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20.06.1986 - 

Zukunftsbestimmende Basis in Elektrotechnik und Maschinenbau:

Zum Ingenieurwissen gehört die Informatik

BONN (lo) - Unzureichend bereiten deutsche Hochschulen die Viertelmillion Ingenieurstudenten auf ihren, von Computer und Software geprägten Berufsalltag, vor: Um diesen Mißstand zu beheben, muß nach Überzeugung der Gesellschaft für Informatik in Bonn, neben Mathematik und Physik auch Informatik als verbindliches Nebenfach in die Grundlagenbildung der Ingenieurstudiengänge integriert werden - so der Kern von ausdrücklichen Empfehlungen, die GI-Präsident Professor Dr. Fritz Krückeberg vorstellte und die die COMPUTERWOCHE in vollem Wortlaut wiedergibt (Seite 36).

Unzweifelhaft gilt: Der Computer nimmt heute eine Schlüsselstellung ein. Denn nur wer mit komplexen Rechner- und Informationsverarbeitungssystemen umgehen kann und die moderne Softwaretechnologie beherrscht, kann sich längerfristig behaupten.

An diese Auffassung der Gesellschaft für Informatik knüpft sich auch deren Aussage: Informatikmethoden sind eine entscheidende Basisinnovation von zukunftsbestimmender Bedeutung für die weitere industrielle, wissenschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung hierzulande. Dieses Know-how umfasse die Gestaltung der Architektur von Computern und Informationsverarbeitungssystemen; ebenso gehöre die Lösung von Problemen durch Algorithmen und die Realisierung der Algorithmen mit Hilfe von Rechnern und Softwareprogrammen in diesen Kontext.

Die weitreichende Anwendbarkeit prädestiniert die Informatik zu einer Grundlagenwissenschaft für alle Ingenieurwissenschaften, so die GI. Zur technischen Bildung müsse es daher - stärker als bisher - gehören, den Einsatz des Computers als Werkzeug oder als Bestandteil technischer Systeme zu verstehen.

Die Bedeutung der Informatik steht im krassen Gegensatz zu dem Umstand, daß etwa in den Maschinenbaufakultäten noch weitgehend die Meinung vorzuherrschen scheint, daß der angehende Diplom-Ingenieur sich die nötigen Informatikkenntnisse selbst aneignen sollte, kritisiert die Bonner Gesellschaft und postuliert: "Diese Einstellung kann nicht mehr gebilligt werden".

Die GI schlägt deshalb vor - auf der Grundlage der Empfehlungen des Fakultätentages von 1983 - Informatik wie Mathematik und Physik auch bereits im Grundstudium der Ingenieur-Ausbildung anzubieten. Zu dem soll dieses Fach in den Prüfungsordnungen für das Wahl- und Pflichtpensum verankert sein. Nach Überzeugung der GI hat dies schnell und konsequent zu geschehen: Da sich derartige Änderungen nämlich erfahrungsgemäß nur schleppend vollzögen, beschreiben die Bonner Informatikexperten, müßten Fakultäten und Fachbereiche bereits jetzt tätig werden, wenn 1990 die Informatik in den Ingenieur-Studiengängen nennenswert berücksichtigt werden sollte. Nach Vorstellungen der GI seien die wichtigsten Grundlagen der Informatik in einer zweisemestrigen Grundvorlesung mit Übungen zu vermitteln. Programmierkurse sollten zusätzlich das Angebot abrunden. Damit würden die Ingenieure dann befähigt, im Hauptstudium spezialisierte Informatik-Vorlesungen etwa über Computerbetriebssysteme oder Künstliche Intelligenz, belegen zu können. Nur in fachspezifischen Fällen jedoch, wie beispielsweise in der Robotik, sollte Informatik nach Überzeugung der GI das Hauptbetätigungsfeld des Ingenieurs sein.

Den voll ausgebildeten Diplom-Informatiker könne und solle der Ingenieur nicht ersetzen. Wichtigstes Ziel sei es indes, die Grundlagen für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zu legen: Der Ingenieur solle Terminologie und Denkweise des Informatikers verstehen können. Da er zudem selbst häufig Informatikprobleme zu bearbeiten hätte, sei eine gewisse Grundlagenkompetenz unerläßlich. Die aber, so pointierten Fritz Krückeberg, Präsident der Gesellschaft für Informatik, müsse die Hochschule dem angehenden Ingenieur auch wirklich vermitteln.