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04.03.1994

Zunaechst wird von IDMS auf DB2 umgestellt Die Bausparkasse BHW bereitet den Client-Server-Einstieg vor

Eine funktionale Eins-zu-eins-Umstellung von der Codasyl-Datenbank IDMS auf die relationale Grossrechnerdatenbank DB2 hat die BHW in Hameln abgeschlossen. Wie Mario Zaleski* berichtet, bereitet sich die BHW-Gruppe, eine Bausparkasse mit 2,5 Millionen Kunden und rund zwoelf Millionen Vertraegen, auf den Einstieg in objektorientierte Client-Server-Umgebungen und den Aufbau eines Management-Informationssystems vor.

Eine Datenbankumstellung dieser Art wurde bisher in der Fachwelt fuer technisch undurchfuehrbar gehalten. Sie gelang auch erst im zweiten Anlauf. Im ersten Versuch scheiterte der DB2-Hersteller IBM: Seine Vorgehensweise bestand darin, die BHW-Anwendungen von vorn herein fuer die relationale Datenbank zu optimieren. Auf diese Weise laesst sich jedoch nicht mehr automatisch testen, ob die neuen Applikationen dasselbe Verhalten an den Tag legen wie die alten.

Optimierung erst nach der Testphase

Als Mitte 1992 - nach Ablauf von sechs Monaten und Kosten in Hoehe von einer halben Million Mark - der Erfolg noch nicht absehbar war, wechselte die BHW den Projektpartner. Die Re-Engineering- Spezialisten des Wiesbadener Softwarehauses Case Consult waehlten einen anderen Ansatz: Sie stellten die Anwendungen funktional unveraendert um und nahmen die Optimierung erst nach der Testphase in Angriff.

Eine Ursache fuer den fehlgeschlagenen Erstversuch mag - neben dem falschen Ansatz der IBM - auch das ehrgeizige Ziel der BHW gewesen sein, moeglichst unabhaengig vom Hersteller zu werden. "Die BHW setzt auf Standards," betont Harry Gehlen, Leiter des Re- Engineering-Projektes bei der Bausparkasse. So habe das Unternehmen beispielsweise nicht auf DB2, sondern auf Standard-SQL umgestellt - als Basis fuer eine durchgaengige Anwendungsarchitektur. "Wir wollen uns auf diese Weise unabhaengig von spezifischen Datenbanken machen", ergaenzt der Projektleiter.

Schneller reagieren auf Hardware-Entwicklungen

Langfristig plant die BHW, die heute eine Vielzahl von Datenhaltungssystemen nutzt, nur noch zwei verschiedene SQL- Datenbanksysteme einzusetzen. Die angestrebte staerkere Ausrichtung auf Client-Server-Architekturen und verteilte Datenbanken ist laut Gehlen nur mit Hilfe relationaler Datenbanken realisierbar. Zudem koennen die Anwendungen einfacher vom Grossrechner auf dezentrale Systeme (oder umgekehrt) portiert werden, was eine schnellere Reaktion auf technische Entwicklungen im Hardwarebereich ermoeglicht. Damit lassen sich - im Sinn von Downsizing oder Smartsizing - die DV-Kosten reduzieren.

Bereits heute sind innerhalb des BHW-Verbunds Unix-Rechner im Einsatz, zum Beispiel bei der BHW Leben. In neuen Projekten werden diese Maschinen verstaerkt genutzt. Gehlen erlaeutert die Strategie: "Wir wollen unabhaengig werden von den eingesetzten Rechnern und ihren Herstellern. Irgendwann sind davon auch die MVS-Systeme im Rechenzentrum betroffen."

Mittelfristig strebt die BHW an, die eigentlichen Anwendungsprogramme ganz von den Datenbankservices zu trennen. Darin sieht Gehlen auch die Voraussetzung fuer den Einstieg in Client-Server-Architekturen: "Im Extremfall koennten wir dann eine Client-Server-Plattform unterschieben - und die betriebswirtschaftlichen Verfahren sind davon nicht mehr betroffen."

Das Datenbank-Re-Engineering bringt nicht nur die BHW ein Stueck weiter auf dem Weg in eine zukunftstraechtige IT-Infrastruktur. Es eroeffnet auch den anderen IDMS-Anwendern (mehr als 3000 an der Zahl) eine Alternative zur aeusserst aufwendigen Umstellung auf das SQL-faehige IDMS-Release 12. Das ist vor allem fuer diejenigen interessant, die - wie die BHW - nach der Uebernahme des Herstellers Cullinet durch Computer Associates in dem Datenbanksystem keine strategische Basis mehr sehen.

Die BHW hat mit dem vergleichsweise bescheidenen Aufwand von 22 Mannjahren bewiesen, dass sich auch sehr grosse operationale IDMS- Datenbanken umstellen lassen. Innerhalb von nicht einmal einem Jahr konvertierte das Unternehmen rund 2000 Programme, mehr als 50 GB Daten und ueber 400 operative Datenbanken. Dazu noch einmal Projektleiter Gehlen: "Nur unter der Bedingung, dass wir das Projekt in einem sehr kurzen Zeitraum und zu ueberschaubaren Kosten realisieren, hat es der Vorstand ueberhaupt genehmigt." Nebenbei entstand mit mehr als 720000 CICS-Transaktionen pro Tag ohne Zutun der IBM eine der groessten DB2-Installationen weltweit.

* Mario Zaleski ist Geschaeftsfuehrer der Case Consult GmbH, Koeln.