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21.08.1998 - 

Open-Source-Software/Akademische Tradition und das Internet machten es möglich

Zur Geschichte der Open-Source-Software

Das Betriebssystem Unix entstand im Rahmen von Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in den Bell Laboratories und den AI-Labs des Massachusetts Institute of Technology (MIT). Die freizügige Weitergabe des Betriebssystems an verschiedene Universitäten ließ eine Reihe eigener Unix-Derivate entstehen, darunter 1977 die Variante BSD, deren voller Name "Berkeley System Distribution" auf die kali- fornische Universität hinweist.

1979 erschien mit der "7th Edition" die letzte "freie" Unix-Version aus den Bell-Labs. Die Weiterentwicklung übernahmen Software-Unternehmen, die an ihren Produkten eigene Rechte haben. Die bisherigen Entwickler konnten nicht mehr in freien Softwareprojekten arbeiten.

Richard Stallman, einer der Mitentwickler aus den AI-Labs am MIT, gründete als Gegenpol 1983 die wichtigste Initiative der freien Softwareprogrammierung, die Free Software Foundation (FSF). Sie hatte zusammen mit dem - ein Jahr darauf gestarteten - GNU-Projekt das Ziel, ein Unix-ähnliches Betriebssystem zu entwickeln, das ausschließlich aus freien Softwarequellen bestehen sollte. Auf der Homepage der FSF fand sich daher der Satz: "Gnu is Not Unix."

Ein Netzwerk findiger Köpfe

In dieser Zeit begann sich das Internet stark auszubreiten. Europa wurde 1982 mit Eunet an das amerikanische Netzwerk angeschlossen.

Der Verzeichnisdienst "Domain Name Service" vereinfachte 1984 die Zuordnung der IP-Adressen. Die Arbeit an diesem Programm begann schon 1980 in Berkeley und wird von fast allen Netzwerkprogrammen genutzt.

1986 entwickelte Larry Wall die Programmiersprache "Praktical Extraction and Report Language" (Perl). Anlaß war das Vorhaben, ein Berichtssystem zu erstellen, das Dateien in hierarchischer Weise durchsuchen sollte. Die bis dahin verfügbaren Unix-Tools konnten diese komplexe Aufgabe nicht lösen.

Perl stellte er der Öffentlichkeit zur Verfügung. Mit Perl werden vor allem WWW-Programme und E-Commerce-Projekte programmiert: Wo immer Daten analysiert werden müssen, kommt Perl zum Einsatz.

1987 entwickelte Andrew Tanenbaum das Betriebssystem Minix für Intels Mikroprozessoren. Es sollte später zum Ausgangspunkt der Arbeiten an Linux werden.

Das Mail-Transportprogramm "Sendmail" gewann Ende der 80er Jahre durch das stark wachsende Internet zunehmend an Bedeutung. Das Programm macht es möglich, neben dem auf TCP/IP basierten Briefverkehr auch UUCP-Nachrichten (Modem-basierte Peer-to-peer-Netzwerke, ähnlich dem Fidonet) gemischt zu übertragen. Dadurch konnten auch Anwender ohne eigenen Internet-Anschluß via Telefonleitungen über E-Mail-Carrier und Usenet am Internet partizipieren. Heute werden zirka 80 Prozent des Mail-Verkehrs über dieses Programm abgewickelt.

Der Aufschwung begann Anfang der 90er Jahre

Das Internet verband zunächst vor allem die Netzwerke von Universitäten. Daß diese Institu- tionen keinem Privatunternehmen oder einer Privatperson gehörten, förderte die akademische Tradition des freien Wissensaustauschs auch in Sachen Software.

Ab 1990 ermöglichten die ersten Internet-Service-Provider einen privaten Internet-Anschluß. Dadurch wurde der Weg frei, daß sich auch außerhalb der Universitäten DV-Spezialisten und -Hobbyisten an Softwareprojekten beteiligen konnten.

Im Jahr 1991 experimentierte der Student Linus Torvalds an der Universität von Helsinki mit dem Betriebssystem Minix. Er wollte dieses kleine Betriebssystem von Andrew Tanenbaum zunächst nur untersuchen, kam aber bald zu Verbesserungen. Am 5. Oktober 1991 kündigte Linus die erste offizielle Version Linux 0.02 an. Er rief dabei zu weiteren Codebeiträgen auf, die er wiederum verteilen würde.

Dem sich nun rasant entwickelnden Betriebssystem kamen zwei Dinge zugute. In der verhältnismäßig großen Zahl von Usenet-Teilnehmern gab es genug, die die Aufforderung von Linus wahrnahmen und aktiv wurden. Zweitens bestanden bereits andere freie Softwareprojekte, deren Arbeiten in Linux einfließen konnten.

Die GNU-Tools der FSF hatte Linus bereits teilweise implementiert. Andere Module, zum Beispiel der TCP/IP-Stack, kamen aus dem Berkeley-Projekt. Weitere Entwickler fügten unendlich viele Hardwaretreiber hinzu. Auf diese Art wurde ein Betriebssystem zusammengetragen, das im Dezember 1993 schon in der Version 0.99.pl14 zur Verfügung stand. Im März 1994 war Linux dann so stabil, daß es als Release 1.0 freigegeben wurde. Im Juni 1996 erschien der Linux-Kernel 2.0.

Nicht nur Linux wurde von den Programmierern als freies Betriebssystem gefördert. Eine Gruppe aus Kalifornien startete 1993 als Alternative zu Linux das Projekt "FreeBSD", dessen Kernel sich besonders leistungsfähig im Netzwerkbereich zeigte.

1991 war im europäischen Kernforschungszentrum Cern das World Wide Web entstanden. Der bald meistgenutzte Web-Server stammte aus dem National Center for Supercomputing Applications (NCSA) an der University of Illinois. 1995 formierte sich eine Gruppe von Webmastern aus diesem Entwicklerteam mit anderen Interessenten zur "Apache Group". Der Name trägt eine Anspielung auf ihre Arbeitsweise: "a patchy server". Noch im selben Jahr gab die Gruppe dessen Release 1.0 heraus. Im Januar 1998 erreichte die Verbreitung dieses freien Web-Servers mehr als 50 Prozent.

1997 hielt Eric Raymond auf einem Linux-Kongreß einen Vortrag mit dem Thema "The Ca- thedral and the Bazaar", in dem er die Vorteile der freien Softwareprojekte propagierte. Der Beitrag faßte die Basispositionen freier Software zusammen. Er blieb allerdings zunächst Diskussionsthema unter den engagierten Programmierern.

Netscape, Informix, Oracle: der Durchbruch?

Anfang des Jahres 1998 erlebte der Browser-Krieg zwischen Microsoft und Netscape immer neue Höhepunkte. Im Februar 1998 entschloß sich Netscape nach einem Diskussionsprozeß, zu dem auch Raymond geladen war, den Sourcecode für den "Navigator" über Mozilla.org den Entwicklern weltweit zur Verfügung zu stellen.

Einen Monat später schuf Raymond ein Lizenzierungsverfahren für den neuen Softwaretyp und den neuen Begriff "Open Source". Um den sofort einsetzenden Aktivitäten profitgieriger Marketiers einen Riegel vorzuschieben, ist der Begriff mittlerweile auch als Trademark geschützt.

Nach langem Zögern haben sich im Juli 1998 Oracle und Informix entschieden, ihre Datenbank-Systeme auch auf Linux verfügbar zu machen. Laut Linus Torvalds bedeutet dies den endgültigen Durchbruch für Linux.

Bernd Broermann ist Unternehmensberater für Open-Source-Software in Hamburg.