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27.11.1987

Zur Zeit beherrschen Produkte wie NetView und NetMaster den Markt (Teil 1): Zaghafte Ansätze in Richtung OSI-Netzwerk-Management MÜNCHEN - Leistungsfähige Netzwerk-Management-Systeme und Standards auf diesem Sektor sind noch dünn gesät. Derzeit wird das

Zur Zeit beherrschen Produkte wie NetView und Net/Master den Markt (Teil 1):

Zaghafte Ansätze in Richtung OSI-Netzwerk-Management

MÜNCHEN - Leistungsfähige Netzwerk-Management-Systeme und Standards auf diesem Sektor sind noch dünn gesät. Derzeit wird das Problem der Überwachung von Netzwerken je noch Hersteller auf verschiedene Art und Weise am Schopf gepackt, wobei die Branche allerdings in Teilbereichen mehr oder weniger stark auf BM schielt. Diesen Trend belegen auch die jüngsten Offerten auf der Systems. Zu den marktbeherrschenden Produkten gehören unter anderem Net/Master von Cincom Systems, NetView von IBM und Net/Alert von

Avant-Garde Computing.

"Ein brauchbares Netzwerk-Management-System sollte nicht nur Fehlerzustände aufzeigen, sondern auch Informationen zur Fehlerbehebung wie Postentstörungsstellen anbieten", erklärt Paul Hoffmann, Geschäftsführer der Datakom, Gesellschaft für Datenkommunikation mbH, Ismaning. Wünschenswert sei daher mehr Intelligenz bei der Entscheidungshilfe in Richtung KI. Wert gelegt werden müsse daneben auf einen modularen Aufbau, zentralisierte Funktionen und die Möglichkeit, mit dem Netzwerk-Management-System eine Integration über mehrere Architekturen und Kommunikationsformen hinweg zu ermöglichen. Software, die für ein IBM-System geschrieben wurde, sollte auch auf Unix-Systemen anwendbar sein. Dies könne man zum Beispiel gewährleisten, indem man ein derartiges System in C schreibe. Sinnvoll sei auch die Benutzung von ISO- und CCITT-Protokollebenen.

Im Grundtenor ähnlich wie Hoffmann, äußert sich auch Rolf Levenhagen, Verkaufsleiter Deutschland/Österreich von Cincom Systems. Eine moderne Hochsprache sei ein Muß bei Netzwerk-Management-Systemen, um eine rasche Umsetzung individueller Anforderungen zu ermöglichen, ohne auf Assembler-Exit-Programmierung zurückzugreifen. Auf diese Art und Weise ließen sich auch potentielle Schnittstellen-Probleme vermeiden. Ferner müsse gewährleistet sein, verschiedene Netz- und Rechnerwelten miteinander zu verbinden, so zum Beispiel Systeme von IBM, Nixdorf, Siemens und Tandem.

Netzwerk-Management erschöpft sich für Levenhagen auch nicht nur in der reinen Netzwerksteuerung und -überwachung, sondern es gehören ebenso die Bereiche Endbenutzer-Service, Informations- und System-Management, File-Transfer sowie ein integriertes einheitliches Problem-Management für die genannten Bereiche dazu.

Reelle Chancen am Markt haben nach Einschätzung von Hoffmann auf die Dauer nur solche Systeme, die portabel oder host- und vorrechnerunabhängig, aber trotzdem in der Lage sind, Informationen aus host- und vorrechnerresistenten SW-Paketen zu extrahieren und zu Standardreports zu verarbeiten. Hinter diesen Anforderungen hinken die Produkte sämtlicher Anbieter - so der Netzwerk-Experte weiter - hinterher, einschließlich NetView von IBM. "Wenn es auch manchmal so erscheint, als wenn NetView oder NetView-PC einen Standard abgeben beziehungsweise setzen würden, stellt man bei genauer Betrachtung fest, daß diese Überwachungs-Tools nur eine kleine Teilmenge eines Netzwerküberwachungs-Konzepts darstellen, sicher aber kein allumfassendes Instrument. Und

dies schon gar nicht, wenn es um die Überwachung heterogener Netzwerke geht. NetView müsse außerdem in der Lage sein, mit den vielen bereits vorhandenen Netzwerk-Tools der IBM zu kommunizieren.

Der DV-Marktführer versuche nun mittel- und langfristig, mit dem Netzwerk-Konzept OMAR (Open Management Architecture) ähnlich wie AT&T/Bell mit UNMA (Unified Network Management Architecture) einen Standard zu setzen. Doch auch hier hegt der Datacom-Geschäftsführer Zweifel, denn beide Standards mußten und sollten die Themen ISDN und private Vermittlungsanlagen als Langzeitlösung enthalten. Es dürfte aber jetzt schon klar sein, daß keines der genannten Produkte dem Ideal-Typus eines Netzwerk-Management-Systems entspricht, da immer zuviel Firmenpolitik dieser Marktgiganten mitspiele. Vielmehr muß - so Hoffmann - zuviel Rücksicht auf die momentan verfügbaren Produkte wie beispielsweise SNA oder bereits vorhandene Reports, Formate und Benutzeroberflächen genommen werden.

Auch die übrigen am Markt befindlichen Produkte, außer dem vielzitierten NetView, lassen noch einiges zu wünschen übrig. Aus der Sicht von Brancheninsidern kranken sie daran, daß sie hardwareseitig auf bestimmte Hostsysteme, Multiplexer, Konzentratoren oder Vorrechner abgestimmt sind. Eine gewisse Abhängigkeit von IBM-Architekturen könne man nicht leugnen, sie manifestiere sich auch bei einem Produkt wie Net/Master von Cincom Systems.

Große Defizite bei grafischer Ausgabe

Beim Netzwerk-Management spielt auch die Aufbereitung der Informationen eine große Rolle. Gefragt ist beim Anwender die grafische Datenverarbeitung mit Farbmonitoren. Wenn man sich jedoch auf dem Markt umschaut, stellt man fest, daß die meisten Systeme sich mit einer schlichten Schwarzweiß-Darstellung begnügen und vor Zahlenkolonnen strotzen.

Einen eigenen Beitrag zum Thema Netzwerk-Management leistet Datacom mit NetAlert/Plus. Das bereits als Version NetAlert von der AvantGarde Computing Inc. im Jahre 1979 auf dem Markt eingeführte Produkt ist nun zu einem Realtime-orientierten kontinuierlichen Performance-Überwachungssystem - auch im Sinne eines Frühwarnsystems - ausgebaut worden. Es mißt die Antwortenzeiten nicht aus der Sicht des Operatings, sondern aus der Sicht des Anwenders. Wesentlich ist auch, daß Informationen aus anderen Netz-Tools von IBM wie zum Beispiel NCCF (Network Communication Control Facility), NPDA (Network Problem Determination Application), NetView und NetView PC extrahiert und zu Standardreports zusammengefaßt werden können. Ein weiteres Ziel des Paketes ist es, den Overhead im Host so gering wie möglich zu halten. Net/Alert ist weltweit über 190mal installiert, wobei viel Implementationen auf Deutschland entfallen. Zu den Kunden zählen vor allen Dingen große Versicherungen und Banken, aber auch Automobilhersteller und Luftfahrtgesellschaften.

Wettlauf zwischen NetView und Net/Master

Das neben NetView am weitesten verbreitete Netzwerk-Management-System stellt Net/Master von Cincom Systems dar, das allein in Deutschland 150 und weltweit 800 Kunden zählt. Hierfür kann das Frankfurter Unternehmen ebenfalls mit einer Produktergänzung aufwarten. Net/Master versucht auf der Basis der modernen interaktiven Netzwerk-Kontrollsprache NCL die Bereiche Netzwerk-Integration, Session-Management, NetMail, File-Transfer, Netzwerk- beziehungsweise System-Management und Info-Management gleichermaßen zu erschlagen und bietet somit eine Ende-zu-Ende-Lösung. Der Wirkungsgrad erstreckt sich vom Endbenutzer über VTAM, Subsysteme und Betriebssysteme bis hin zu Dateien. Net/Master gestattet den ununterbrochenen 24-Stunden-Betrieb an sieben Tagen in der Woche.

Das Cincom-Produkt ist an der strategischen Schnittstelle VTAM/CNM aufgehängt, die auch für NetView Gültigkeit besitzt. Als Vorteil wertet Cincom-Verkaufsleiter Levenhagen, daß Net/Master alle genannten Bereiche abdeckt, während andere Anbieter jeweils nur für Teilsegmente Lösungen anböten. IBMs NetView erstrecke sich lediglich auf die beiden Segmente Netzwerk-Management und System-Management. Dies liege in erster Linie daran, daß bei NetView keine mit NCL vergleichbare Hochsprache eingesetzt würde, sondern auf der Basis von C-LISTEN und Assembler-Exit-Programmierung den Benutzerwünschen nachgekommen werde.

Levenhagen verweist auch darauf, daß sich Net/Master bereits heute auf verschiedene -Betriebssysteme wie zum Beispiel Nidos von Nixdorf, DOS/VSE/SP, MVS/SP, MVS/XA, VM/GCS, BS3000, MSP und Facom verstünde. Für Ende diesen Jahres sei im übrigen die Verfügbarkeit von Net/Master als PC-Variante angekündigt worden.

Als zusätzliche Komponente enthält die Version 2.0, die bereits bei einigen Kunden wie Klöckner-Humboldt-Deutz oder der Deutschen Bank eine Pilotphase durchläuft, unter anderem das Network Tracking System für die Registrierung und Überwachung von Sessions und liefert eine Online-Überwachung, die die Ressourcen erheblich weniger in Anspruch nimmt als andere Netzwerk-Management-Systeme. Die Funktion Info/Master liefert einen neuen Speicher für Netzwerk- und Systemdaten. Zusätzlich wird eine Anwendung für das Problem-Management (Definition von Fehlern) zur Verfügung gestellt. Bei der dritten neuen Komponente handelt es sich um Net/Mail als eine VTAM-Funktion für Endbenutzer zur Versendung von Online-Memos und elektronischer Post.

Abgesehen von diesen Features enthält Net/Master 2.0 eine Anzahl von Verbesserungen im Bereich der Performance und der höheren Programmiersprache NCL. So wurde die Nutzung des virtuellen MVS/XA-Speichers erweitert - alle NCL-Prozeduren und der dazugehörige Speicher residieren über der 1 6-MB-Grenze. Eine weitere Net/Master-Komponente kündigte Cincom mit Sys/Master an. Hiermit können das Management und die Steuerung von komplexen MVS-Operationen verbessert und automatisiert werden. Sys/Master sortiert den gesamten Meldungsverkehr der MVS-Konsole.

An dem IBM-Produkt NetView wird in einer von einem großen Versicherungsunternehmen erstellten Vergleichsstudie "NetView und Net/Master" bemängelt, daß die Benutzer-Schnittstelle "schwerfällig" und "featureless" aufgebaut ist und sich das System relativ schwer installieren läßt. In puncto Installation allerdings kommen von den "IBM Nachrichten" zitierte Anwender zum genau gegenteiligen Ergebnis.

Weitere Minuspunkte von NetView laut dieser Studie: keine kontextabhängige Online-Hilfe, keine Möglichkeit der Bildschirmaufteilung (Window-Technik), umständliches Hin- und Herspringen zwischen den einzelnen Produktkomponenten und ein auf das Modell 2 beschränkter Terminalsupport. Außerdem fehlt Electronic Mail. Ebenfalls beim Tailoring (Anpassung) und im Bereich Automation (zeitgesteuerte Befehle, Clist mit automatischen Antworten und Filtern von Meldungen) sowie beim Multi-Session-Management schnitte NetView im Vergleich zu Net/Master schlechter ab.

IBM hat jedoch kürzlich ein NetView-Release angekündigt, das im ersten Quartal 1988 verfügbar sein wird. Als neue Funktion soll das automatisierte MVS-Konsol-Management angeboten werden, daß IBM zuvor unter dem Namen OCCF als eigenständiges Produkt führte. Das Frankfurter Unternehmen hingegen will seine Offerte für Net/Master um ein Session-Awareness-Feature erweitern, das Big Blue bereits vorweisen kann. Hinzu kommen werden bei beiden Herstellern die Funktionen "Automatisierte Operations-Techniken", "Multiple-Session-Unterstützung" und "menügesteuertes Logon-Panal".

IBM war auf den beiden Messen Systems und Telecom im übrigen auch mit Erweiterungen für NetView vertreten. Auf der Systems stellte Big Blue für die Unterstützung seines 8750 Business Communications System den sogenannten Alert-Monitor als NetView-PC-Programm vor. Der Monitor für die Fehleranzeige ist hardwaremäßig an einen IBM 5170 PC AT gekoppelt, auf dem NetView PC 1.1 läuft. Die Fehlermeldungen werden zu dem NetView-PC-Alert-Manager für das lokale Problem-Management geschleust und können optional auch an NetView für die zentrale Netzwerk-Kontrolle geleitet werden.

Als Tool für die Dezentralisierungsstrategie auf SNA-Basis zeigte IBM auf der Telecom in Genf den NetView Distribution Manager (DM). Er läßt sich als Verwaltungseinheit für die zentrale Kontrolle von Datenströmen einsetzen und ist lauffähig unter VM, MVS sowie MVS/XA. Der ebenfalls neue NetView Performance Monitor (NPM) soll die Aktivitäten im SNA-Netz überwachen, um Engpässe beim Informations-Transfer zu vermeiden. Für MVS- beziehungsweise MVS/XA-Anwender ist das NetView File Transfer Program gedacht. Es gestattet die simultane Übermittlung von 32 Dateien in 370-Umgebungen.

Auswahl-Kriterienkatalog für Netzwerk-Management-Systeme

- modularer Aufbau

- zentralisierte Funktionen

- File-Transfer

- Netzwerk-Integration

- Systeme-Management

- Netzwerk-Management

- Electronic-Mail

- 24-Stunden-Betrieb

- grafische Ausgabe mit Farbmonitoren und Diagramm-Darstellungen

- Portabilität

- bedienerfreundliche Benutzeroberfläche

- Integration über mehrere Architekturen und Kommunikationsformen hinweg

- Informationen zur Fehlerbehebung (Künstliche Intelligenz)

- Einbeziehung von ISDN und privaten Vermittlungs-Systemen