bereits im Februar dieses Jahres hatte Apple die US-Aufsichtsbehörde Federal Communications Commission (FCC) aufgefordert, Frequenzen für die drahtlose Datenübermittlung zwischen PCs zur Verfügung zu stellen, die kostengünstiger als die marktüblichen Frequenzen sein sollten. Damals hatte es von Apple-Seite geheißen, entsprechende Portables befänden sich bereits in der Entwicklung.

Auch Computerspiele erscheinen in Sculleys Sicht gegenwärtig noch nicht so reizvoll, wie sie sein könnten, wenn sie von Apple kämen: Auf der Basis des Mac-Betriebssystems und von Hypercard sowie mit eingebautem CD-Spieler wäre mit einem solchen Nintendo-Konkurenzprodukt - Preis um 600 Dollar - nach den Ausführungen des Apple-Chefs nicht nur ein Spiel-, sondern auch ein Lerneffekt realisierbar.

Investmentfonds für die Produktentwicklung

Welche Geldquellen die Väter des Macintosh anzapfen wollen, um ihren Produktkatalog umfangreicher zu gestalten, ging aus Sculleys Referat nicht hervor. Anfang 1991 jedoch hatte Apples Europatochter gemeinsam mit einem Venture-Capital-Unternehmen einen Investment-Fond gegründet. Aus diesem Topf, hieß es damals in einer Unternehmensmitteilung, sollen Produktentwicklungen und technologische Ideen innovativer Unternehmen aus Europa finanziert werden. Ob die europäische Geldsammel-Tochter eine Rolle in Sculleys Strategieplänen spielen könnte, war auf Nachfrage bei der Apple Computer GmbH in Ismaning bei München nicht zu erfahren.

US-Analysten befürchten, Apple könne die notwendigen hohen Investitionen für die neuen Produkte in den Sand setzen. Eine Marktlücke sei zwar vorhanden, aber möglicherweise sei sie weder groß genug noch langfristig kalkulierbar, meint John Taylor von L. H. Alten & Co. Die Kunden von Massenartikeln wie Spielecomputern sind nach seiner Einschätzung zu "launisch", als daß ein künftiger Bedarf wirklich quantifiziert werden könne.

Zweifel an der Nachfrage und Produktionskapazität

Die Beobachter äußerten Zweifel, ob Apple mit Sculleys Ideen mehr erreichen könne, als einen Technik-verrückten Nischenmarkt zu adressieren. Die Schmerzgrenze des Preises für Spielecomputer etwa setzt der Sprecher eines Anbieters einschlägiger Software mit 300 Dollar an, halb soviel, wie Sculley sich vorstellt.

Sollte dieser Pessimist falsch liegen, bleibt nach Ansicht eines ehemaligen Apple-Entscheidungsträgers immer noch die Frage, ob Apple oder ein anderes US-Unternehmen solche Produkte in Massen produzieren könne. Sculley nahestehende Personen halten es dagegen für möglich, daß der PC-Pionier in den nächsten zwei bis drei Jahren mit Angeboten aus dem Heimelektronik- und Mobilkommunikations-Bereich herauskommen könnte.