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04.12.1987

Zur Zeit beherreschen Produkte wie NetView und NetMaster den Markt (Teil 2):Zaghafte Ansätze in Richtung OSI-Netzwerk- Management

MÜNCHEN - Leistungsfähige Netzwerk-Management-Systeme und Standards auf diesem Sektor sind noch dünn gesät. Derzeit wird das Problem der Überwachung von Netzwerken je nach Hersteller auf verschiedene Art und Weise am Schopf gepackt, wobei die Branche allerdings in einzelnen Bereichen mehr oder weniger stark auf IBM schielt. Nachdem in Teil 1 führende Produkte wie NetView von IBM, Net/Master von Cincom Systems und NetAlert von Avant-Garde Revü passierten, behandelt der Artikelfortlauf Netzwerk-Management-Systeme, die in diesem Marktsegment die zweite Geige spielen. Zur Sprache gebracht wird auch die auf lange Sicht bestimmende Rolle von OSI im Rahmen dieser Thematik.

In Sachen Netzwerk-ManagementSystem machte auch Hewlett-Packard auf der Systems von sich reden. Im Rahmen seines neuen Privaten Paketvermittlungs-Netzes HP PPN, das auf internationalen X.25-Standards beruht und eine herstellerübergreifende Kommunikation ermöglicht, kommt ein eigenes Netzwerk-Management-System zum Tragen. Die Funktionen dieses Systems umfassen Konfiguration, Operation, Monitoring und Trouble-Shooting. Die Netzwerk-Operator-Konsole - kurz NOC - ist menügesteuert und versorgt ein Hilfs-Menü, das eine komplette Liste von NOC-Bildschirmen in einer logischen Baumstruktur abbildet. Die für das Netzwerk-Management notwendigen Informationen sind in einer Datenbank des Network Control Processor (NCP) abgelegt.

Mitarbeit von Hewlett-Packard in ISO/OSI-Gremien

Darüber hinaus war aus dem Hause HP zu hören, daß Entwicklungen in Richtung eines unabhängigen Netzwerk-Management-Systems auf internationalem Level in den USA im Gange sind. Einzelheiten über die Mitarbeit in ISO-Gremien konnte die deutsche Tochtergesellschaft aber nicht nennen. Nach Angaben von Roland Katz, zuständig für das Marketing von Computernetzwerken, warten die Anwender ganz generell auf ein Netzwerk-Management- System mit OSI-Format.

HP will in Zukunft ebenfalls verstärkt NetView unterstützen. Dazu Katz: "Grundsätzlich haben wir eine ganze Palette von SNA-Emulationsprodukten, mit deren Hilfe wir mit einer HP 3000 oder einer HP 9000 einen Cluster-Controller emulieren, und im Rahmen der NetView-Unterstützung wollen wir dann für die Emulationsprodukte auch die NetView-Statistikparameter für den Kunden verfügbar machen." Bedauerlich sei es allerdings, daß NetView wirklich nur SNA-Knoten unterstütze. Hier warte man - so Katz weiter - darauf, daß IBM Support für Standards gewährt, die dann eben herstellerübergreifend andere Netze wie ein HP-, DEC- oder Wang-Subnetz unterstützen könnten.

Nach Aussagen von IBM planen derzeit insgesamt 25 Hersteller, sich auf das Produkt NetView-PC einzuschießen, von dem Big Blue hofft, daß es sich zu einem Standard für heterogene Netze entwickelt. Siemens wird im übrigen als erstes Unternehmen NetView-PC-Support gewähren, und zwar über seine Hicom-Anlagen. Um welche weiteren Firmen es sich handelt, konnte jedoch über die IBM Deutschland GmbH nicht in Erfahrung gebracht werden.

Ob man mit NetView im ISDN- und PBX-Bereich auf breiter Front Staat machen kann, will Erich Rösch, Projektleiter für den Fachbereich Kommunikationstechnik bei SCS in München, allerdings dahingestellt sein lassen. Zweifelsohne liege in diesem Sektor ein großes Potential, zumal PBX-Systeme in verstärktem Umfang miteinander vernetzt würden. Es sei aber fraglich, ob man in diesen Fällen mit NetView richtig bedient sei. Die Anwender müßten mehr oder minder auf die Realisierbarkeit von ISO/OSI-Standards hoffen.

Weitere neue Netzwerk-Management-Systeme, die auch auf der Systems vorgestellt wurden, stammen unter anderem von Tandem, Liron, IMK, Telemation und Wetronic Automation. Der CW-Artikel erhebt hier jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Liron Computer Systems GmbH aus München präsentierte erstmalig ihre DÜ-AnalyseSoftware Line-View. Anbieterangaben zufolge können damit Fehleranalysen und Netzwerk-Optimierungen auch von Nicht-Spezialisten wesentlich schneller als bisher durchgeführt werden. Kern des auf 370Hosts und Kompatiblen laufenden Programmes ist ein Protokoll-Erkennungstool mit Experten-System-Charakter. Die der Analysemessung zugrunde liegenden Transaktionsmessungen werden nicht im Host, sondern direkt an den Schnittstellen durchgeführt. Auf Geräte zur Datenanalyse, wie zum Beispiel Line-Monitore oder Data-Scopes, kann weitgehend verzichtet werden.

Zu den Einsatzbereichen von LineView zählen neben der Fehler- und Engpaßanalyse Auslastungsbeurteilungen, Verbesserung der Antwortzeiten, Verifizierung von Kommunikationsprotokollen, Kompatibilitätstests der Netzwerkperipherie und die Optimierung des Netzdatenflusses. Das gegenwärtige Release unterstützt VTAM und NCP in MVS-Umgebungen mit IBMs 3725- und 3705Kommunikationsvorrechnern. Es läßt sich aber auch auf kompatiblen Systemen, wie zum Beispiel MSP 20 (BS3000) einsetzen.

Um seine Tandem-NonStop-Systeme effizienter zu machen, stellte Tandem die Software Distributed-Systems-Management (DMS) vor. DMS gibt einen einheitlichen Überblick über das gesamte Netz und verfügt über zusätzliche Funktionen zur Steuerung von dezentralen Systemen, Netzwerken und Anwendungen. Auch entfernte Systeme lassen sich miteinbeziehen. Die neuen Tandem-Produkte werden in einem Operations-Management-Paket angeboten. Die Basisfunktionen sind in Tandems Standardbetriebssystem, Guardian 90, integriert.

Telemation verwies auf der Systems in Zusammenhang mit Instrumenten für die Netzwerk-Überprüfung auf seinen IBM-kompatiblen Token-Ring. Das mit einem sogenannten Wire-Center (Ringverteilungsleiter) ausgestattete ProNET bietet Remote-Diagnose und KonfigurationsMöglichkeiten. Ohne den Betrieb des übrigen Netzes zu beeinträchtigen, können über ein Terminal eine Fehlerdiagnose durchgeführt und defekte Netzknoten abgeschaltet werden. Vom Wire-Center ist über ein Terminal auch eine Statistik der aktiven und passiven Netzknoten abrufbar. Auf die Trends am Markt angesprochen, sieht die Kronberger Gesellschaft für Datenübertragung derzeit keinen Weltstandard, sondern Einzelbemühungen größerer und kleinerer Unternehmen. Zu erkennen sei allerdings die Bestrebung, IBM-kompatible Produkte anzubieten.

Einen weiteren Beitrag zum Thema Netzwerk-Management leistet die Wetronic Automation GmbH. Mit ihrem neuen Netzwerk-Control-Server (NCS/AT) ist die zentrale Überwachung aller am Netz angeschlossenen LAN-Ressourcen möglich. Der Netzwerk-Manager kann über diese Stationen sämtliche Aktivitäten im Netz zeitgleich registrieren und kritische Netzwerk-Parameter durch definierte Alarmschwellen anzeigen lassen. Auch eine grafische Auswertung ist möglich. NCS/AT, für mittlere und große Netze konzipiert, verfügt laut Wetronic über diverse Management-Funktionen. So ist zum Beispiel die Verwaltung von 2048 logischen Namen und 128 Netzwerkrechnern möglich. Die Workstation verfügt über 512 Makros (ScriptFiles) für die menügesteuerte Benutzer-Schnittstelle und Statistik-Funktionen.

Bei der IMK-Firmengruppe ans Grevenbroich unterscheidet man zwischen Software-Management-Systemen, die vom Rechner oder Server aus die komplette Konfiguration softwaremäßig überprüfen, und solchen Systemen, die für diese Überwachung zusätzliche Hardware benötigen. Der geschäftsführende Gesellschafter Walter Siebert: "Ein Anwender soll sich für einen Rechner und nicht für eine Vernetzungsphilosophie entscheiden."

Die erste Art von ManagementTools den Vorzug, daß

eine Überprüfung bis in den Computer hinein stattfinden Könne. Als Nachteil erweise es sich jedoch, daß man auf eine bestimmte Hardware angewiesen sei. Zusätzliche Komponenten higegen können bestimmte Segmente besser kontrollieren und ließen sich als neutrales beziehungsweise weitgehend unabhänigiges System einsetzen. Als neues Produkt bietet IMK das Netzwerk-Management-System NMX an. Es erkennt Szstemfehler und schaltet ohne weitere menschliche Einflußnahme automatisch auf Ersatzgeräte um, dient aber auch zur Fehlerbehebung. Je nach Ausführung können bis zu 4096 lokale oder remote stehende Kanalenden auf dem Monitor des NMX-Controllers in jedem Knoten angezeigt werden. Das System ist völlig transparent für Kanalgeschwindigkeit und Protokoll. Angeschlossen werden können im Grunde alle Datenendgeräte, die eine V.24-, V.35- oder V.11- beziehungsweise X.21-Schnittstelle haben.

Aus der Sicht von SCS-Verkaufsleiter Erich Rösch geht bei NetzwerkManagement-Systemen der Trend - ungeachtet der neuesten Produktofferten - in Richtung OSI und MAP, "Momentan befindet sich die ganze Geschichte stark im Umbruch. Deswegen läßt es sich auch schwer feststellen, welche Funktionsmerkmale so ein System im einzelnen aufweisen soll. Da kann ich eigentlich nur pauschal sagen, es sollte soweit wie möglich den erwähnten Standards entsprechen und sich daran orientieren."

Im Rahmen von MAP 3.0 sei dem Netzwerk-Management schon ein großer Bereich eingeräumt worden. MAP decke ja auch die oberen Schichten mit ab.

Die Realität in den Unternehmen ist von den Standardisierungsbemühungen auf internationalem Level bis dato allerdings noch so gut wie unberührt. Sie wird von herstellereigenen Systemen beherrscht. Anwendern mit einer IBM-Umgebung rät Rösch, sich entweder für IBMs NetView oder Net/Master von Cincom Systems zu entscheiden. Letzteres Produkt sei ja auch "auf die IBM-Welt hin getrimmt worden." Man dürfe zudem eines nicht vergessen: Die Zusammenfassung verschiedener Module unter NetView sei eigentlich eine Reaktion der IBM auf das entsprechende Cincom-Produkt gewesen. Der Trend, sich an NetView anzulehnen, entspringt für Rösch hauptsächlich einem Mangel an Alternativen. Ein Teil der Anwender nähme sich allerdings auch die Freiheit heraus, eigene Tools für das Netzwerk-Management zu entwikkeln. Auf Herstellerseite sei erkennbar, daß - wie erwähnt - entweder eigene Produkte auf den Markt gebracht würden oder aber man versuche, Netzwerk-Management-Tools unter Einbeziehung der NetViewStrategie zu entwickeln. Beispiele dafür seien Ungermann-Bass und Nixdorf. Siemens dagegen habe, abgesehen von der NetView-PC-Unterstützung durch Hicom das Fundament für ein eigenes Netzwerksteuerungs und -überwachungssystem gelegt. Rösch: "Die Basis dafür ist da. Auch die entsprechenden Schnittstellen und Grundfunktionen sind vorhanden."

SCS selbst ist zur Zeit zusammen mit einem großen Hersteller, den Rösch aber nicht nennen möchte, an einem Netzwerk-Management-Projekt beteiligt. Zielsetzung dabei sei es, die Anforderungen der Anwender in verstärktem Maße zu berücksichtigen. Die Neuentwicklung orientiere sich in ihrem Design und ihren Spezifikationen an den Gegebenheiten von ISO/OSI, an MAP und an IEEE.