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04.03.1983

Zunehmende Informationsbedürfnisse verändern DV-Bereich

Einheitliche Rezepte für die optimale Strukturorganisation des DV-Bereiches gibt es nicht. Zunehmende Informationsbedürfnisse innerhalb des Unternehmens verändern die Aufgaben der DV-Abteilung indes erheblich. Stand bisher primär die reine hard- und softwaretechnische Entwicklung im Vordergrund, müssen sich die Planer jetzt mehr auf die Gestaltung von komplexen integrierten Informationssystemen konzentrieren. Den Anforderungen der Benutzer kann nur dann Rechnung getragen werden, wenn der DV-Bereich genau nach den Bedürfnissen des Unternehmens strukturiert ist. Nur mit einer exakten Planung sind die DV-Leute künftig in der Lage, neben der Realisierung von Anwendersystemen für alle Unternehmensbereiche Daten informationsgerecht aufzubereiten. ih

Peter Stellwagen

Projektleiter, Hanse-Merkur-Versicherungen, Hamburg

Es ist schwierig, eine für alle Unternehmen geltende optimale Organisationsstruktur des DV-Bereichs festzulegen. Die Strukturorganisation ist vor allem abhängig von der Unternehmensgröße und dem Stellenwert der EDV innerhalb des Unternehmens.

Und nicht zuletzt gibt es in jedem Unternehmen - das gilt sicherlich für alle Strukturen, aber für den DV-Bereich besonders - personenbezogene Entwicklungen und gewachsene Zuständigkeiten, die meistens recht schwer umzustrukturieren sind.

Ab Unternehmen mittlerer Größe empfiehlt sich auf jeden Fall die Funktionstrennung der EDV-Abteilung in die Bereiche Produktion, Verwaltung und Entwicklung.

Der Produktionsbereich umfaßt das eigentliche Rechenzentrum mit den Gruppen Arbeitsvor-/-nachbereitung und Operating. Zum Verwaltungsbereich gehört vor allem die Systembetreuung mit den Aufgaben Systemverwaltung, Systemprogrammierung, Tuningmaßnahmen und Hardwareplanung. Weiterhin sollte hier die Verantwortung für die TP-Planung und TP-Administration (inklusive Btx) und die Datenbankverwaltung liegen.

Innerhalb des Verwaltungsbereichs ist zu empfehlen, daß TP und DB eigenständige Gruppen sind, wobei der DB-Bereich unbedingt in einen technischen und einen Designteil (inklusive Führung des Datenlexikons) untergegliedert sein muß.

Im Bereich Entwicklung sind die Softwareplanung und Realisierung angesiedelt, also Systementwicklung und Programmierung. In diesem Problembereich liegt zum einen die - um diesen zur Zeit gängigen Ausdruck zu benutzen - "Erblast" der Wartung der vorhandenen Software, zum anderen die Verantwortung für Neuentwicklungen und Innovationen.

Der Entwicklungsbereich ist der neuralgische Punkt des DV-Bereichs, der meiner Meinung nach nur unternehmensindividuell in Abhängigkeit der Qualität und Quantität der vorhandenen Manpower strukturiert werden kann.

Ich halte die Einsetzung von Projektgruppen mit entsprechenden Projektleitern beziehungsweise Bereichsleitern für optimal. Besonders wichtig ist in diesem Bereich die Einrichtung einer Gruppe "Verfahrenstechnik", die zuständig ist für Richtlinien, Methoden, Tools und Standardsoftware und damit eine einheitliche Vorgehensweise sicherstellt. Auf Grund der starken Auswirkungen der EDV auf alle Arbeitsabläufe ist ein ausgegliederter Bereich "EDV-Revision" unerläßlich.

Abschließend folgendes: Die EDV-Abteilung ist heute und erst recht in Zukunft nicht mehr die technische Dienstleistungsabteilung, die Massendaten verwaltet und aufbereitet. Die Marktstellung eines Unternehmens wird heute weithin bestimmt von der Aktualität, Konsistenz und dem Informationsgehalt der Unternehmensdaten.

Die Datenverarbeitung wird also immer mehr zur Informationsverarbeitung und insofern sind weitere Strukturänderungen des DV-Bereichs absehbar.

Hans-Jürgen Grönig

DV-Leiter, Friedrich Reinecke Verlag GmbH, Hamburg

Jürgen Lenz

Unternehmensberater

Eine direkte Steuerung innerhalb des Wirtschaftsgeschehens ist bei der wachsenden Komplexität nicht mehr möglich, da die Realitäten nicht mehr anschaulich sind.

Das einzig Anschauliche sind Daten und Informationen. Somit ist das Daten- und Informationsproblem das Führungsproblem. Es geht nicht mehr um Techniken für das Handeln, sondern um Methoden des Abwägens.

Integrierte Informationssysteme werden diese Methoden übernehmen, wobei auf das Datenbanksystem zurückgegriffen wird. Niemand darf ein Informationssystem, das nicht integriert ist, ein Informationssystem nennen.

Der Mangel an Zusammenhang in der Logik ist ein Reflex des Mangels an Zeit, die Dinge zu integrieren. Dieser Mangel führt zur Entwicklung einer Mikrologik, zum Nachteil der Makrologik. Das Ergebnis ist Taktik anstelle von Strategie.

Die Schwierigkeiten liegen nicht auf der Hardware- oder Softwareseite, sondern in der langen und sehr aufwendigen Vorbereitungszeit. Es geht um die Frage, wer braucht welche Informationen wann und an welchem Platz. Die erste Forderung an ein integriertes System ist die Verknüpfbarkeit aller Dateien (Datenbank) und der Direktverkehr zwischen dem Anwender und der Anlage. Es besteht ein von innen nach außen wachsender Informationsmangel. Um Wirksysteme zu beherrschen und zu optimieren, muß die Struktur der Informationssysteme deckungsgleich mit der des realen Wirksystems sein.

Man kann nicht von Effizienz sprechen, ohne sich ernsthaft mit Problemen der Messung und Wertung zu befassen. Es ist darauf hinzuweisen, daß die Grenze zur Dokumentation, im klassischen Sinne dynamische Informationsysteme zu errichten, fließend ist. Im Informationssystem werden diese Daten aber im Detail benötigt, um sie in andersartigen Zuordnungen zur Optimierung verwenden zu können.

Es ist schließlich bewußt zu machen, daß die Hauptforderung in der Information Flexibilität heißt. Deshalb läßt sich das rechte Verständnis der zu lösenden Informationsaufgaben nur finden, wenn die Organisation der Organismen verstanden wird.

Ausgangspunkt bei der Errichtung eines Informationssystems muß die Ermittlung der insgesamt benötigten Information sein. Das daraufhin ganzheitlich konzipierte System kann in Etappen eingeführt werden. Eigene Ordnungssysteme für die Datendarstellung sollten dann nicht vorgesehen werden, wenn in der Umwelt geeignete vorhanden sind.

Die Qualität einer Information steht und fällt mit der Datenwahl. Die Daten sind deshalb sorgfältig unter drei Gesichtspunkten zu prüfen, nämlich:

- Welcher Art sie sind (Datenart)

- welchen Nutzen ihre Verwendung bringt (Datennutzen)

- welches Gewicht sie haben (Datenrang).

Helmut Sandner

Bereichsleiter der Wrieske Unternehmensberatung BDU, Hamburg

Der DV-Bereich erfüllt eine Dienstleistungs-(Service-) funktion für das gesamte Unternehmen. Das muß unter anderem auch durch die innerbetriebliche Verrechnung von DV-Leistungen und Kosten zum Ausdruck kommen.

Der DV-Bereich ist gesamtbetrieblich so bedeutsam, daß er der Geschäftsleitung direkt unterstellt sein sollte. Der DV-Bereichsleiter trägt die Gesamtverantwortung und übernimmt persönlich die Beratung der Geschäftsleitung in Fragen der Informationsorganisation. Die Koordination der Entwicklungsprojekte obliegt ihm ebenfalls.

Als "Assistenz-Funktionen" sollten die Aufgabenbereiche

Schulung/Ausbildung sowie Revision/Datensicherheit dem DV-Bereichsleiter direkt zugeordnet sein.

Die weitere Gliederung des DV-Bereichs ist wie folgt zweckmäßig: EDV-Organisation/Programmierung/Rechenzentrum; hierfür sind (bei entsprechender Größenordnung) verantwortliche Gruppen-/Abteilungsleiter einzusetzen.

Der Aufgabenbereich EDV-Organisation enthält zwei wesentliche Arbeitsgebiete: Entwicklung und Einführung. Im Rahmen der Entwicklung sind - je Projekt - folgende Tätigkeiten zu vollziehen: Analyse, Verfahrensvergleiche, Wirtschaftlichkeitsvergleiche, Dokumentation. Das Arbeitsgebiet Einführung enthält die vorbereitenden Tätigkeiten für die Eingliederung eines Projekts (Neu oder Änderung) in den Ablauf der DV.

Die Anwendungsprogrammierung befaßt sich mit der Programmerstellung, dem Test und gegebenenfalls mit dem Parallellauf bis zur Freigabe des Programms zur Verarbeitung. Interaktives, strukturiertes, normiertes und modulares Programmieren sollte aus Gründen der Rationalität eingeführt werden. Für die einzelnen Programmkomplexe sind Neuerstellung und Programmpflege möglichst in eine Hand zu legen, weil die oft problematische Programmpflege dadurch erheblich rationalisiert werden kann. In der Praxis stellt sich zunehmend heraus, daß der Anwendungsprogrammierer sinnvoll als Organisationsprogrammierer eingesetzt wird. Die konsequente Trennung zum Beispiel von Programmvorgabe (EDV-Organisation) und Programmerstellung (Programmierung) führt häufig zu Kommunikations- und Verständigungsproblemen, die sich auf Qualität und Zeitaufwand des Programms negativ auswirken. Die computerunterstützten Dokumentationsmethoden und -systeme fördern die Zusammenführung der Aktivitäten von der Programmvorgabe bis zur Freigabe des Programms zur Verarbeitung.

Der Aufgabenbereich Rechenzentrum ist zweckmäßig wie folgt zu strukturieren: Arbeitsvorbereitung/Operating und Kontrolle. Der ständigen Ablaufkontrolle im Rechenzentrum, in Verbindung mit einer stichprobenartigen Ergebniskontrolle, kommt eine große Bedeutung im Zusammenhang mit der Sicherheit der Datenverarbeitung zu. Das Arbeitsgebiet: Zentrale Datenerfassung hat durch den Einzug der Dialog-Systeme abnehmendes Gewicht und stellt im Rahmen der Strukturorganisation des DV-Bereichs einen heute schon unbedeutenden Teil dar.

Die Ausstattung der einzelnen Stellen des DV-Bereichs mit Stellenbeschreibungen (Aufgaben und Kompetenzen) runden eine leistungsfähige Strukturorganisation ab. Ein Rezept für eine "optimale" Strukturorganisation des DV-Bereichs gibt es nicht. Die Beachtung vorstehend genannter Grundsätze führt - unternehmensspezifisch - zu der richtigen Organisationsform.