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28.10.1983 - 

Die Mikro-Hardware eilt der Programmentwicklung voraus:

Zur Leistungsfähigkeit fehlt die gute Software

28.10.1983

Die Mikros sind während der letzten Jahre in ihrer Leistungsfähigkeit enorm gewachsen und nehmen es heute spielend mit Minirechnern auf. Aber ebensowenig, wie solch ein leistungsfähiger Mikro ohne spezielle Software schon die Lösung eines Anwenderproblems sein kann, so wenig nutzt ein nackter Mikro einem ernsthaften Softwerker als Werkzeug.

Zuerst ist ein Supermikro einmal ein Mikro, also einer jener Prozessoren, an deren oberem Ende, von der Leistung her gesehen, die LSI-Klasse zum Beispiel der DEC-PDPs zu finden ist. Typische Exemplare von Mikros sind aber die Intels, Motorolas, Zilogs etc. Um sich zu Supermikros zu mausern, brauchen sie die Hilfe tüchtiger Peripherie.

Am wichtigsten ist wohl reichlicher Speicherplatz, der für viele Supermikros wesentlich größer angeboten wird als für Rechner der Mitteklasse: Hat man hier oft noch Probleme mit 32 K Partitons und muß darüber mit Overlays jonglieren, so sind solche Restriktionen bei Mikros meistens hinfällig.

Weiterhin ist natürlich potente Ein-/Ausgabeperipherie aber auch hier ist bereits vieles auf dem Markt erhältlich: neben den Standardgeräten auch Grafikein/ausgabe oder Sprachausgabe.

Große Schwäche

Einen vollständigen Supermikro hat man aber erst, wenn er auch mit einem leistungsfähigen Betriebssystem ausgestattet ist. Hier liegt noch die größte Schwäche der Mikros.

Sieht man einmal von Unix ab, das auch auf kleineren Rechnern in abgewandelter Form wie Xenix verfügbar ist, gibt es wohl keine Betriebssysteme, die diesen Namen wirklich verdienen. Die Familien der CP/Ms und MS/DOS jedenfalls sind bessere Programm- und Fileverwaltungssysteme, die die Anforderungen, die an das Betriebssystem eines Minirechners gestellt werden, bei weitem nicht erfüllen können.

Es fehlen alle möglichen notwendigen Utilities, von Benutzerfreundlichkeit oder auch nur von der Möglichkeit, bequemere Kommandoprozeduren zu schreiben, ganz zu schweigen. Es handelt sich also bestenfalls um Kerne von Betriebssystemen; bis zur arbeitserleichternden Benutzeroberfläche klafft noch eine größere Lücke. Hier liegt schon eine große Schwäche des überwiegenden Teiles der Supermikros, die sie so, ohne weitere Ergänzungen, zu Programmierwerkzeugen untauglich machen.

Was erwartet man von einem Programmierwerkzeug?

Ein rechnergestütztes Programmierwerkzeug - und nur von solchen soll hier die Rede sein - unterstützt die Projektabwicklung, hilft in allen Phasen der Softwareerstellung. "Unterstützung" soll hier nicht bedeuten, daß irgendwelche Hardware auf dem Schreibtisch steht und man seine Listen nicht in einem fernen Rechenzentrum abholen muß. "Unterstützung" soll hier projektbezogen verstanden sein, für verschiedene Arbeitsphasen soll es verschiedene Hilfsmittel geben.

Auch soll ein Werkzeug mehr tun, als nur bei der Verwaltung helfen und mechanische Unterstützung bieten. Darauf beschränken sich zum Beispiel Systeme wie Wordstar, Documaster, allgemeine Crossreferenceprogramme, Reportgeneratoren etc. Die Nützlichkeit derartiger Programme besteht hauptsächlich in Dokumentation, Einsparung lästiger Arbeiten etc. Diese Programme setzen wenig an Grundkenntnissen voraus.

Das Lesen des Benutzerhandbuches und eine halbe Stunde Üben reichen aus, um damit arbeiten zu können. Diese Programme haben entweder gar keinen oder einen sehr schwachen Erziehungseffekt.

Im Gegensatz dazu soll hier unter "Programmierwerkzeug" Unterstützung verstanden werden, die erzieherisch wirkt, die den Programmierer in eine bestimmte Bahn lenkt.

Ein Programmierwerkzeug besteht also aus Methoden und Werkzeugen für die einzelnen Phasen der Softwareentwicklung, wobei beide Teile - Methoden und Werkzeuge - genau aufeinander abgestimmt sind. Der Programmierer sollte nicht für jede Phase in seinem Projekt einen neuen theoretischen Ansatz lernen müssen, ebenso sollte das Benutzerinterface des Werkzeugs durchgängig gleich bleiben.

Die GEI hat mit "Promod" solch ein rechnergestütztes, integriertes Methodensystem geschaffen, das auf dem Mikro Sirius verfügbar ist.

Vier Methoden, von Structured Analysis bis zum Structured Programming, bauen von der Philosophie her aufeinander auf. Die Rechnerunterstützung bietet für jede Methode spezifische Werkzeuge an, die immer über die gleiche Datenoberfläche angesprochen werden. Das Software Engineering Environment "Promod und Sirius" bildet also ein Programmierwerkzeug, während der Komponente Supermikro dazu noch einiges fehlt.

Noch Schwachstellen bei den Supermikros

Das schnelle Wachstum der 8-Bit-, 16-Bit-, 32-Bit-Generation verhindert das Nachziehen von Softwareprodukten. Die Compiler der ersten Generation sind auf die neuen Maschinen nicht übertragbar; auch bei der Peripherie gibt es Schwierigkeiten: Winchesterplatten sind für neue Modelle oft noch nicht verfügbar beziehungsweise nicht portabel.

Bei der Grafik gibt es Geschwindigkeitsprobleme. Einige Prozessoren sind einfach noch zu langsam für aufwendige Grafiklösungen. Es gibt also zur Zeit noch Grenzen, die sowohl von den Prozessoren als auch von ihrer Peripherie gesetzt sind. Dennoch sind oder werden die Mikros so leistungsfähig, daß sie sich als dezentrale Intelligenz und auch als Werkzeug zum Programmieren durchsetzen werden und hier Rechner mittlerer Größenordnung verdrängen.

*Günther Bleimann-Gather ist Pressesprecher der GEI, Aachen.